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Corona-Pandemie Privilegien für Geimpfte, Druck auf Impfverweigerer: So wollen Staaten die Delta-Welle brechen

Steigende Infektionszahlen in vielen Ländern schüren die Furcht vor einer vierten Welle. Die Regierungen versuchen deshalb, das Impftempo zu steigern.
06.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
In vielen Ländern lässt die Impfbereitschaft und damit das Impftempo nach. Quelle: Reuters
Impfung

In vielen Ländern lässt die Impfbereitschaft und damit das Impftempo nach.

(Foto: Reuters)

Athen, Moskau, Paris, Tel Aviv, Zürich Im griechischen Hafen Piräus begann am Montag der erste Urlaubstag für Zehntausende mit einer Geduldsprobe. Vor den Gangways der Schiffe, die von hier zu den Ägäisinseln fahren, bildeten sich riesige Menschentrauben.

Denn nun gelten neue Corona-Regeln für Inselreisen: Wer keine vollständige Impfung nachweisen kann, muss einen negativen PCR- oder Schnelltest vorlegen, bevor er ein Flugzeug oder eine Fähre besteigen darf. Selbsttests werden nicht akzeptiert. Beamte der Hafenpolizei kontrollierten die Papiere penibel. Wer sie nicht hatte, wurde abgewiesen.

Mit den verschärften Reiseregeln will die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus und damit eine vierte Infektionswelle verhindern.

In Großbritannien sind die Fallzahlen wegen der Mutante bereits deutlich gestiegen. Dort macht die Delta-Variante mittlerweile 97 Prozent aller Neuinfektionen aus. Auch in Israel steigen die Zahlen wieder enorm an.

Die Erfahrungen dieser beiden Länder zeigen aber zugleich: Impfungen schützen vor Hospitalisierungen und schweren Verläufen. Viele Regierungen versuchen deshalb, die Impfkampagnen zu beschleunigen und so im Kampf gegen die Delta-Variante die Oberhand zu behalten.

US-Präsident Joe Biden erklärte am Sonntag anlässlich des amerikanischen Nationalfeiertages das Impfen zur „patriotischen Pflicht“. Aber Appelle allein reichen wohl nicht: In vielen Ländern lässt die Impfbereitschaft und damit das Impftempo nach. Ein Überblick, wie ausgewählte Staaten ihre Bevölkerung dazu bewegen wollen, sich gegen das Virus impfen zu lassen.

Griechenland

Noch vor einigen Wochen wurden pro Tag rund 120.000 Impfdosen gespritzt. Inzwischen kommen täglich weniger als 90.000 Menschen in die griechischen Impfzentren. Dabei haben erst 38 Prozent der Bevölkerung eine vollständige Impfung, 48 Prozent sind mindestens einmal geimpft.

Die einsetzende Impfmüdigkeit bereitet den Fachleuten Sorge, weil wieder mehr Neuinfektionen gemeldet werden. Die Inzidenz stieg innerhalb einer Woche von 25 auf 48,5. Sie liegt damit knapp unter der Schwelle von 50, ab der ein Land laut Robert Koch-Institut (RKI) als Risikogebiet gilt. Eine Überschreitung wäre ein schwerer Rückschlag für den griechischen Tourismus.

Die Regierung fährt eine Doppelstrategie: Impfwillige werden belohnt, Impfverweigerer müssen mit Einschränkungen rechnen. Vor allem die 18- bis 25-Jährigen will die Regierung jetzt in die Impfzentren locken. Von ihnen sind 13 Prozent mindestens einmal geimpft und haben einen Termin für die zweite Impfung oder diese bereits bekommen.

In den Impfzentren gibt es genug Impfdosen und freie Termine. Wer sich impfen lässt, bekommt vom Staat ein elektronisches Guthaben von 150 Euro auf sein Smartphone. Das Geld kann man für Reisen und kulturelle Veranstaltungen ausgeben. Der Anreiz scheint zu wirken: Die Impf-Anmeldungen dieser Altersgruppe steigen jetzt deutlich an.

Die griechische Regierung fährt eine Doppelstrategie beim Impfen. Quelle: AP
Impfung in Griechenland

Die griechische Regierung fährt eine Doppelstrategie beim Impfen.

(Foto: AP)

Ungeimpfte müssen sich dagegen auf Erschwernisse einstellen. Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis warnte: „Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, entscheidet sich für Benachteiligungen.“ Die Testpflicht für Ungeimpfte könnte in Kürze auch auf Reisen mit der Bahn, dem Überlandbus oder eigenen Auto sowie auf öffentliche Veranstaltungen ausgedehnt werden. Das Kalkül dahinter: Weil die Tests relativ teuer und nur maximal 72 Stunden gültig sind, könnten sich mehr Menschen zu einer Impfung durchringen.

Es gibt auch die Überlegung, bei einem neuen Lockdown solche Gastronomiebetriebe auszunehmen, die nur geimpfte Gäste einlassen. Ministerpräsident Mitsotakis erklärte: „Die Zeche werden nicht die Geimpften bezahlen.“ Im Herbst will die Regierung über eine Impfflicht für bestimmte Berufsgruppen entscheiden.

Frankreich

In Frankreich ist die Regierung noch zufrieden mit dem Impftempo. Regierungssprecher Gabriel Attal sagte, dass die Nachfrage nach Terminen für eine Erstimpfung zuletzt um bis zu 20 Prozent zugenommen habe. Bisher hat gut die Hälfte der Menschen mindestens eine Impfung bekommen, knapp ein Drittel ist vollständig geimpft. Seit Ende Mai können sich alle Erwachsenen unabhängig von einer Priorisierung impfen lassen.

