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Coronakrise Griechenland lockert Lockdown – doch das Land rutscht weiter in die Rezession

Die Regierung in Griechenland öffnet den Lockdown langsam. Doch die Lockerungen haben weniger mit den Infektionszahlen zu tun als mit der wirtschaftlichen Krise in dem Land.
16.01.2021 - 15:55 Uhr Kommentieren
Wie schnell das Land die Krise hinter sich lässt, wird vor allem vom Tourismus abhängen. Quelle: dpa
Athen

Wie schnell das Land die Krise hinter sich lässt, wird vor allem vom Tourismus abhängen.

(Foto: dpa)

Athen Am Montag beginnt traditionell in Griechenland der Ausverkauf. Dann locken die Händler mit Rabatten von 50 Prozent und mehr, um ihre Lagerbestände loszuschlagen und Liquidität in die Kassen zu bekommen.

Noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als würde der Räumungsverkauf in diesem Jahr ausfallen. Das hätte für viele Händler das Aus bedeutet. Denn seit Anfang November sind die Einzelhandelsgeschäfte geschlossen.

Jetzt lockert die Regierung den Lockdown: Ab Montagmorgen dürfen die Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen, wenn auch mit strikten Abstandsregeln. So soll das für den Ausverkauf typische Gedränge vermieden werden.

Auch Friseure dürfen ab Montag wieder zur Schere greifen. Die nächtliche Ausgangssperre von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr bleibt aber bestehen. Auch wer tagsüber die Wohnung verlässt, etwa zum Einkaufen oder für einen Spaziergang, muss per SMS eine Genehmigung anfordern.

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    Mit der Öffnung reagiert die Regierung auf einen Rückgang der Zahl der Neuinfektionen. Sie war Ende Oktober stark angestiegen. Dank des Anfang November verhängten Lockdowns, den die Bevölkerung in ihrer großen Mehrheit auch über Weihnachten und Silvester weitgehend befolgte, hat sich die Lage inzwischen entspannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die die durchschnittliche Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner angibt, liegt in Griechenland aktuell bei 43,2. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Wert 146,1.

    Kein Risikogebiet – für Entwarnung trotzdem zu früh

    Griechenland und Finnland sind derzeit nach den Daten der europäischen Behörde ECDC die einzigen EU-Staaten, die nicht als Risikogebiete rot, sondern nur gelb markiert sind. Die griechische Provinz Epirus, die ionischen Inseln, die Kykladen und die Dodekanes-Inseln sind sogar als einzige Regionen des Kontinents auf der Corona-Karte grün eingezeichnet. Sie meldeten in den vergangenen 14 Tagen weniger als 25 Neuninfektionen pro 100.000 Einwohner. So gut schneidet in Europa nur noch das zu Dänemark gehörende Grönland ab.

    Aber für eine Entwarnung sei es noch zu früh, warnt Nikos Chardalias. Er ist als Vizeminister für den Zivilschutz in der Regierung für die Umsetzung der Pandemiebekämpfung zuständig. In einer Pressekonferenz verglich Chardalias am Freitagabend seinen Job mit einer nächtlichen Autofahrt auf einer unbekannten, kurvenreichen Bergstraße. Man wisse nie, was einen hinter der nächsten Kurve erwarte. Mal könne man etwas Gas geben, dann wieder müsse man bremsen.

    Dass die Regierung jetzt den Fuß vom Bremspedal nimmt, hat nicht nur mit den günstigeren Infektionszahlen zu tun. Aus dem Einzelhandel kommen immer mehr Hilferufe. Nachdem die Händler bereits im Frühjahr 2020 einen mehrwöchigen Lockdown zu verkraften hatten, verloren sie jetzt auch noch das Weihnachtsgeschäft. Jeder zweite Geschäftsinhaber stehe vor der Pleite, warnt Stavros Kafounis, der Vorsitzende der Athener Handelskammer.

    Nicht nur die Existenz Zehntausender Familienunternehmen steht auf dem Spiel. Der Lockdown zieht das chronische Krisenland immer tiefer in die Rezession. Der Groß- und Einzelhandel erwirtschaftet ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    „Jeder Monat Lockdown kostet die Volkswirtschaft über drei Milliarden Euro“, rechnete Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Freitag in einer Parlamentsdebatte vor. Nach vorläufigen Berechnungen ist das griechische BIP im vergangenen Jahr infolge der Pandemie um 10,5 Prozent geschrumpft. So tief stürzte die Wirtschaft nicht mal im schlimmsten Krisenjahr 2011 ab.

    Auch die Aussichten für 2021 verschlechtern sich zusehends. Noch im vergangenen Oktober erwartete die Regierung ein Plus von 7,5 Prozent. Jetzt rechnet sie nur noch mit einer Erholung von 4,8 Prozent. Auch das könnte sich als zu optimistisch erweisen. Die Analysten der Großbank HSBC reduzierten gerade ihre Wachstumsprognose für Griechenland auf drei Prozent.

    Tourismus entscheidet

    Wie schnell das Land die Krise hinter sich lässt, wird vor allem vom Tourismus abhängen. Er steuerte in früheren Jahren mehr als ein Fünftel zum BIP bei und war damit der stärkste Wachstumsmotor des Landes. Premier Mitsotakis propagierte jetzt in Briefen an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und seine 26 Amtskollegen im Europäischen Rat die Idee eines Impfpasses.

    Ein Zertifikat über eine Impfung gegen das Covid-19-Virus könnte es dem Inhaber ermöglichen, frei zu reisen, schlägt Mitsotakis vor. Noch muss jeder Griechenland-Besucher ausnahmslos für sieben Tage in Quarantäne, selbst wenn er ein negatives Testergebnis vorweisen kann.
    Der Impfpass-Idee steht aber bisher entgegen, dass die Impfungen in fast allen europäischen Ländern sehr schleppend anlaufen, auch in Griechenland. Von 1018 angekündigten Impfzentren sind bisher weniger als 200 in Betrieb. Premier Mitsotakis verspricht, dass bis Ende März zwei Millionen Menschen geimpft werden sollen. Auch das wäre dann aber erst ein Fünftel der Bevölkerung.

    Um den Tourismus anzukurbeln, müsste die Regierung vor allem die seit fast zweieinhalb Monaten geschlossene Gastronomie wieder öffnen. Das wird aber noch dauern. Frühestens in einigen Wochen sollen die Restaurants, Tavernen und Cafés wieder Gäste bewirten dürfen, sofern die Infektionszahlen weiter zurückgehen. Und anfangs nur im Freien.

    Weil um diese Jahreszeit selbst in Griechenland die Temperaturen in die Nähe des Nullpunkts sinken können, fördert die Regierung die Anschaffung von Heizstrahlern für die Außengastronomie. Pro zehn Quadratmeter Bewirtungsfläche bezuschusst das Wirtschaftsministerium jeweils einen Heizstrahler mit 100 Euro.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum die Coronakrise Griechenland weit zurückwirft.

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