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England-Fans im Wembley-Stadion

Die britische Regierung hält die Ansteckungsgefahr in Stadien für gering.

(Foto: AP)

Corona-Pandemie Bis zu 60.000 Zuschauer im Wembley – Großbritannien lockert trotz Deltawelle weiter

Deutschland fürchtet die Deltavariante, die Briten hingegen scheinen entspannt. Die Stadien sind voll, erste Reisen wieder erlaubt – bald könnte auch die Maskenpflicht fallen.
26.06.2021 - 15:46 Uhr Kommentieren

London Am Samstag ist es wieder soweit: 22.000 Fans werden im Londoner Wembley-Stadion erwartet, wenn Italien im Achtelfinale der Fußball-EM auf Österreich trifft. Doppelt so viele können am Dienstag das Spiel zwischen Deutschland und England verfolgen.

Zum EM-Finale am 11. Juli sind sogar 60.000 Zuschauer zugelassen. In Wimbledon sitzen am selben Tag 15.000 Tennis-Fans am ausverkauften Centre Court. Eine Woche später dürfen dann 140.000 Zuschauer zum Formel-Eins-Rennen in Silverstone.

Angesichts der vollen Stadien fragt sich mancher deutsche Beobachter: Sind die Briten noch ganz bei Trost? Missbilligend wird über den Ärmelkanal geblickt: SPD-Experte Karl Lauterbach sagt, die vollen Stadien seien ein „Brandbeschleuniger“ für die ansteckendere Deltavariante des Coronavirus, die in Großbritannien grassiert.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn kritisiert die Massenveranstaltungen, Kanzlerin Angela Merkel hält eine EU-weite Quarantäne für Besucher aus Großbritannien für nötig.

Deltavariante macht 95 Prozent der Infektionen in Großbritannien aus

Es ist ein merkwürdiger Kontrast: Während die deutsche Politik wegen der Deltavariante Alarm schlägt, scheinen die Briten die Angst vor dem Virus verloren zu haben. Dabei steigen die Infektionszahlen auf der Insel seit einigen Wochen rasant, die Deltavariante macht inzwischen 95 Prozent aller neuen Fälle aus.

Doch setzt die britische Regierung unverdrossen auf weitere Lockerungen. Geschäfte, Restaurants, Kultur- und Sporteinrichtungen sind längst geöffnet, in der kommenden Woche folgen erste Reiseerleichterungen: Ab Mittwoch dürfen die Briten 16 Ziele im Ausland anfliegen, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne zu müssen. In Europa zählen dazu die Balearen, Malta und Madeira.

Später im Sommer sollen weitere EU-Ziele auf die grüne Liste gesetzt werden. Am 19. Juli will Premier Boris Johnson alle Corona-Einschränkungen aufheben. Auch die Maskenpflicht könnte dann fallen.

Eigentlich war der „Freedom Day“ schon für den 21. Juni geplant, doch hatte Johnson ihn um vier Wochen nach hinten verschoben, um sicherzustellen, dass alle Erwachsenen zwei Impfangebote bekommen haben.

61 Prozent der Erwachsenen sind vollständig geimpft

Wiederholt sich die Geschichte? Zu Beginn der Pandemie vor 15 Monaten hatte Johnson zunächst einen Sonderweg eingeschlagen und mit dem ersten Lockdown lange gewartet. Während Europa schon dicht gemacht hatte, schüttelte der Premier Hände im Rugbystadion, Hunderttausende drängten sich beim Pferderennen in Cheltenham. Der Laissez-Faire-Kurs trug dazu bei, dass Großbritannien heute mit 128.000 Toten die höchste Opferzahl in Europa zu beklagen hat.

Bei der Kritik an den vollen EM-Stadien schwingt diese Erfahrung immer mit. Doch gibt es in der aktuellen dritten Welle einen entscheidenden Unterschied: Die meisten Briten sind gegen das Virus geimpft. 83 Prozent der Erwachsenen haben eine erste Dosis erhalten, 61 Prozent auch eine zweite. Die hohe Impfquote führt dazu, dass trotz der steigenden Neuinfektionen die Zahl der Krankenhausweisungen und Todesfälle bisher auf niedrigem Niveau verharrt.

„Die Daten legen nahe, dass wir dank des Erfolgs unseres Impfprogramms die Verbindung zwischen Infektionszahlen und Krankenhauseinweisungen unterbrochen haben“, sagt Jenny Harries von der UK Health Security Agency. Die Daten seien „sehr ermutigend“.

Die Deltavariante trifft vor allem die Jüngeren

In den vergangenen sieben Tagen stiegen die Neuinfektionen in Großbritannien um 48 Prozent gegenüber der Vorwoche. Rund 1500 Menschen wurden mit Covid ins Krankenhaus eingeliefert - ein Anstieg von 13 Prozent. Drei Fünftel davon waren ungeimpft, ein weiteres Fünftel hatte erst eine Impfdosis erhalten.

Der Impfschutz ist also nicht vollständig, reicht aber offenbar aus, um die Krankenhäuser vor der Überlastung zu bewahren. Hinzu kommt, dass die neuen Infektionen zum größten Teil in den jüngeren Altersgruppen auftreten, die weniger anfällig gegen die Krankheit sind.

Johnson hält die Ansteckungsgefahr in den Stadien für gering - auch wenn es in mehreren Ländern Hinweise darauf gibt, dass die Reisen von EM-Fans quer durch Europa zur Verbreitung des Virus beitragen.

Pilotprogramm findet nur wenige Corona-Fälle nach Großereignissen

Am Freitag veröffentlichte die Regierung die Ergebnisse ihres Pilotprogramms zu Massenveranstaltungen. Seit April haben mehrere Großereignisse in kontrolliertem Rahmen stattgefunden, bei denen Wissenschaftler die Infektionsgefahr feststellen wollten.

Von den insgesamt 58.000 Zuschauern bei diesen Ereignissen - darunter eine Clubnacht in Liverpool, das englische Pokal-Endspiel und die Verleihung der Brit Awards - erkrankten nur 28 an Covid-19. Aus Sicht der Regierung beweist dies, dass Großereignisse mit negativ getesteten Zuschauern sicher sind.

Dazu kommt, dass die Bewohner Großbritanniens bei den EM-Spielen weitgehend unter sich sind. Die britischen Quarantänevorschriften führen dazu, dass am Dienstag beim Achtelfinale Deutschlands gegen England keine Fans aus Deutschland im Wembley-Stadion sein werden. Denn für die erforderlichen zehn Tage Quarantäne reichte die Zeit zwischen dem letzten Gruppenspiel und dem Achtelfinale nicht. Nur einige tausend VIP-Gäste dürfen vom europäischen Festland anreisen.

Merkel selbst scheint die Reise ins Delta-Risikogebiet nicht zu schrecken: Nachdem sie neulich schon beim G7-Gipfel in Cornwall war, besucht sie Johnson am kommenden Freitag gleich nochmal - und zwar auf seinem Landsitz Chequers. Es wird erwartet, dass sie dann auch über eine mögliche Aufhebung der Quarantänevorschriften reden.

Mehr: Wann die Pandemie trotz Deltavariante endet.

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