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Coronakrise Mexikos Präsident bekämpft die Pandemie mit Amuletten

Mexiko zählt inzwischen 50.000 Corona-Tote, der Präsident verkennt weiter den Ernst der Lage. Er empfiehlt als wirksame Maßnahme, nicht zu stehlen.
14.08.2020 - 08:26 Uhr Kommentieren
Das Graffiti ehrt die Helfer im Kampf gegen Covid-19 Quelle: AFP
Eine Frau in Zapopan, Mexiko

Das Graffiti ehrt die Helfer im Kampf gegen Covid-19

(Foto: AFP)

Mexiko-Stadt Ende Juli machte Andrés Manuel López Obrador mal wieder eine dieser Bemerkungen, die Gesundheitsexperten und Epidemiologen ins Schwitzen bringen. Da, wo er Abstand zu anderen Menschen halten könne, wolle er weiter keine Schutzmaske tragen, betonte der mexikanische Präsident. Denn es sei „wissenschaftlich nicht erwiesen“, dass der Mund-Nasen-Schutz helfe.

„Ich will keinen Streit entfachen, aber wenn die Maske wirklich helfen würde, würde ich sie natürlich sofort aufsetzen“, behauptete López Obrador bei einem Besuch im südwestlichen Bundesstaat Oaxaca. „Da, wo der Gebrauch obligatorisch ist, so wie im Flugzeug, da ziehe ich die Maske auf.“ Vor wenigen Tagen faltete der Präsident sogar seinen Finanzminister Arturo Herrera öffentlich zusammen, der – selbst inzwischen von Covid-19 genesen – sagte, „dass der Mundschutz dazu diene, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, weil er ermögliche, Geschäfte und Fabriken wieder zu öffnen“.

Maria Castro kann angesichts solcher Ignoranz an höchster Stelle nur den Kopf schütteln. „Das hilft nicht, die Menschen für die Gefahr der Corona-Pandemie zu sensibilisieren“, sagt die 48-Jährige. Die Architektin aus dem Stadtviertel Condesa in Mexico City sieht, wie sich ihre Landsleute in Parks, Supermärkten und Geschäften schwertun mit dem Einsatz der Maske und der Pflicht zum Abstandhalten. „Immerhin hat der Präsident inzwischen die Dramatik des Coronavirus erkannt“, glaubt Castro.

Das war lange anders. Aber die schieren Zahlen haben den 66-Jährigen zum Umdenken gezwungen. Denn mittlerweile ist Mexiko nach den USA und Brasilien mit 53.000 Toten das Land mit den drittmeisten Covid-19-Opfern weltweit. Eine halbe Million Mexikaner gelten zudem als mit dem Coronavirus infiziert. 

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    Darüber hinaus geben internationale Experten zu bedenken, dass die Dunkelziffer der Corona-Infizierten in Mexiko deutlich höher sein könnte, als es die Gesundheitsbehörden angeben. Nach einer Erhebung von Forschern der englischen Universität Oxford testet Mexiko deutlich weniger als andere Staaten.

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    Seit drei Monaten schon behauptet Präsident López Obrador wider alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass sein Land die Pandemie im Griff habe. Mitte Mai sagte er, Corona sei „gezähmt“. Mit diesem Argument fuhr seine Regierung die Wirtschaft schon lange vor Erreichen des Höhepunkts der Infektionen allmählich wieder hoch. Er selbst begann wieder, durchs Land zu reisen, weihte ohne Mundschutz Bauwerke ein und tat so, als sei fast alles wieder wie immer.

    Die Botschaft war klar: Wir lassen uns von der Pandemie nicht in die Knie zwingen. „Mexiko sieht sich zwei enormen Krisen gegenüber – der Pandemie und dem Einbruch der Wirtschaft“, betont der Präsident immer wieder. López Obrador weiß, dass seiner Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Absturz von mindestens sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts droht, einer der größten Rückgänge in Lateinamerika. Und in der Folge droht eine Explosion der Armut.

    In dem nordamerikanischen Land geht gerade der Spagat fürchterlich schief, gleichzeitig die Wirtschaft vor dem Totalzusammenbruch zu bewahren und die Bevölkerung vor dem todbringenden Virus zu schützen. Die Gesundheitsbehörden haben eine Corona-Ampel entwickelt und das Land in rote, orange, gelbe und grüne Zonen eingeteilt. Der entscheidende Faktor für die Kategorisierung ist die Auslastung der Krankenhäuser.

    Doch die Mexikaner scheinen farbenblind. Überall im Land steht die Ampel auf Rot oder kurz davor, aber die Menschen gehen in Gruppen auf die Straßen, treffen sich in den teilweise wieder geöffneten Cafés und Restaurants, stürmen die Geschäfte ohne jegliche Distanz – wenn auch immerhin meistens mit Mundschutz.

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    López Obrador sagt seiner Bevölkerung allen Ernstes, „nicht lügen, nicht stehlen und nicht betrügen“ helfe, sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren. Hilfsweise möge man sich auch Amulette umbinden und an die Jungfrau Maria glauben. Dann bliebe man schon von der Krankheit verschont.

    Der Präsident behauptet, dass ihn seine Ehrlichkeit, seine Amulette und die Heiligenbildchen schützen, die ihm seine Anhänger geschenkt haben.

    Wirklich helfen könnte eine gesündere Ernährung. In Mexiko leiden besonders viele Menschen an Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder sind zuckerkrank. Laut einer Studie der OECD leiden 32 Prozent der erwachsenen Mexikaner unter Fettleibigkeit. Fast jeder fünfte hat Diabetes. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO begünstigen diese Vorerkrankungen einen komplizierten Verlauf einer Coronavirus-Infektion. Bei vier von fünf Corona-Toten soll es eine Verbindung zu einer dieser chronischen Erkrankungen gegeben haben.

    Mehr: Trotz seines katastrophalen Corona-Krisenmanagements bleibt Brasiliens Präsident Bolsonaro beliebt. Vor allem beim ärmeren Teil der Bevölkerung.

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