Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Corona „Unsere Stadt kommt zurück“ – Wie in London, New York und Paris das Leben wieder hochfährt

Die Büros füllen sich, die Kulturszene feiert ein Comeback: Weltweit erwachen Metropolen zu neuem Leben. Doch noch könnte die neue Corona-Normalität trügerisch sein.
24.09.2021 - 10:43 Uhr Kommentieren
Auch in New York macht sich das Gefühl breit, das Schlimmste überstanden zu haben. Quelle: Reuters
Broadway League am Times Square

Auch in New York macht sich das Gefühl breit, das Schlimmste überstanden zu haben.

(Foto: Reuters)

New York, Paris, London Eine junge Reporterin fällt jedem um den Hals, den sie sieht. „Es ist so schön, euch alle wiederzusehen“, sagt sie. Hunderte festlich gekleidete Menschen drängen sich in der Brewery im Londoner Finanzviertel. Die „Headline Money Awards“ werden verliehen und die meisten anwesenden Medien- und PR-Leute treffen sich zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. Die Masken sind weg, die Hemmungen auch. Der Champagner fließt aus Magnum-Flaschen. Die Menschen lachen, trinken, feiern.

Die Londoner City erwacht wieder zum Leben – nach mehreren vergeblichen Anläufen scheint es dieses Mal wirklich zu klappen. Die Zeichen der Normalität sind unübersehbar. Die Züge sind in der Rushhour brechend voll, und über die Themsebrücken strömen die Fußgängermassen. Am Nachmittag bilden sich die vertrauten Grüppchen vor den Pubs, die Banker trinken ihr Feierabendbier.

Zwar sind die meisten Büros erst zu einem Drittel oder maximal zur Hälfte gefüllt, weil viele Mitarbeiter nur ein paar Tage die Woche reinfahren und den Rest der Zeit im Homeoffice verbringen. Aber das reicht, um die Geisterstadt-Atmosphäre auf den Straßen zu vertreiben. „Unsere Stadt kommt zurück“, sagt der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan zufrieden. Nicht nur die Büros füllen sich wieder, auch die Kulturszene feiert das Ende der langen Dürre. Am vergangenen Wochenende tanzten Zehntausende auf dem Trafalgar Square beim Musikfestival Westend Live.

Die Theater verkaufen fast so viele Karten wie vor der Pandemie. Bei den Premierennächten sei die Stimmung so, „als ob die Rolling Stones und die Beatles zurückkämen“, sagte Nick Allott von der Musical-Firma Cameron Mackintosh dem „Guardian“.

Wie geht es im Winter weiter?

Auf den ersten Blick scheint die Pandemie überwunden. Auch in New York und Paris kehrt die Normalität zurück, wenn auch langsamer als in London. Dabei verzeichnen beide Städte weniger Neuinfektionen als die britische Hauptstadt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in London bei 186, in New York bei 155 und in Paris bei 72. Zum Vergleich: In Berlin liegt der Wert bei 70.

Immer mehr Menschen kehren in die Büros zurück. Quelle: Bloomberg
Rush Hour in London

Immer mehr Menschen kehren in die Büros zurück.

(Foto: Bloomberg)

Die große Frage, die sich in allen drei Städten stellt, ist: Wie geht es im Winter weiter? Überall gibt es Sorgen vor einer weiteren Viruswelle. Allerdings ist das Vertrauen in den Impfschutz so hoch, dass ein Rückfall in die Lockdowns des vergangenen Winters als unwahrscheinlich gilt.

In London sind 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in New York 62 Prozent und im Großraum Paris 69 Prozent. Viele Großstadtbewohner hatten zudem auch schon das Virus und genießen damit eine gewisse Immunität. „Ich bin nicht besonders beunruhigt für den Herbst“, sagt Professor Arnaud Fontanet vom Institut Pasteur in Paris.

