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Coronakrise Die Weltwirtschaft kollabiert – OECD warnt vor hartem Konjunkturabsturz

Die neue Konjunkturprognose der Industrieländer-Organisation ist noch pessimistischer als vergleichbare Vorhersagen. Der Corona-Shutdown senkt die BIP vieler Länder um bis zu 30 Prozent.
10.06.2020 - 10:00 Uhr 9 Kommentare
Die Erholung von der Coronakrise werde umso leichter, je weniger Handelsbarrieren errichtet würden, so OECD-Chefin Laurence Boone. Quelle: dpa
Containerschiff in Newark

Die Erholung von der Coronakrise werde umso leichter, je weniger Handelsbarrieren errichtet würden, so OECD-Chefin Laurence Boone.

(Foto: dpa)

Berlin Der Befund dieser Prognose ist dramatisch: Die Weltwirtschaft ist infolge der Corona-Pandemie und der Shutdowns kollabiert. In vielen Staaten schrumpft das Bruttoinlandsprodukt in diesem Quartal um 20 bis 30 Prozent.

Berechnet auf das Gesamtjahr wird die Weltwirtschaft bis Ende 2020 um sechs Prozent geschrumpft sein – so stark wie nie in Friedenszeiten seit mehr als 100 Jahren.

Die Industrieländer-Organisation OECD ist damit in ihrem neuen Wirtschaftsausblick noch pessimistischer als die Weltbank am vergangenen Montag, die von einem Einbruch der Weltwirtschaft um 5,2 Prozent ausgeht.

„Dieser Schock trifft jeden in jedem Land der Welt“, sagte OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone dem Handelsblatt anlässlich der Veröffentlichung der Konjunkturprognose. Deshalb müssten die Regierungen eng kooperieren, um einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln. Und nach den breit gestreuten Hilfsprogrammen sei es jetzt an der Zeit für gezieltere Konjunkturhilfen.

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    Der drastische Einbruch der Weltwirtschaft um sechs Prozent ist sogar noch das bessere der beiden Szenarien der neuen OECD-Prognose. Es setzt voraus, dass es keine zweite Infektionswelle im Herbst geben wird und neue Corona-Ausbrüche lokal sofort begrenzt werden können.

    Es kann noch schlimmer kommen

    Das zweite Szenario mit zweiter Welle würde die Weltwirtschaft 2020 um 7,6 Prozent schrumpfen lassen. „Das Virus ist nicht ausgerottet, und natürlich gibt es riesige Unsicherheiten, wie die Erholung ausfallen wird. Wir wissen nicht, ob das Virus saisonal ist, und wir wissen nicht, ob die Testkapazitäten ausreichend sein werden“, sagte Boone.

    Die Tiefe der Rezession einzelner Länder fällt sehr unterschiedlich aus. Laut Boone hängt sie nicht nur von der Länge des jeweiligen Shutdowns ab, sondern vor allem von der Härte der Maßnahmen und den davon betroffenen Branchen.

    Der Bausektor etwa wurde in einigen Staaten geschlossen, in anderen, etwa Deutschland, blieb er aktiv.

    Deutschland steht relativ gut da

    Die deutsche Wirtschaftsleistung wird nach der OECD-Prognose 2020 im besseren Szenario um 6,6 Prozent schrumpfen, also in einer ähnlichen Größenordnung, wie es die Bundesregierung (-6,3 Prozent), die Bundesbank (-7 Prozent), das Münchener Ifo-Institut (-6,6 Prozent) und das Institut für Weltwirtschaft (-7,1 Prozent) erwarten. Auch die Wirtschaftsweisen rechnen mit einem Einbruch um sechs bis sieben Prozent.

    2021 könnte das deutsche BIP wieder um 5,8 Prozent zulegen. Käme es aber zur zweiten Infektionswelle, erwartet die OECD ein Minus von 8,8 Prozent für Deutschland und 2021 nur eine sehr schwache Erholung von 1,7 Prozent.

    Das ist im Vergleich mit anderen großen Industriestaaten noch glimpflich: Für Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien rechnet die OECD mit einem Einbruch von jeweils mehr als elf Prozent im besseren Szenario und mehr als 14 Prozent im schlechteren. Die US-Wirtschaft wird demnach um 7,3 Prozent, mit zweiter Welle um 8,5 Prozent einbrechen.

    „In dieser Krise sehen wir keine Lokomotiven-Wirtschaft, die die Welt aus der Rezession ziehen könnte“, sagte Boone. Nach der Finanzkrise 2009 war es China, das mit großen Konjunkturprogrammen die Weltwirtschaft befeuerte. Heute richtet China seine Wirtschaft auf nationale Produktion aus, und Indien habe Probleme im Kampf gegen das Virus.