Dennoch treibt auch die Verantwortlichen in Frankreich die Sorge um, dass die Impfbereitschaft nicht mit der Ausbreitung der als ansteckender geltenden Delta-Variante mithalten könnte. Gesundheitsminister Olivier Véran warnte, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder leicht zunehme. „Ab Ende Juli“ könne es in Frankreich zu einer vierten Welle der Pandemie kommen.

Der französische Präsident will vorerst auf eine Impfpflicht verzichten. Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Der französische Präsident will vorerst auf eine Impfpflicht verzichten.

(Foto: Reuters)

In Frankreich ist daher eine Impfpflicht für Erwachsene im Gespräch. Präsident Emmanuel Macron erklärte am Wochenende zwar, dass er „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ eine Pflicht noch nicht für nötig halte. Die Frage könne sich aber dann stellen, wenn nicht mehr genügend Menschen im Land überzeugt werden könnten, um eine Durchimpfungsrate von 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung zu erreichen.

Die Regierung in Paris erwägt bereits eine Gesetzesänderung, um eine Impfung gegen Sars-CoV-2 zumindest für Beschäftigte in Altenheimen und im Gesundheitsbereich verpflichtend zu machen. Auch für andere Berufsgruppen wie Lehrer oder Erzieher könnte laut französischen Medien eine Impfpflicht kommen. Außerdem arbeitet die Regierung an Plänen, wie die Impfkampagne nach dem Sommer auf die Mittel- und Oberschulen ausgedehnt werden könne.

Schweiz

In der Schweiz hat sich das Impftempo zuletzt verlangsamt. Eine generelle Impfpflicht ist dennoch ein Tabu – und rechtlich auch gar nicht möglich. Der für Gesundheit zuständige Bundesrat Alain Berset betonte bei der Einführung des Schweizer Impfzertifikates im Juni erneut: „Es gibt keinen Impfzwang.“ Wer sich nicht impfen lassen will, muss sich beispielsweise für die Teilnahme an Großveranstaltungen testen lassen.

Diskutiert werden obligatorische Impfungen für einzelne Berufsgruppen. Doch bisher scheut Berset den Schritt. Allerdings kritisierte er in der „NZZ am Sonntag“, dass sich viele Pflegekräfte nicht impfen lassen wollen. Sie müssten regelmäßig zum Coronatest, kündigte er an. Darüber hinaus will die Schweiz über Impfmöglichkeiten in Einkaufszentren der Impfkampagne neuen Schwung verleihen.

Israel

In Israel, wo 56 Prozent der Erwachsenen vollständig gegen Corona geimpft sind, steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder schnell an: So registrierte die Johns-Hopkins-Universität zuletzt mit mehr als 320 neuen Fällen innerhalb von 24 Stunden die höchste Zahl seit fast einem Vierteljahr. Neun von zehn Fälle sind auf die Delta-Variante zurückzuführen. Wegen der vergleichsweise hohen Impfquote wird trotz des Anstiegs der Fallzahlen keine Zunahme schwerer Symptome registriert.

Die eigentliche Herausforderung stellen für Israel Jugendliche im Alter von zwölf bis 15 Jahren dar: Sie dürfen sich zwar impfen lassen, aber ihre Impfbegeisterung hat sich bisher in Grenzen gehalten. Erst zehn Prozent sind geimpft.

Der rasante Anstieg der Infektionszahlen bewegt jetzt aber mehr Teenager dazu, sich impfen zu lassen. Zudem läuft derzeit in den israelischen Medien eine PR-Kampagne, die die Jugendlichen vom Nutzen der Impfung überzeugen soll. Denn mehr als die Hälfte der Neuinfizierten sind Kinder.

Ein Impfzwang besteht in Israel nicht. Aber es gibt einen starken Druck, sich impfen zu lassen. Um den Anreiz zu erhöhen, könnte die Regierung beschließen, den „Grünen Pass“ wieder zu aktivieren. Damit wären bei Veranstaltungen nur Geimpfte zugelassen. Eltern von infizierten Kindern müssten sich in Quarantäne begeben.

Russland

In Russland kam die Impfkampagne wegen der Impfskepsis der Bevölkerung monatelang nicht von der Stelle. Nun haben die Behörden den Druck deutlich erhöht. Zwar hat Präsident Wladimir Putin in seiner TV-Audienz eine landesweite Impfpflicht ausgeschlossen, auf regionaler Ebene könnten bei entsprechender Infektionslage aber Zwangsmaßnahmen getroffen werden, kündigte er an.

In der russischen Hauptstadt ist dies wegen hoher Ansteckungszahlen bereits der Fall. So bekommen Moskauer seit Anfang Juli eine medizinische Behandlung im Krankenhaus nur noch mit einem Impfausweis, Behördentermine ohne Voranmeldung ebenfalls. Über 60-Jährige lockt die Stadtregierung zudem mit Warengutscheinen zu einem Impftermin.

In mehreren Regionen gilt zudem der Impfausweis als Alternative zu einem PCR-Test bei einem Restaurantbesuch. Selbst der bei den Russen so beliebte Schwarzmeer-Urlaub ist nun an den Impfnachweis gekoppelt.

Zudem machen die Behörden Vorgaben zu den Impfquoten bei bestimmten Berufsgruppen. So sollen 60 Prozent der Angestellten im Dienstleistungssektor bis Mitte Juli zumindest einmal geimpft sein. Wer sich weigere, müsse sich eben eine andere Arbeit suchen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Mit Entlassungsdrohungen erhöhen auch die zumeist staatlichen Großbetriebe den Durchlauf in ihren eigenen Impfzentren.

Mehr: 150 Euro Prämie und „Freiheitskarte“: Griechenland belohnt Impfungen.

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