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Coronakrise Ostern ohne Gläubige – Warum der Papst trotzdem an Stärke gewinnt

Der Vatikan steht erstmals in der Geschichte vor einem menschenleeren Osterfest. Doch Papst Franziskus findet starke Antworten auf die globale Krise.
08.04.2020 - 17:51 Uhr Kommentieren
In diesem Jahr gibt es keine Pilger und keine Touristen. Quelle: AFP
Papst Franziskus allein vor dem Petersdom

In diesem Jahr gibt es keine Pilger und keine Touristen.

(Foto: AFP)

Rom Bilder wie diese werden im kollektiven Gedächtnis bleiben: Der Papst spendete an einem Abend Ende März vor dem Petersdom den Segen „Urbi et Orbi“. Er stand ganz allein im strömenden Regen auf dem großen Platz. In der Liveübertragung hörte man die Sirene eines Krankenwagens, der vorbeifuhr.

In Italien galt da seit 18 Tagen die Ausgangssperre. 180 Millionen Menschen weltweit verfolgten die Bilder aus Rom.

„Wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört“, sagte der Papst. Jetzt habe jeder für sich zu entscheiden, „was wirklich zählt und was vergänglich ist“.

Der Argentinier ist im siebten Jahr seines Pontifikats. Er beklagte, dass viele sich in der Vergangenheit ganz von materiellen Dingen und Eigensucht hätten leiten lassen.

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    Das sind starke Worte und Gesten vom Oberhaupt der katholischen Kirche, gerichtet auch an andere Konfessionen. Der 83-jährige Franziskus reagierte schneller als viele Politiker auf den Ausbruch von Covid-19. Er ist nicht nur Glaubensmann, sondern auch ein Krisenmanager, das hat er bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche in Ansätzen gezeigt.

    Seine Morgenmessen um 7 Uhr in seinem Wohnhaus Casa Santa Marta werden live übertragen. Er hat einen Spendenaufruf für die Missionare gemacht und wie immer deutlich kritische Worte zur Bekämpfung der Armut und Ungleichheit, gegen Waffenhandel und Kritik an der Klimapolitik gefunden – wie sie schon in seiner Enzyklika „Laudato si‘“ stehen.

    Jetzt hat jeder für sich zu entscheiden, was wirklich zählt und was vergänglich ist. Papst Franziskus

    Jetzt kommt für Franziskus die größte Herausforderung: Normalerweise ist Rom zu Ostern überfüllt mit Tausenden von Menschen aus der ganzen Welt, die den traditionellen Riten aus der Nähe folgen wollen: am Karfreitag dem abendlichen Kreuzweg bei Fackellicht am Kolosseum, die Osternacht im Petersdom und am Ostersonntag der Segen „Urbi et Orbi“.

    Aber er muss die Oster-Liturgie allein zelebrieren. Das hat es in der neueren Kirchengeschichte noch nie gegeben, meint Radio Vatikan. Es gibt keine Pilger und Touristen. Die Grenze ist geschlossen, die Ausgangssperre gilt weiter, alles ist leer und zu in Rom. Der Vatikan hat die strengen Bestimmungen der italienischen Regierung zur Bekämpfung der Corona-Seuche übernommen.

    Zwei Kardinäle mit Corona

    Doch auch in dem Kleinstaat im Herzen Roms gibt es Infizierte. Zwei Kardinäle haben Covid-19. In Rom liegt der Kardinalvikar Angelo De Donatis im Krankenhaus. Zudem ist ein Kardinal in Burkina Faso erkrankt. Dazu gibt es vier weitere Fälle von Angestellten der Verwaltung.

    Nur in einem Punkt ist das Kommunikations-Dikasterium nicht transparent: Der Papst sei nicht betroffen und er habe mit dem Kardinal in letzter Zeit keinen Kontakt gehabt, heißt es zwar. Ob er einen Test gemacht hat, wird nicht verraten. „Jeder arbeitet mit technischer Hilfe in seinem Büro oder von seinen Zimmern aus“, sagte Franziskus zur Situation in der Casa Santa Marta. Gegessen werde in zwei Schichten.

    Nicht nur der Vatikan ist von der Corona-Seuche betroffen. Erst gab es kein Weihwasser in den römischen Kirchen, dann wurden sie geschlossen, dann auf Weisung des Papstes wieder geöffnet und als Folge des italienischen Ausgangsverbots, das streng kontrolliert wird, wieder geschlossen.

    Viele Pfarreien folgen dem Beispiel des Papstes und übertragen die Messen per Livestream. Im Vertrauen berichten Priester aber, dass sie natürlich Gläubige nicht abweisen würden, wenn sie zur Kirche kämen, man müsse halt den Abstand einhalten.

    Eigentlich wollte sich Franziskus in dieser Zeit dem Thema Wirtschaft widmen, das für ihn Priorität hat. Er wollte in Assisi 2000 junge Ökonomen unter 35 treffen, um über eine gerechtere Ökonomie zu diskutieren. Doch auch dieses Treffen wurde abgesagt und soll nun im November stattfinden.

    Mehr: Coronavirus: Verfolgen Sie alle aktuellen Entwicklungen im Newsblog.

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