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Corona-Pandemie Ruhende Fabriken, kaum Impfstoff: Corona-Ausbruch in Vietnam bedroht globale Lieferketten

Die Infektionszahlen sind im internationalen Vergleich mickrig, doch Vietnams Regierung setzt auf harte Anti-Corona-Maßnahmen. Die Wirtschaft fürchtet massive Störungen.
09.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Personen liegt in Vietnam zwischen eins und zwei. Quelle: AFP
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Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Personen liegt in Vietnam zwischen eins und zwei.

(Foto: AFP)

Bangkok Auf den Straßen der vietnamesischen Industrieprovinz Bac Giang sitzen die Fabrikarbeiter in langen Reihen mit ein paar Metern Abstand am Asphalt. Sie alle tragen Mundschutz und Schutzkleidung. Ihr Gepäck steht in Rucksäcken und Plastiktüten neben ihnen. Sie warten darauf, von den Gesundheitsbehörden abgeholt zu werden: Für 21 Tage werden die Kontaktpersonen von Covid-19-Erkrankten in eine zentrale Isolationseinrichtung gebracht.

In dem Landesteil im Norden Vietnams, der unter anderem Fabriken von Samsung und dem Apple-Zulieferer Foxconn beheimatet, sind Tausende Werksangestellte von den Zwangsmaßnahmen betroffen. Die Behörden hoffen, mit den harten Anordnungen die bisher schwerste Corona-Welle in dem südostasiatischen Land in den Griff zu bekommen.

Dabei wirken die Fallzahlen im internationalen Vergleich gering: In der vergangenen Woche meldete das Gesundheitsministerium täglich zwischen 200 und 300 Fälle. Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße des 100-Millionen-Einwohner-Landes ist das nicht viel – die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Personen liegt zwischen eins und zwei.

Doch gemessen an Vietnams eigenem Anspruch sind die Zahlen viel zu hoch. Das Land verfolgt eine Null-Fall-Strategie und gehörte damit über Monate zu den erfolgreichsten Pandemiebekämpfern der Welt. Mit strengem Durchgreifen will die Regierung in Hanoi das Virus nun noch einmal besiegen. Internationale Unternehmen, die zuletzt ihre Produktionskapazitäten in dem Land massiv ausgebaut hatten, fürchten aber, dass es dabei zu großen Schäden für die globalen Lieferketten kommen könnte.

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    Hotspots in den Industrieparks

    Die benachbarten Provinzen Bac Giang und Bac Ninh im Norden der Hauptstadt, die in den vergangenen Jahren zu den beliebtesten Gegenden für ausländische Direktinvestitionen zählten, gelten aktuell als Virus-Hotspots.

    Die Infektionen breiteten sich unter anderem in den Unterkünften der Fabrikarbeiter aus, die oft auf engem Raum zusammenleben. Mehrere Industrieparks wurden zeitweise komplett geschlossen. Schritt für Schritt erlauben die Behörden nun die Wiedereröffnung einzelner Fabriken. Doch aufgrund der massenhaften Quarantäneanordnungen fehlt den Produktionsstätten das Personal.

    In den drei Werken des Apple-Zulieferers Foxconn stehen laut vietnamesischen Medienberichten derzeit nur 3000 Arbeiter zur Verfügung – normalerweise sind 12.000 Beschäftigte in den Fabriken tätig.

    In Bac Ninh, wo Samsung rund die Hälfte seiner global verkauften Smartphones herstellt, ordneten die Behörden an, Schlafgelegenheiten für die verbliebenen Arbeiter auf dem Werksgelände zu finden, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Samsung teilte mit, man halte sich an die Vorschriften, versuche aber, die Auswirkungen auf den Betrieb zu minimieren.

    Internationale Konzerne wurden aufgefordert, sich selbst um Impfdosen für ihre Mitarbeiter zu bemühen. Die Regierung konnte bisher erst für einen Bruchteil der Bevölkerung Vakzine auftreiben. Anfang der Woche hatten erst 1,3 Prozent der Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten.

    „Umfangreiche wirtschaftliche Konsequenzen“ befürchtet

    Die Versuche, den Virusausbruch mit strikten Regeln einzudämmen, bereiten Unternehmen auch im Südteil des Landes Probleme. Aufgrund von steigenden Fallzahlen in der Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt ordnete eine benachbarte Provinz, die viele ausländische Fabriken beheimatet, Einreisebeschränkungen an.

    Unternehmen beklagten, dass viele in der Stadt lebende Mitarbeiter deshalb nicht mehr zur Arbeit kommen könnten. Die Maßnahmen führten zu „umfangreichen negativen wirtschaftlichen Konsequenzen“, warnte Alain Cany, der Vorsitzende der Europäischen Handelskammer in Vietnam. Es gehe dabei um Firmen, die für globale Lieferketten essenziell seien, fügte er hinzu.

    Über die strikten Maßnahmen der Lokalregierungen zeigte sich sogar Premierminister Pham Minh Chinh besorgt. „Einige Gegenden haben harte und extreme Maßnahmen erlassen, die die Produktion und Geschäftsaktivitäten getroffen haben und zur Gefahr von breitflächigen Störungen der Lieferketten führen“, kritisierte er am Wochenende und forderte einen etwas ausgeglicheneren Ansatz.

    Unter ausländischen Unternehmen hatte Vietnam zuletzt bei der Suche nach Standorten für Produktionsstätten stark an Beliebtheit gewonnen. Viele Konzerne setzten auf das Land, um sich von China ein Stück weit unabhängiger zu machen.

    Ein Auslöser dafür war der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die Direktinvestitionen ausländischer Fertigungsbetriebe stiegen in der Folge von 16,5 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf 24,5 Milliarden Dollar 2019 an.

    Internationale Konzerne wurden aufgefordert, sich selbst um Impfdosen für ihre Mitarbeiter zu bemühen. Quelle: Reuters
    Mitarbeiter des Gesundheitswesens

    Internationale Konzerne wurden aufgefordert, sich selbst um Impfdosen für ihre Mitarbeiter zu bemühen.

    (Foto: Reuters)

    Die jüngsten Turbulenzen in der Pandemiebekämpfung drohen aus Sicht von Nguyen Phuong Linh, Vietnamexpertin des Beratungsunternehmens Control Risks, an der Beliebtheit des Landes zu kratzen. Sie kommentierte: „Wenn sich die Störungen im Produktionsgewerbe ausweiten, dann müssen einige ausländische Investoren ihre Risikobewertung in dem Land sicherlich überdenken.“

    Mehr: Asiens Impfdesaster gefährdet den Aufschwung der Region

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