    Umso mehr würde es Europa helfen, wenn die EU-Staaten eng zusammenarbeiten. „Der Europäische Recovery Fund kann den EU-Staaten helfen, die am stärksten von der Pandemie getroffen wurden“, so Boone. Kämen sie schnell aus der Rezession, würde das auch die übrigen EU-Staaten im verflochtenen Binnenmarkt stärken.

    Boone erwartet jedenfalls, dass die Wirtschaftsleistung längere Zeit unter dem Stand vor der Coronakrise verharren wird. „Es wird in vielen Branchen Zeit brauchen, zur Normalität zurückzukehren“, sagte sie und nannte als Beispiel den internationalen Passierflugverkehr, der um 98 Prozent eingebrochen war.

    Regierungen reagierten richtig

    In all dem Wirtschaftselend gibt zumindest die Reaktion vieler Regierungen Hoffnung. Riesige Hilfsprogramme für den Schutz der Einkommen von Firmen und Bürgern hätten Schlimmeres verhindert. Die Staaten hätten bei ihrem Vorgehen voneinander gelernt, etwa, indem sie Kurzarbeit einführten, um Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden.

    „Die staatlichen Hilfen müssen fortgesetzt werden“, sagte Boone. Sie müssten jetzt aber zielgerichteter werden. „Manche Firmen werden schließen müssen, es werden Jobs verloren gehen. Regierungen sollten den Übergang in neu entstehende Jobs und Firmengründungen unterstützen“, sagte sie. Anderenfalls bestehe die Gefahr, zu viel Geld in nicht dauerhaft überlebensfähige Unternehmen zu stecken.

    Wenn der Staat sich an Firmen beteilige oder Zuschüsse gebe, müsse er sicherstellen, dass es Restrukturierungspläne gebe und einen Plan für den Ausstieg aus den Hilfen. „Es darf keinen ,free lunch‘ für Aktionäre geben“, forderte Boone. Und alle künftigen Ausgaben müssten nachhaltig sein.

    Die Erholung werde umso leichter, je weniger Handelsbarrieren errichtet würden. „Als es zu Beginn der Pandemie Exportkontrollen für medizinische Güter gab, haben diese den Mangel noch verschärft“, sagte sie. Die OECD hoffe daher, dass es wieder mehr internationale Kooperation gebe, auch wenn es darum geht, die Lieferketten zu stabilisieren.

    Mehr: Unter dem virusbedingten Schulausfall leiden die Schüler – und die Wirtschaft

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    9 Kommentare zu "Coronakrise: Die Weltwirtschaft kollabiert – OECD warnt vor hartem Konjunkturabsturz "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Fritz Müller
      Wie kam man denn nach 1929 aus der Krise heraus, mittels Geldschöpfung? Neues Geld schöpfen und investieren, den Menschen Arbeit geben und besser leben, indem die Ressourcen durch Technik besser genutzt werden. Oder hat noch jemand Zweifel, dass "Sonnen-Strom" technisch nicht sehr gut funktioniert, was bitte nichts mit dem ausufernden EEG zu tun hat. ?

    • Ich fühle mich wie 1929 kurz vor dem Börsen- Sturz. Jeder Anleger sieht die Katastroffe kommen, aber Keiner steuert dagegen. Gelddrucken war schon 1929 die falsche Lösung. Wie beim NOX- Kartell- Monopoli, einfach zurück auf Los und neu angefangen. MfG

    • In der Tat - nicht das Virus hat die Krise verursacht sondern der Shutdown.
      Ein relativ unbedeutendes Virus als Grund sich heranzuziehen, zeugt schon von globaler Verzweiflung der politischen Kaste.
      Wenn das Virus denken könnte würde es sich sicher empören und mindestens wegen übler Nachrede klagen.
      Leider geht das nicht und so werden wir für dumm verkauft - ob der galaktischen Verschuldung die angehäuft wurde, das politische Missmanagement der Krisen und Kriege, des Abhandenkommen von diplomatischem Anstand usw.
      Und so werden wir durch Reden und Medien zur Ablenkung von einer Hysterie, Pandemie und Weltuntergangsszenarium zum nächsten getrieben, denn sonst könnte man ja zur Ruhe kommen und nachdenken, wo denn die Verantwortlichkeiten liegen.
      Daran hat - weltweit - keiner ein Interesse.
      Lasst uns innehalten und Frieden in uns finden - anschließend überlegen wir uns, wie wir dennoch ein schönes Leben führen können, geerdet, seriös im Rahmen einer sozialen, leistungsstarken Gemeinschaft.
      Bleibt gesund.

