Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Corona-Vakzin Astra-Zeneca will wohl erneut weniger Impfstoff an die EU liefern

Laut EU-Vertretern will Astra-Zeneca im zweiten Quartal nur die Hälfte der 180 Millionen zugesagten Dosen liefern. Der Pharmakonzern beteuert, dass er den Vertrag erfüllen will.
23.02.2021 Update: 24.02.2021 - 02:02 Uhr Kommentieren
Schon im ersten Quartal konnte der Pharmakonzern seinen Lieferumfang gegenüber der EU nicht erfüllen. Quelle: AFP
Spritze mit Astra-Zeneca-Vakzin

Schon im ersten Quartal konnte der Pharmakonzern seinen Lieferumfang gegenüber der EU nicht erfüllen.

(Foto: AFP)

Brüssel, Berlin, Washington Der Pharmakonzern Astra-Zeneca wird wohl voraussichtlich auch im zweiten Quartal deutlich weniger Impfstoff in die EU liefern als vereinbart, berichten Reuters und die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Das Unternehmen rechne damit, zwischen April und Juni weniger als die Hälfte der vertraglich zugesagten 180 Millionen Impfdosen in die Staatengemeinschaft zu liefern, sagte ein EU-Vertreter am Dienstag Reuters. Sollte dies so kommen, könnte das EU-Ziel gefährdet sein, bis zum Sommer 70 Prozent der Erwachsenen geimpft zu haben.

Doch könnten diese Mengen theoretisch aus anderen Impfstofffabriken des Herstellers wettgemacht werden, sagte ein EU-Vertreter der DPA . Es gebe noch keinen akzeptierten Lieferplan für das Quartal.

Astra-Zeneca teilte auf dpa-Anfrage am Abend mit, man wolle den Vertrag für das zweite Quartal laut jüngster Prognose erfüllen. Dabei solle etwa die Hälfte der in Aussicht gestellten Dosen aus europäischer Produktion kommen. Den Rest werde das Unternehmen aus anderen Teilen der Welt zur Verfügung stellen. Woher der Impfstoff kommen sollte, ging aus der Mitteilung nicht hervor.

„Astra-Zeneca arbeitet daran, die Produktivität in seiner europäischen Lieferkette zu erhöhen und weiterhin seine globalen Kapazitäten zu nutzen, um die die Lieferung von 180 Millionen Dosen an die EU im zweiten Quartal zu erreichen“, hieß weiter.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, wonach der Konzern die Lieferung im zweiten Quartal auf 90 Millionen Dosen halbieren wolle. Dies wollte jedoch auch die Kommission so nicht bestätigen. Offiziell hieß es, die Verhandlungen mit Astra-Zeneca über den Lieferplan liefen noch. Das Unternehmen sei dabei, den Plan „zu verfeinern und zu konsolidieren, auf Grundlage aller verfügbaren Produktionsstätten in Europa und außerhalb“. Die Kommission erwarte „einen verbesserten Vorschlag für einen Lieferplan“.

    Liefermenge im ersten Quartal nicht eingehalten

    Astra-Zeneca hatte Ende Januar erklärt, wegen Engpässen in der Produktion in einem Werk in Belgien die zugesagte Liefermenge in die EU im ersten Quartal nicht einhalten zu können. Zunächst war erwartet worden, dass die Zahl der Impfdosen dadurch mit 31 Millionen Stück rund 60 Prozent niedriger ausfällt als geplant. Später hieß es, es sollen 40 Millionen Einheiten geliefert werden. Sollten im zweiten Quartal etwa 90 Millionen Einheiten hinzukommen, würde sich das für das gesamte erste Halbjahr auf 130 Millionen Dosen von Astra-Zeneca summieren. Zugesagt waren bis Ende Juni 300 Millionen.

    In einem auf den 22. Februar datierten Papier des Bundesgesundheitsministeriums, das Reuters einsehen konnte, wird davon ausgegangen, dass Astra-Zeneca den Lieferrückstand bis Ende September vollständig ausgleicht. Demnach soll Deutschland bis dahin insgesamt 56 Millionen Dosen erhalten, davon 34 Millionen im dritten Quartal. Für eine Stellungnahme war das Ministerium zunächst nicht zu erreichen.

    Der EU-Vertreter sagte, sollte Astra-Zeneca seine Produktion im dritten Quartal tatsächlich hochfahren, könnte das helfen, dass die EU ihr Impfziel erreicht. Allerdings seien die Unterhändler der Staatengemeinschaft misstrauisch, weil das Unternehmen nicht klargemacht habe, woher die zusätzlichen Dosen kommen sollen.

