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Coronakrise Österreichs Kanzler Kurz macht sich zum Vorreiter der Corona-Lockerung

Sebastian Kurz setzt sich gerne als Macher in Szene und fährt die Wirtschaft Österreichs am Dienstag langsam wieder hoch. Damit riskiert er viel.
14.04.2020 - 03:55 Uhr 1 Kommentar

Österreich öffnet wieder Baumärkte und kleinere Geschäfte

Wien Vor dem edlen Wandmosaik des Bundesadlers stellte sich Sebastian Kurz mit offenem weißem Hemd im österreichischen Kanzleramt am Karsamstag vor den Kameras des ORF auf. Für seine Landsleute hielt der Bundeskanzler eine frohe Osterbotschaft bereit. „Wir werden versuchen, behutsam in Richtung Normalität zurückzukehren“, verkündete der 33-jährige Chef der schwarz-grünen Koalition mit gefalteten Hände.

Ab Dienstag können sämtliche Geschäfte mit einer Fläche unter 400 Quadratmetern sowie Bau- und Gartenmärkte zwischen Bodensee und Neusiedler See wieder öffnen. Vom 1. Mai an sollen alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure folgen. Trotz des Risikos mitten in der Pandemie macht sich Kurz damit zum Protagonisten einer Lockerung in Mitteleuropa.

An Selbstlob spart der frühere Jurastudent nicht. „Österreich ist bisher besser durch diese Krise gekommen als viele andere Länder, und der Grund dafür sind Sie alle“, schrieb er in seiner Osterbotschaft an die über acht Millionen Österreicher. In den nächsten Monaten sollen „schrittweise alle anderen Bereiche des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens wieder hochgefahren werden“.

Für seine forsche Gangart lässt sich Kurz, der Anfang Januar zum zweiten Mal Bundeskanzler mithilfe der Grünen wurde, gerne von der „Bild“-Zeitung als Vorbild für Deutschland feiern, denn das kommt in der Heimat besonders gut an.

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    Seit dem Ausbruch der Coronakrise setzt der 33-Jährige sich zudem gern als omnipotenter Macher in Szene, der seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel stets einen Schritt voraus ist.

    Kurz lässt Deutschland und EU allein

    Kurz und Merkel haben seit der Flüchtlingskrise ein getrübtes Verhältnis. Damals kritisierte Kurz immer wieder die Migrationspolitik der Bundesregierung in Berlin. Davon hat sich das bilaterale Verhältnis nie mehr erholt.

    Erst vor wenigen Tagen hat Kurz Deutschland und die EU wieder einmal alleingelassen: Der scharfen Kritik am rechtsnationalen Notstandsgesetz und der damit einhergehenden Gefährdung der Demokratie in Ungarn schloss er sich nicht an.

    Im Fall der teilweisen Öffnung der Läden geht Österreichs Kanzler nun bewusst das Risiko eines Rückfalls ein. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte in seiner Osteransprache auch in Richtung der österreichischen Nachbarn: „Wer zu früh lockert, riskiert einen Rückfall.“

    Trotz verbesserter Zahlen bei den Genesenen gibt es für Österreich keine Entwarnung. Die Alpenrepublik ist statistisch sogar leicht stärker betroffen als Deutschland.

    Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gab es am Ostermontag rund 14.000 positiv auf das Coronavirus getestete Personen und 368 Tote. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 123.000 Infizierte und 2799 Todesopfer. Deutschland ist rund zehnmal größer als Österreich.

    Österreicher halten sich an Ausgangsbeschränkung

    Um das Risiko, einer weiteren Verbreitung des Coronavirus einigermaßen in Schach zu halten, setzt Kurz auf einen autoritären Staat, der einen Verstoß gegen die Ausgangsbeschränkungen mit drakonischen Strafen erwidert.

    Und sein Vorgehen funktioniert: Die Österreicher hielten sich über das Osterwochenende weitgehend an die Ausgangsbeschränkungen und blieben zu Hause. So meldete beispielsweise Wien Energie, dass der Stromverbrauch in der Karwoche etwa auf einer Höhe blieb und auch am Wochenende nur um zehn Prozent gesunken sei.

    Letztes Jahr sah das noch anders aus: Üblicherweise sinkt der Stromverbrauch in Wien am Osterwochenende um 25 Prozent, weil viele Österreicher ihre Familien besuchen.

    Es bleibt allerdings offen, wie die Öffnung der Läden in der Praxis funktionieren wird. Denn schon die eilig eingeführte Maskenpflicht für Läden und im Nahverkehr verlief chaotisch. Nicht überall waren Masken verfügbar, manche Supermärkte verkauften sie zu überteuerten Preisen.

    Nur im Kanzleramt funktioniert die Maskenpflicht glänzend. Demonstrativ betritt Kurz die nur für österreichische Journalisten zugelassenen Pressekonferenzen mit Gesichtsmaske. Denn Vorbild will Kurz in Österreich und weit darüber hinaus stets sein.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

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    1 Kommentar zu "Coronakrise: Österreichs Kanzler Kurz macht sich zum Vorreiter der Corona-Lockerung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Kurz muss seine Strategie an der weiteren Entwicklung der Infektion messen lassen.
      Grundsätzlich wäre es ein Königsweg, die Reproduktionsrate des Virus auf unter eins zu drücken, um dann eine konsequente Containment-Strategie verfolgen zu können.
      Das bedeutet, neben dem Abstandsgebot und der Einhaltung von Hygieneregeln: Masken, Tests und Corona-App.
      Diese „virologische Dreifaltigkeit“ könnte dann einen Dreiklang von Schutz der Bevölkerung, individueller Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand ermöglichen.
      Wenn die Infektion aber erst einmal "Fahrt aufgenommen" hat, ist es in der Tat schwer, die Entwicklung wieder so weit zurückzudrehen, dass die "Containment-Option" in greifbare Nähe rückt.
      Soweit ich das beurteilen kann, hat Deutschland noch die vergleichsweise größten Chancen, das "Südkorea Europas" zu werden.
      In jedem Fall aber können sich Amerika und China ein Beispiel an uns nehmen. Warum?
      Weil in Deutschland eine kluge Politik wissenschaftlich fundierte Entscheidungen trifft und diese transparent einer aufgeklärten Bevölkerung kommuniziert, die in der Krise zusammenhält!

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