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Coronakrise England hebt Corona-Beschränkungen auf – doch die Delta-Welle legt das Land lahm

Während das Land den „Freedom Day“ feiert, müssen immer mehr Arbeitnehmer in Quarantäne – inklusive Premier Johnson. Unternehmen drosseln die Produktion.
18.07.2021 - 16:19 Uhr Kommentieren
Keine Masken und keine Abstände: England lockert seine Corona-Beschränkungen. Quelle: Getty Images
Strand in England

Keine Masken und keine Abstände: England lockert seine Corona-Beschränkungen.

(Foto: Getty Images)

London So hatte sich Boris Johnson den „Freedom Day“ wohl nicht vorgestellt. Am Montag fallen fast alle Corona-Regeln in England, doch der britische Premierminister wird den Tag auf seinem Landsitz Chequers in Quarantäne verbringen.

Auch Gesundheitsminister Sajid Javid und Finanzminister Rishi Sunak müssen zehn Tage lang zu Hause bleiben. Javid war positiv getestet worden, die beiden anderen zählten zu seinen letzten Kontakten.

Die Quarantäne der drei wichtigsten Regierungsmitglieder erinnert daran, dass die Pandemie in England nicht vorbei ist. Das Land steckt mitten in der dritten Corona-Welle. Dennoch hält der Premier an seinem Lockerungskurs fest. Seit Montag müssen Engländer weder Maske tragen noch Abstand halten. Nachtclubs dürfen wieder öffnen, alle Veranstaltungen können ohne Kapazitätsbeschränkungen stattfinden. Auch die Homeoffice-Ansage gilt nicht mehr. In den Landesteilen Schottland und Wales, die ihre eigene Corona-Politik machen, gelten die Regeln hingegen weiter.

Hunderttausende Briten verbringen den "Freedom Day" jedoch wie Johnson in Quarantäne. Sie sind Opfer der sogenannten „Pingdemic“ geworden. Die Corona-App der Regierung pingt jeden an, der sich eine Weile in der Nähe einer positiv getesteten Person aufgehalten hat, und fordert ihn zur Quarantäne auf. Allein in der vergangenen Woche verschickte die App mehr als 500.000 Handy-Nachrichten.

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    Die Quarantänevorschrift bleibt noch bis 16. August in Kraft – selbst für vollständig geimpfte Personen. Wie viele tatsächlich zuhause bleiben, wenn sie aufgefordert werden, ist unklar. Aber die Folgen für die britische Wirtschaft und Verwaltung sind erheblich. Binnen Monatsfrist könnten zehn Millionen Arbeitnehmer zu Hause bleiben müssen, schätzt der Thinktank des ehemaligen Premiers Tony Blair.

    Großbritannien befindet sich in dritter Corona-Welle

    Pro Tag werden in Großbritannien derzeit mehr als 50.000 neue Corona-Fälle registriert, fast alle Erkrankten sind mit der Delta-Variante des Virus infiziert. Bis Ende August könnte sich die Zahl laut Regierung auf 100.000 pro Tag verdoppeln. Der bisherige Rekord lag bei 68.000 Neuinfektionen auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im Januar.

    Branchenverbände klagen bereits jetzt über akuten Arbeitskräftemangel. In manchen Fabriken sei ein Fünftel der Belegschaft in Quarantäne, berichtet der Verband MakeUK. In der Gastronomie fehlen laut dem Verband Hospitality UK bis zu einem Drittel der Mitarbeiter.

    Der Personalmangel macht vor keiner Branche halt. Pub-Ketten schließen Dutzende Pubs, Autofabriken fahren ihre Schichten herunter, Supermärkte richten sich auf verkürzte Öffnungszeiten ein. In Lagerhallen verrotten Obst und Gemüse, weil es nicht genug Lastwagenfahrer gibt, um die Waren in den Einzelhandel zu bringen.

    Krankenhäuser verschieben Operationen, in manchen Orten wird die Post nicht mehr täglich zugestellt. Mehrere Londoner U-Bahnlinien stellten am Wochenende den Betrieb vorübergehend ein, weil es an Personal im Kontrollraum fehlte.

    Wirtschaftsverbände und Unternehmen fordern daher Premier Johnson auf, die Quarantänevorschriften für Geimpfte umgehend abzuschaffen. 68 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind vollständig geimpft, 88 Prozent haben ihre erste Dosis erhalten. Johnson sieht die Quarantänevorschrift jedoch als Notbremse, um auch nach der Aufhebung aller Corona-Regeln die Zahl der Kontakte zu reduzieren.

    Freedom Day wird Delta-Welle beschleunigen

    Die Tatsache, dass Johnson und seine wichtigsten Minister nun in Quarantäne sind, bestärkt die Kritiker des Öffnungskurses. Die Aufhebung aller Vorschriften am Montag sei „fahrlässig“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Labour-Opposition, Jonathan Ashworth, der BBC. Zumindest die Maskenpflicht in Innenräumen müsse man beibehalten.

    Der Premierminister (links) und sein Gesundheitsminister sind nun beide in Quarantäne. Quelle: REUTERS
    Boris Johnson und Sajid Javid

    Der Premierminister (links) und sein Gesundheitsminister sind nun beide in Quarantäne.

    (Foto: REUTERS)

    Johnson selbst hatte zuletzt erklärt, trotz der Aufhebung der gesetzlichen Maskenpflicht sollten die Menschen weiterhin Maske in vollen Zügen und Innenräumen tragen. Wie viele Menschen der Empfehlung folgen werden, ist unklar. Im öffentlichen Nahverkehr sind bereits viele Passagiere ohne Maske zu sehen.

    Experten erwarten, dass der „Freedom Day“ die Delta-Welle in England noch beschleunigen wird. 100.000 Neuinfektionen am Tag seien „fast unvermeidlich“, sagte Neil Ferguson, Epidemiologe am Imperial College in London, der BBC.

    Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen werde weiter steigen. 1000 Einweisungen pro Tag seien „sicher“, sagte Ferguson. Aktuell sind es 740. Steige die Zahl auf 2000, wäre dies eine „erhebliche Belastung“ des staatlichen Gesundheitssystems NHS.

    Laut Ferguson wäre es ein Erfolg, wenn die dritte Welle ihren Höhepunkt bei 100.000 Infektionen und 1000 Krankenhauseinweisungen erreicht und dann wieder zurückgeht. Bei einem schlechteren Szenario könne die Regierung gezwungen sein, neue Restriktionen einzuführen.

    So ist es bereits den Regierungen in Israel und den Niederlanden ergangen: Beide hatten nahezu alle Einschränkungen abgeschafft und mussten einige inzwischen wieder einführen. „Es ist ein komischer Freedom Day“, kommentiert BBC-Moderator Andrew Marr. „Ob die Impfmauer hält, ist das bisher größte Risikospiel der Johnson-Regierung.“

    Mehr: Kommentar – Johnsons „Freedom Day“ wird zur Farce.

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