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Corona-Pandemie Osteuropas Wirtschaft könnte mittelfristig zum Gewinner der Krise werden

In Osteuropa drohen tiefe wirtschaftliche Einschnitte. Mittelfristig aber könnte die Region zum Gewinner werden – das wäre auch für Deutschlands Exporte gut.
08.04.2020 - 17:07 Uhr Kommentieren
Deutschland ist von der Wirtschaft in Osteuropa stark abhängig. Quelle: dpa
Deutsch-polnische Grenze

Deutschland ist von der Wirtschaft in Osteuropa stark abhängig.

(Foto: dpa)

Berlin Die Coronakrise trifft Osteuropa besonders hart. Das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (Wiiw) erwartet, dass der Einbruch in Osteuropa drastischer werden wird, als in der globalen Finanzkrise und die Region in eine „tiefe Rezession“ rutscht. Allein Polen hat wirtschaftliche Hilfspakete im Umfang von zehn Prozent des BIP geschnürt. In anderen Ländern der Region sieht es noch schlimmer aus.

Zugleich erwartet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft (OA) aber, dass die Region für die Zeit nach der Krise große Vorteile haben wird. Besonders durch eine zu erwartende Verkürzung der Lieferketten. Für die Verlagerung von Fabriken aus Asien näher hin zu den Stammwerken sei Osteuropa hervorragend aufgestellt.

Analysen rechnen aktuell allerdings mit heftigen Einbrüchen: Goldman Sachs erwartet für Tschechien einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent. Und die Wirtschaft Polens, das als einziges europäisches Land ohne Rezession durch die Weltfinanzkrise 2008/09 gekommen war, werde um 3,5 Prozent zurückgehen.

Der Einbruch in Osteuropa ist für die deutsche Wirtschaft von besonderer Bedeutung: Denn allein die Visegrad-Staaten Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei hatten 2019 mit einem Handelsvolumen mit Deutschland von 303 Milliarden Euro eine größere Bedeutung für die deutsche Wirtschaft als China mit 205,7 Milliarden und die USA mit 190,1 Milliarden Euro. Der gesamte Handel Deutschlands mit Osteuropa betrug 453,7 Milliarden Euro, was ein Fünftel des gesamten deutschen Außenhandels ausmachte.

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    Vor allem die Schließung der Autofabriken in Deutschland, die Probleme für Pendler und lange Staus an den Grenzen haben zu erheblichen Problemen geführt. Einige Länder Osteuropas, vor allem Bulgarien, Rumänien, die Ukraine leiden zudem unter den drastisch zurückgehenden Rücküberweisungen von eigentlich im westlichen Ausland arbeitenden Landsleuten.

    Wegen der Coronakrise könnten viele dort nicht mehr arbeiten und kein Geld mehr in die Heimat überweisen. Auch der weitgehende Zusammenbruch des Tourismus trifft einige Staaten hart. Deutliche Einnahmeverluste der Menschen führen inzwischen auch schon messbar zu einem erheblichen Rückgang des Konsums und damit auch zu weniger deutschen Exporten.

    Wirtschaftlicher Sachverstand gegen nationale Sicherheit

    OA-Geschäftsführer Michael Harms sieht aber auch Chancen für die Zeit nach dem akuten Coronaschock: Von einer Verlagerung der Produktionsstätten aus Asien könnte „vor allem Osteuropa profitieren, weil die Länder hier sehr wettbewerbsfähig sind“. Allerdings gebe es schon jetzt einen erheblichen Fachkräftemangel.

    Harms betonte aber auch die „Gefahr des Protektionismus“ im Osten: Vor allem Ungarn versuche bevorzugt ausländische Investoren zu Einzahlungen in Hilfsfonds zu drängen. „Wirtschaftlicher Sachverstand“ dürfe nicht völlig hinter nationalen Sicherheitsinteressen zurücktreten, mahnte Harms.

    Gerade in Russland werde versucht, Importsubstituierungen noch auszuweiten. Bei überzogenen Maßnahmen drohe die „ökonomische Sinnhaftigkeit aus den Augen verloren zu gehen“. Der Ost-Ausschuss kämpfe dafür, dass Hilfspakete in den Nationalstaaten nicht nur für einheimische Firmen angeboten würden, sondern auch für deutsche Tochterfirmen dort.

    Für die deutsche Wirtschaft könnte sich indes auszahlen, dass viele Länder jetzt darauf schauten, wie gut das deutsche Gesundheitssystem sei. Die deutsche Gesundheitswirtschaft könne so zum Vorzeigemodell werden ebenso die deutsche Industrie 4.0 – also die massive Digitalisierung und Automatisierung der Produktion.

    Harms zeigt sich überzeugt, dass es in Osteuropa „viel schneller möglich sein wird, wieder hochzufahren“ nach der Coronakrise. Denn im Gegensatz zu Norditalien würden sich Lkw-Fahrer nicht weigern, dorthin zu fahren.

    Nötig sei aber auch, klar zu zeigen, dass Europa helfe – und zwar deutlich mehr als Russland und China. Aber der Fokus müsse jetzt „auf Geld und Equipment gelegt werden, die ansonsten für Europa typischen Beratungshilfen müssen dann später wieder kommen“, verlangte Harms.

    Russland und die Ukraine im Fokus

    Russland habe zwar „besonnen und sehr angemessen reagiert“, ist Harms überzeugt. Aber der Kreml müsse noch sehr viel mehr Geld in die Hand nehmen, um die bis zum Monatsende in Zwangsurlaub geschickte Wirtschaft wiederzubeleben. Die bisher eingeplanten 16 Milliarden Euro seien dafür deutlich zu wenig. „Dieser Umfang reicht überhaupt nicht“, hatten auch die großen russischen Wirtschaftsverbände an die Regierung geschrieben und deutlich größere Hilfspakete gefordert.

    Russland habe zwar mit 700 Milliarden Dollar Währungsreserven und einem Staatsfonds ein „sehr gutes Polster“. Aber dem russischen Staat würden zunehmend die Mittel fehlen zur Finanzierung der sogenannten Nationalen Projekte – infrastrukturelle Megaprojekte zur Modernisierung der Wirtschaft.

    Russland leide, so Harms, vor allem unter dem „massiven Abzug“ von Investitionen aus dem Ausland. Die Landeswährung Rubel habe auch deshalb deutlich abgewertet. Russland war voriges Jahr – auch wegen eines stabilen Rubels – der am besten performende Aktienmarkt.

    Mehr: Ohne ausländische Fachkräfte und Betreuungshilfen bräche das Pflegesystem zusammen. Doch nun hängen viele in der Heimat fest.

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