    • @Helmut Metz
      Schulden, die mit Geld aus dem Nichts geschaffen wurden, kann man ausbuchen. Dabei muss niemand nachhungern, was vorausgefressen wurde, wie Sie schreiben. Bauern auf einem Dorf sagten zu mir einmal schulmeisterlich, dass Schulden vorausgegessenes Brot seien und man hungern muss, um zurückzahlen zu können. Das war vor der modernen Landwirtschaft. 1955 konnten Bauern auf einem Hektar Ackerfläche nur 3-4 Tonnen Weizen erzeugen. Freunde von mir erzeugen heutzutage 12 Tonnen Brotweizen je Hektar. Das moderne Geld- u. Kredit-System hat auch die Landwirtschaft in ungeahnte Erfolge gebracht. Ihre Idee vom hungern und nachhungern ist eine Idee des alten Goldstandards. Die Gold-Deckung ist gescheitert, schon allein wegen einer rasant steigenden Weltbevölkerung. Gold vom Mars holen ist noch nicht? Denken Sie bitte über Buchhaltung nach, über das Ausbuchen von Schulden/Forderungen, die mit Giral-Geld aus dem Nichts geschaffen wurden. Wenn Sie Zweifel haben, fragen Sie Herrn Prof. Sinn. Er könnte zwar dabei höheren Blutdruck bekommen aber er müsste zustimmen, man kann Ausbuchen.

    • "Deshalb müssten die Regierungen eng kooperieren, um einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln" - schon spannend, dass sich eine OECD derart spezifisch festlegt. überhaupt auffällig, wie sich die ganzen Supranationalen Organisationen für IMPFEN positionieren.

      Derweil wäre einzigst angebracht, eine wirksame THERAPIE zu herauszukristallisieren - wie auch immer diese aussehen möge. Vielleicht entdeckt ja jemand, das Butterschmalz oder OdolMed3 höchst Coronafeindlich wirken könnte oder was auch immer.

      Die gleichgeschaltete Lösungsfokussierung auf Impfen - mit genverändernden Impfstoffen lange Zeit geächtet! - ist mir unheimlich und mehr als verdächtig. Ich verlange Neutralität und einen offenen Lösungsfindungsprozess, keine fixe Gleichung "Coronakrisen-Ende nur durch Impfparty".

    • @ Josef Berchtold
      "Diese Welt-Wirtschafts-Krise, ausgelöst durch eine RNA"

      Falsch. Die Corona-Pandemie war nur der Trigger, aber nicht die Ursache der Krise. Da man die Krise nach dem Lehman-Crash 2008 mit den gleichen Mitteln "bekämpfte", durch die sie entstanden ist, hat auch die Corona-Krise jetzt die genau gleiche eigentliche Ursache:
      "Was sich seit 2008 in der Welt der Banken und Finanzen, der Staatsbudgets und Unternehmensbilanzen abspielt, ist keine konjunkturelle Krise, keine Liquiditätskrise, keine Konsumkrise und keine Investitionskrise, keine Krise der Marktwirtschaft und keine Krise des Kapitalismus. Es ist eine Verschuldungskrise von welthistorischen Ausmaßen, verursacht vom Falschgeldsystem des papierenen fiat money und seinen Betreibern, den Regierungen und Zentralbanken. Mit Ozeanen aus Papiergeld und Krediten aus heißer Luft wurde eine globale und inflationäre Konsumorgie angeheizt, die nun zusammenbricht. Was die Völker jahrzehntelang vorausgefressen haben, werden sie nun jahrzehntelang nachhungern müssen." (Roland Baader: Geldsozialismus, Gräfelfing 2010, S. 129)


    • Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft denn es geht um das Verhalten von Menschen. Von daher kann man auf solche Prognosen und politische Ableitungen nicht zu viel geben - besonders nicht in neuen Situationen wie heute.
      Wichtig ist die medizinische Forschung voranzutreiben - dort liegt die Wurzel - - sobald es hier Fortschritte gibt ist der gordische Knoten durchschlagen.

      Das reflexhafte rauswerfen von unvorstellbar viel Geld auf Pump kurbelt keine Wirtschaft an - es schafft nur noch gewaltigere Blasen in den Märkten.

    • Diese Welt-Wirtschafts-Krise, ausgelöst durch eine RNA, hat den Vorteil, dass sich vermutlich kein Politiker mehr traut, in der Forschung zu sparen und sich mit der Schwarzen Null zu brüsten. Auch sollten die forschenden Unis davon befreit werden, Drittmittel einwerben zu müssen. Grundlagen-Forschung muss wieder, wie schon in einigen früheren Perioden in Deutschland, absolute Priorität haben. Man kann sich sogar freuen darüber, dass nun einige alte Ideen, vor allem die Idee von der Schwäbischen Hausfrau, auf den Müllhaufen der Geschichte landen werden. Eine Familien muss nach dem Prinzip der Schwäbischen Hausfrau wirtschaften, macht dies ein Staat auch so, außer Fluchtgeld-Kleinstaaten wie die Schweiz, schadet dies einem Staat grausam.

    • Wenigstens ist die Formulierung in diesem Artikel korrekt: Der Shutdown hat die Katastrophe verursacht, nicht das Virus.

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