    „Es könnte unrealistisch sein, die Versorgungslücke im dritten Quartal zu schließen“, sagte der Beamte und fügte hinzu, dass das Unternehmen die Zahlen zu den Lieferungen mehrfach geändert habe. Die EU-Verträge sehen vor, dass Astra-Zeneca sich zu seinen „bestmöglichen Anstrengungen“ verpflichtet, um einen festgelegten Zeitplan einzuhalten.

    Allerdings läuft die Nutzung des Astra-Zeneca-Impfstoffs in Deutschland schleppend an: Bislang sind bundesweit 1,4 Millionen Dosen ausgeliefert, aber nur 211.886 verimpft worden, also 15 Prozent. Das geht aus einem Abgleich der Impfstatistik des Robert-Koch-Instituts mit den Zahlen zu den Liefermengen hervor, die der Hersteller Astra-Zeneca ans Bundesgesundheitsministerium gemeldet hat und die der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vorliegen.

    Mangel an potenzielle Impfstoffkandidaten

    Das liege aber laut der „SZ“ nicht nur daran, dass Menschen sich nicht mit dem Astra-Zeneca-Vakzin impfen lassen wollen, sondern auch an mangelnden potenziellen Impfkandidaten. In der ersten Priorisierungsgruppe gibt es kaum noch Menschen unter 65 Jahren, die noch nicht geimpft sind. Bundesweit sollen nur noch 150.000 Menschen für eine Impfung mit Astra-Zeneca in Frage kommen, berichtet die „SZ“. Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns ist in Deutschland nur bis 64 Jahren zugelassen.

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädiert deshalb für eine Änderung der Impfreihenfolge. „Wir müssen diese Impfpriorität nochmal echt klug wägen. Ehrlich gesagt, schon in den nächsten Wochen, wenn man sieht, wie viel bleibt da übrig von Astra-Zeneca“, sagte Söder am Dienstagabend in einem Online-Gespräch der „Bild“-Zeitung mit Kindern. „Es ist ja echt absurd, dass wir Impfstoff haben, den keiner will.“ Söder fand deutliche Worte: „Das ist ziemlich ätzend, diese Geschichte mit Astra-Zeneca. Dieser Eindruck, dass der nicht wirksam sei, und dann liegt er rum.“

    Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) spricht sich für zweckmäßige Lösungen für übrig gebliebene Impfstoffe aus. „Hier sollte es unbedingt in allen Impfzentren Listen geben, die festlegen, wer an die Reihe kommt“, sagt Mertens den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Damit kein Impfstoff verworfen werde, könne man auch geeignete Kandidaten aus nachfolgenden Prioritätsgruppen vorziehen. Das müsse pragmatisch vor Ort geregelt werden.

    Neben dem Impfstoff von Astra-Zeneca sind in der EU bislang ein gemeinsam von Biontech und Pfizer entwickeltes Vakzin sowie ein Mittel von Moderna zugelassen. Auch hier gab es Lieferverzögerungen. Der Herstellungsprozess ist komplex, die Einrichtungen dafür begrenzt und bei Bestandteilen gibt es Versorgungsengpässe.

    Auch in den USA gibt es Lieferverzögerungen. Pfizer und Moderna hatten ihre versprochenen Liefermengen nicht eingehalten, als Ende 2020 erstmals Impfstoffe an die Bevölkerung verteilt wurden. Die US-Regierung erwartet von Moderna und Pfizer bis Ende März 220 Millionen Impfstoffdosen, bislang sind knapp 75 Millionen bereitgestellt worden. Im Sommer sollen beide Konzerne die Bereitstellung abgeschlossen haben, dann je mit 300 Millionen Dosen. Der Hersteller Johnson & Johnson plant, die USA mit zusätzlich 100 Millionen Dosen zu versorgen. Dessen Präparat dürfte bald das Ja der US-Arzneimittelaufsicht bekommen. Auch die Hersteller Novavax und Astra-Zeneca sind in der Produktion, es könnten also nochmals Vakzine hinzukommen.

    Mehr: Neue Daten: 94 Prozent weniger Klinikaufenthalte nach erster Impfung mit Astra-Zeneca

    • ap
    Startseite
    Mehr zu: Corona-Vakzin - Astra-Zeneca will wohl erneut weniger Impfstoff an die EU liefern
    0 Kommentare zu "Corona-Vakzin: Astra-Zeneca will wohl erneut weniger Impfstoff an die EU liefern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%