Auch in New York macht sich das Gefühl breit, das Schlimmste überstanden zu haben. Der Nahverkehrsbetrieb MTA stellte vergangene Woche einen neuen Rekord seit Beginn der Pandemie auf: Fast drei Millionen Menschen fuhren an einem Tag mit der U-Bahn, 1,3 Millionen Menschen nahmen Busse in der Mega-Metropole. Die Pendlerzüge der Metro North und der Long Island Railroad haben jeweils 122.000 und 151.000 Menschen an einem Tag in die Stadt gebracht. Das ist immerhin schon halb so viel wie vor der Pandemie.

New York ist zurückhaltend – Sorgen im Büro

Allerdings ist die Finanz- und Amüsierhauptstadt der USA von Londoner Verhältnissen noch weit entfernt. Viele Anwälte, Berater, Banker und andere Büromitarbeiter bleiben noch immer größtenteils im Homeoffice. Mit dem Labor Day Anfang September endet in New York eigentlich offiziell der Sommer, und die Menschen kehren in die Stadt zurück. Doch diesmal bleiben viele New Yorker weiter zu Hause.

Es gibt erste persönliche Treffen und Veranstaltungen. Aber das ist alles noch sehr zaghaft und meist draußen. So lud die deutsch-amerikanische Handelskammer zu einem Empfang auf der Dachterrasse im Tribeca Rooftop. Am Eingang wurden die Impfausweise kontrolliert. Das ist bei geschlossenen Räumen in der Stadt inzwischen üblich.

Viele Unternehmen haben die Rückkehr in die Büros noch einmal verschoben. Der Fernsehsender CNN wollte seine Belegschaft ursprünglich im August zurück in die neuen Büros am Hudson Yard holen, hat das dann auf September und nun auf Oktober verschoben.

Bei Google, das in New York 10.000 Menschen im Meatpacking District beschäftigt, können die Angestellten einen Tag pro Woche ins Büro gehen, wenn sie darauf bestehen. Grundsätzlich hat die Alphabet-Tochter aber wie alle Westküsten-Tech-Konzerne die Büros bis zum kommenden Jahr geschlossen.

In den USA machen sich viele Angestellte nicht zuletzt um die Belüftung in den Büros Sorgen. Anders als in Deutschland sind Fenster am Arbeitsplatz nicht vorgeschrieben. Viele Amerikaner arbeiten daher in fensterlosen Räumen, in denen sie oft veralteten Belüftungssystemen vertrauen müssen.

In den USA machen sich viele Angestellte nicht zuletzt um die Belüftung in den Büros Sorgen. Quelle: Bloomberg
Blackstone Bürogebäude in New York

In den USA machen sich viele Angestellte nicht zuletzt um die Belüftung in den Büros Sorgen.

(Foto: Bloomberg)

Um auch andere zu ermutigen, hat die Stadtverwaltung vergangene Woche alle öffentlich Bediensteten zurück ins Büro beordert. Das kommt allerdings nicht bei allen gut an. Weil die Impfpflicht für Angestellte der Stadt erst in ein paar Wochen greift und Ungeimpfte die Pflicht durch wöchentliches Testen umgehen können, haben viele Angst, in volle Büros zurückzukehren.

Ein Mitarbeiter, der nicht mit Namen genannt werden will, hat in der Rückkehrwoche aus Protest Urlaub genommen. „Ich habe ein ungeimpftes Kind. Warum soll ich riskieren, mit Ungeimpften in einem Büro zu sitzen?“, fragt der Vater, der bisher zweimal die Woche ins Büro ging. Er berichtet von verschiedenen Kollegen, die bereits in die Privatwirtschaft gewechselt sind, weil sie dort von zu Hause aus arbeiten können.

In der Finanzindustrie gibt es ein gemischtes Bild. Während einige Großbanken wie Goldman Sachs, Citi und JP Morgan ihre Mitarbeiter zurück ins Büro beordert haben und zum Teil die Impfung verlangen, lassen andere Häuser ihren Mitarbeitern noch die Wahl. Viele Büros in Midtown in Manhattan sind daher bis heute nur zu einem Zehntel besetzt. „Wir haben auf unserer Etage Platz für 70 Leute und waren heute gerade einmal sieben“, erzählt ein Banker.

