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Coronakrise Lockdown in der Türkei: So will Erdogan die Pandemie eindämmen und gleichzeitig die Wirtschaft schützen

Das Land verzeichnet die höchsten Infektionszahlen in Europa. Ab Dienstag gelten daher neue Beschränkungen – sie betreffen jedoch kaum die türkischen Unternehmen.
01.12.2020 - 10:51 Uhr Kommentieren
Am Wochenende dürfen die Menschen in der Türkei ihr Zuhause nicht mehr verlassen. Quelle: AP
Recep Tayyip Erdogan

Am Wochenende dürfen die Menschen in der Türkei ihr Zuhause nicht mehr verlassen.

(Foto: AP)

Istanbul Die türkische Regierung hat lange versucht, auf einen Lockdown zu verzichten, doch nun hat Präsident Recep Tayyip Erdogan ihn doch verkündet: Unter der Woche gilt ab Dienstag eine Ausgangssperre von 21 bis fünf Uhr. Am Wochenende dürfen die Menschen in dem Land das Haus nicht verlassen – und zwar von Freitag, 21 Uhr, bis zum Montagmorgen um fünf Uhr. Ausnahmen gelten für nahe gelegene Supermärkte.

Das Kabinett beschloss den Lockdown bereits am Montag, mittlerweile hat das Innenministerium die damit verbundenen Maßnahmen im Detail veröffentlicht: Demnach dürfen Menschen, die älter als 65 oder jünger als 20 Jahre sind, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. Diese Personengruppen dürfen zudem nur drei Stunden am Tag ihr Zuhause verlassen.

Wer in ein Einkaufszentrum geht, muss den Behörden zufolge einen Code zur Nachverfolgung von Kontakten benutzen. An Hochzeiten und Beerdigungen dürfen maximal 30 Menschen teilnehmen.

Restaurants, Cafés, Kinos und Wellness-Einrichtungen müssen zwar schließen. Restaurants dürfen jedoch durchgehend Bestellungen annehmen und Mahlzeiten ausliefern, auch am Wochenende.

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    Schwieriger Spagat

    Erdogan rief die Menschen außerdem dazu auf, das Rauchen aufzugeben, regelmäßig zu lüften sowie die Richtlinien zum Maskentragen und die Abstandsregeln einzuhalten. In den vergangenen Wochen hatten türkische Ordnungsbeamte bereits fast 19.000 Strafzettel an Menschen verteilt, die in der Öffentlichkeit keine Maske trugen.

    Die türkische Regierung steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie will die Pandemie eindämmen und gleichzeitig die Konjunktur schützen. Denn der Wirtschaft des Landes geht es momentan vergleichsweise gut: Am Montag teilte das nationale Statistikamt in Ankara mit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um 6,7 Prozent zugelegt hat – und damit deutlich stärker als erwartet.

    Erdogan kündigt Verschärfung der Corona-Maßnahmen in der Türkei an

    Die Türkei verzeichnet momentan jedoch die höchsten Infektionszahlen im Vergleich mit Europa. Das Gesundheitsministerium meldete am Montag 31.3219 Neuinfektionen und 188 neue Todesfälle in Zusammenhang mit Corona. Erdogan teilte mit, dass nach einem Abkommen mit dem chinesischen Pharmaunternehmen SinoVac 50 Millionen Dosen eines Coronavirus-Impfstoffs kostenlos verabreicht würden. Ab wann sich die Menschen impfen lassen können, ließ er offen.

    Lira unter Druck

    Auch wenn sich die Wirtschaft zuletzt gut geschlagen hat, ist die Währung des Landes enorm unter Druck geraten: Die Lira hat ein Viertel an Wert zum US-Dollar verloren. Die Inflation ist auf knapp zwölf Prozent angestiegen. Mit rund 30 Milliarden US-Dollar hatte der ehemalige Finanzminister versucht, den Verfall der Landeswährung aufzuhalten – ohne Erfolg. Er musste Anfang November gehen, ebenso wie der Notenbankpräsident.

    Erste Indikatoren weisen bereits darauf hin, dass der Aufschwung bald vorbei sein könnte. Der Produktionsindex PMI ist von 53,9 Punkten im Oktober auf 51,4 Punkte im November gesunken. Im Juli hatte der Wert noch bei 56,9 Punkten gelegen. Im Mai, als die erste Infektionswelle ihren Höhepunkt erreichte, war der Wert in der Türkei auf 33,4 Punkte gesunken.

    Ein PMI-Wert von über 50 deutet eine wirtschaftliche Erholung an. Dies ist derzeit in der Türkei nur in vier von zehn Branchen der Fall. Die Auftragseingänge seien demnach nur in den Sektoren Chemie, Kunststoff, Gummi sowie Lebensmittel gestiegen.

    Trotzdem stellen türkische Unternehmen weiterhin ein. Seit sechs Monaten steigt die Beschäftigung in dem Land an. Dies deutet darauf hin, dass viele Firmen trotz der ausbleibenden Neubestellungen volle Auftragsbücher haben. Darauf weisen auch die Lieferzeiten hin. Sie waren im November so hoch wie noch nie.

    Auch die Inflation wurde dadurch leicht gebremst. Der Anstieg der Inputkosten und der Preise für Fertigprodukte ging im Vergleich zum Oktober leicht zurück. Das hängt vor allem mit den jüngsten Kursgewinnen der türkischen Lira zusammen.

    Mehr: Die frühe Öffnung der türkischen Wirtschaft war unausweichlich – ein Kommentar.

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