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Corona-Rezession Arbeitsmarktprognose: Geringverdiener tragen das größte Risiko eines Jobverlustes

Die OECD fürchtet in den Industriestaaten einen beispiellosen Abbau von Arbeitsplätzen. Auch in Deutschland sind die schwächsten Arbeitnehmer wenig geschützt.
07.07.2020 Update: 07.07.2020 - 15:26 Uhr Kommentieren
Dass ausgerechnet jene Arbeitnehmer, die während der Lockdowns als systemrelevant entdeckt wurden, das größte Arbeitslosigkeitsrisiko tragen, findet die OECD in allen Mitgliedsstaaten. Quelle: dpa
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Dass ausgerechnet jene Arbeitnehmer, die während der Lockdowns als systemrelevant entdeckt wurden, das größte Arbeitslosigkeitsrisiko tragen, findet die OECD in allen Mitgliedsstaaten.

(Foto: dpa)

Berlin Die gute Nachricht zuerst: Der deutsche Arbeitsmarkt ist einer der widerstandsfähigsten der Welt. Die Coronakrise wird in diesem Jahr die Arbeitslosenquote voraussichtlich um nur 0,8 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent erhöhen. Das ist fast nichts im Vergleich zu den Jobverlusten, die der Durchschnitt der Industriestaaten bewältigen muss: nämlich eine um 4,1 Prozentpunkte steigende Arbeitslosenquote.

Die Zahlen stammen aus der neuen Arbeitsmarktprognose der Industrieländer-Organisation OECD, die am Dienstag veröffentlicht worden ist. Die Corona-Rezession, die laut OECD immer mehr der Großen Depression um 1930 gleicht, hat während der Lockdowns im April und Mai in den Industriestaaten mit minus 16 Prozent zehnmal so viele Arbeitsstunden gekostet wie die Finanzkrise 2008/9.

Die Widerstandsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarktes hat demnach als Ursache die überaus gute Lage vor Ausbruch der Corona-Pandemie: Unter den 37 Industriestaaten hatten Anfang 2020 nur Tschechien, Polen, Japan und die Niederlande eine niedrigere Arbeitslosenquote als Deutschland. In der Krise haben Kurzarbeit und Liquiditätshilfen für Firmen zudem bisher Schlimmeres verhindert.

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Die schlechte Nachricht für Deutschland lautet: Auch hierzulande tragen ausgerechnet Geringverdiener das größte Risiko, in eine dauerhafte Arbeitslosigkeit zu rutschen. „Arbeitnehmer im unteren Viertel der Einkommenspyramide hatten im April ein um 50 Prozent höheres Risiko, nicht zu arbeiten, als das oberste Viertel“, heißt es im „Employment-Outlook“ für Deutschland genauso wie für die übrigen Industriestaaten.

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    Das hat auch damit zu tun, dass Geringverdiener kaum die Möglichkeit hatten, im Homeoffice zu arbeiten: An der Supermarkt-Kasse, im Altenheim, als Friseurin, als Lkw-Fahrer gab es dafür keine Chance.

    Dass ausgerechnet jene Arbeitnehmer, die während der Lockdowns als systemrelevant entdeckt und denen applaudiert wurde, das größte Arbeitslosigkeitsrisiko tragen, findet die OECD in allen 37 Mitgliedstaaten. Industrieländerweit mussten nur 14 Prozent des obersten Viertels während der Lockdowns pausieren, aber 30 Prozent des untersten Viertels.

    Noch immer sind es die alten tarifvertraglich abgesicherten Arbeitsverhältnisse, für die auch die Arbeitslosenversicherungen am besten funktionieren. „Die alte Normalität am Arbeitsmarkt war schon nicht gut genug für diese Krise“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.

    Große EU-Staaten wie Frankreich und Italien sind allerdings viel stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Deutschland. Die OECD rechnet mit einer Arbeitslosenquote von 12,3 Prozent in Frankreich und 12,4 Prozent in Italien bis zum Jahresende. Vor allem für Jüngere werde es schwierig, überhaupt in den Arbeitsmarkt einzutreten.

    Aus dem Ländervergleich entwickelt die OECD Ratschläge für das weitere Vorgehen der Regierungen. Für ihre Reaktionen zu Anfang der Krise lobt die OECD die Regierungen der Industrieländer: Kurzarbeit, Hilfen für Unternehmen und Stärkung der jeweiligen Arbeitslosenversicherung haben sich demnach überall als wirkungsvoll erwiesen.

    Vier Phasen bis zur Erholung

    Die OECD beschreibt vier Phasen bis zur Erholung des Arbeitsmarktes, jede beginnt zumindest im Englischen mit dem Buchstaben R: Nach der Reaktionsphase befinden sich die Industriestaaten aktuell in der „Rehabilitation“ des Arbeitsmarkts: Die Produktion ist wieder angelaufen, in Ländern wie Deutschland sinkt die Zahl der Kurzarbeitenden. Auch in dieser Phase wirken die vorhandenen und beschlossenen Instrumente.

    Schwierig werde es nun aber in den nächsten beiden Phasen: Es komme auf „Reziprozität“ an, um schließlich in der vierten Stufe „Resilienz“, also Widerstandsfähigkeit, für den Arbeitsmarkt wiederzugewinnen.

    Mit Reziprozität meint die OECD, dass Staat und Privatwirtschaft sehr eng zusammenarbeiten müssen: Zum Beispiel könnten die Regierungen Lohnzuschüsse für Neueinstellungen zahlen, die Firmen im Gegenzug dazu verpflichten, langfristige Beschäftigung zu sichern.

    „Es muss Hilfen für Arbeitslose zur Rückkehr in den Job geben“, sagte OECD-Arbeitsmarktexperte Stefano Scarpetta, und zusätzlich Weiterbildungsangebote, aber auch Eigenkapitalhilfen für Firmen, um durch diese Zeit zu kommen. Investitionen in Zukunftstechnologien empfiehlt die OECD ebenfalls.

    In dieser Phase werde es aber auch darauf ankommen, Hilfen zeitlich zu begrenzen, um die Dynamik am Arbeitsmarkt wieder zu entfachen. Übersetzt würde das heißen: besser keine Verlängerung des Arbeitslosengeldes, dafür lieber zeitlich begrenzte Lohnzuschüsse.

    In der vierten Phase, wenn die Erholung großenteils erreicht ist, müssten alle Industriestaaten ihre Arbeitsmarktregeln auf den Prüfstand stellen, verlangt die OECD. So müsse künftig auch für Geringverdiener, befristete Beschäftigte und Kleinselbstständige das gleiche Schutzniveau geschaffen werden wie für Vollzeit-Angestellte mit 37-Stunden-Woche. Denn dieses einstmalige „Normalarbeitsverhältnis“ sei schon heute in kaum einem Industriestaat noch das vorherrschende am Arbeitsmarkt.

    Mehr: Das Ifo-Beschäftigungsbarometer ist im Juni gestiegen – dennoch werden Unternehmen weiter Personal abbauen.

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