Parkplätze weichen Bistros in Paris

Auch Paris ist nach den Lockdowns wieder erwacht und lebendiger als je zuvor in den vergangenen anderthalb Jahren. Tausende kamen am Wochenende zur Eröffnung des von Christo verhüllten Triumphbogens. Posthum wurde das Werk noch realisiert, denn Christo war im vergangenen Jahr gestorben.

Das Leben spielt sich wieder auf der Straße ab. Cafés und Bistros haben draußen ihre Tische aufgestellt. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat nach den harten Monaten der Schließung genehmigt, dass alle zur Verfügung stehenden Plätze und Bürgersteige genutzt werden. Dafür wurden sogar Parkplätze gesperrt. Überall stehen nun buntgewürfelte Tische, Bastschirme und Blumen auf den Straßen, es erinnert weniger an das schicke Paris als an Kreuzberger Atmosphäre.

Der öffentliche Nahverkehr befördert spürbar mehr Passagiere, die Auslastung liegt derzeit bei 75 bis 85 Prozent des Vorkrisenniveaus. Veranstaltungen in den Unternehmen sind wieder erlaubt, auch Pressekonferenzen finden wieder statt. Teilweise muss bei größeren Veranstaltungen der Sanitätspass vorgezeigt werden, und Masken sind Pflicht.

Auch die Theater- und Musiksaison hat wieder begonnen. Kompliziert ist allerdings, dass überall der Gesundheitspass verlangt wird, man muss also zweimal geimpft sein, einen Test gemacht haben oder eine auskurierte Corona-Erkrankung nachweisen können.

„Beziehung zum Arbeitsplatz hat sich geändert“

Mit der Rückkehr in die Büros haben die Pariser es weniger eilig. Seit dem 9. Juni dürfen die Arbeitnehmer wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, doch viele wollen nicht mehr so arbeiten wie früher. Seit dem 10. September dürfen Unternehmen verlangen, dass die Arbeitnehmer die ganze Woche komplett wieder im Büro verbringen. Im öffentlichen Bereich hat man sich darauf geeinigt, dass drei Tage die Woche zu Hause gearbeitet werden darf.

Posthum wurde das Werk noch realisiert, denn Christo war im vergangenen Jahr gestorben. Quelle: Reuters
Autofreier Tag in Paris vor dem verhüllten Arc de Triomphe

Posthum wurde das Werk noch realisiert, denn Christo war im vergangenen Jahr gestorben.

(Foto: Reuters)

Auch viele große Unternehmen sehen nun zwei bis drei Tage Homeoffice vor. Bei der Großbank BNP Paribas soll sogar nach einem neuen Abkommen ganz flexibles Homeoffice ab dem 1. Oktober getestet werden, 50 Tage Homeoffice pro Halbjahr können die Angestellten frei nutzen.

Laut einer Studie vom l’Institut Paris Région, einem öffentlichen Forschungsinstitut für Urbanismus, arbeiten in Paris und Umgebung 42 Prozent der Angestellten auch zu Hause, vor der Krise waren es nur 20 Prozent. Die Durchschnittszahl der Homeoffice-Tage ist von 1,4 vor der Krise auf 2,6 pro Woche angestiegen.

Nur sieben Prozent der Angestellten, die schon Homeoffice gemacht haben, wollen weniger machen als vor der Krise, 40 Prozent wollen mehr Tage machen, 53 Prozent die Anzahl halten. „Die Franzosen, die den Rhythmus angenommen haben, wollen ihn behalten“, sagt François Michelot vom l’Institut Paris Région. „Die Beziehung zum Arbeitsplatz hat sich definitiv geändert.“

Mehr: Impfpartys und Leichenwagen – zu Besuch im Corona-Hotspot Tennessee

Startseite
Mehr zu: Corona - „Unsere Stadt kommt zurück“ – Wie in London, New York und Paris das Leben wieder hochfährt
0 Kommentare zu "Corona: „Unsere Stadt kommt zurück“ – Wie in London, New York und Paris das Leben wieder hochfährt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%