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Coronakrise Restriktive Reisebeschränkungen: Unternehmer richten dringenden Appell an japanische Regierung

Der Vorsitzende des deutsch-japanischen Wirtschaftskreises sieht die beiden Länder in der Pflicht, Asien und Europa wieder miteinander zu vernetzen. Ansonsten könnten Wettbewerbsnachteile drohen.
10.06.2020 - 14:45 Uhr Kommentieren
Aus deutscher Sicht ist Japan eines der wichtigsten asiatischen Drehkreuze für das regionale Geschäft. Quelle: Reuters
Autowerk in Japan

Aus deutscher Sicht ist Japan eines der wichtigsten asiatischen Drehkreuze für das regionale Geschäft.

(Foto: Reuters)

Tokio Nicht nur in Europa werden die Reisebeschränkungen aus der ersten Phase der Coronavirus-Pandemie aufgehoben. Auch in Asien lockern einzelne Regionen ihre Einreiseverbote exklusiv für andere Länder, zunächst für Geschäftsreisende. Gerhard Wiesheu, Vorsitzender des renommierten deutsch-japanischen Wirtschaftskreises und Partner bei der Frankfurter Privatbank Metzler, wendet sich daher mit einem dringenden Appell an die Regierungen in Deutschland und Japan. Die beiden Länder sollten eine Brücke bilden, um Asien wieder für deutsche Geschäftsreisende zu öffnen.

„Die Geschäftsreisen mit Japan sollten schnell wieder anlaufen“, sagt Wiesheu im Interview mit dem Handelsblatt. „Ich denke, dass Japan und Deutschland in dem Prozess eine besondere Rolle spielen müssen, um die Reiseblöcke wieder zusammenzufügen.“ Die Verhandlungen zur Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und Japan hätten gezeigt, dass beide Länder etwas bewegen können, wenn sie eng zusammenarbeiten.

Die Zeit drängt, denn auch in Asien ist die Bildung von Reisezonen bereits in vollem Gange. China und Südkorea haben die Einreisebestimmungen für Geschäftsreisende schon deutlich gelockert. Australien und Neuseeland bilden ihre eigene Reisezone. Und Japan verhandelt im ersten Schub mit anderen Ländern, die kaum Virenfälle haben wie Vietnam, Thailand sowie Australien und Neuseeland, über die Wiederaufnahme von Geschäftsreisen.

Nur ist noch nicht klar, wann sich die asiatischen Länder für die stärker durchseuchten europäischen Länder öffnen wollen. Dies kann zu Wettbewerbsnachteilen für deutsche Unternehmen in Asien führen. Beispielsweise können bestellte Maschinen ohne die Techniker aus Deutschland nicht aufgestellt werden.

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    Die Bedeutung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen unterstreicht, warum Wiesheu in dieser Situation auf Japan als Türöffner nach Asien setzt. Für Japan ist Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner und Sitz der meisten Europaniederlassungen der Japan AG.

    Aus deutscher Sicht ist die älteste asiatische Industrienation nicht nur nach China der wichtigste asiatische Kunde, sondern auch eines der wichtigsten asiatischen Drehkreuze für das regionale Geschäft. Das spiegelt ebenfalls eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage der deutschen Außenhandelskammer in Japan über die Auswirkungen des derzeitigen Einreiseverbots in Japan wider.

    78 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sehen das japanische Einreiseverbot als „erhebliche Belastung“ für ihr Geschäft. 47 Prozent gaben sogar an, dass ihre Funktion als regionales Hauptquartier beeinträchtigt ist. Besonders in der Kritik stehen dabei Japans außergewöhnlich restriktive Einreisebeschränkungen. Konkret verstößt Japan gegen die diplomatische Gepflogenheit der „Reziprozität“.

    Ausländische Unternehmer protestieren gegen Diskriminierung

    Das Land hat nicht nur die Grenzen für Reisende aus vielen Ländern geschlossen. Anders als die Europäische Union verweigert Japan auch ausländischen Einwohnern, die im Besitz von Visa sind, die Wiedereinreise, wenn sie nach dem 3. April ausgereist sind.

    Das bedeutet, dass japanische Geschäftsleute, die ein Visum für den Schengen-Raum haben, weiterhin wie deutsche Staatsbürger in Deutschland ein- und ausreisen können, Deutsche in ähnlicher Lage in Japan aber nicht. Wenn Japan nun seine Grenzen wieder für den Geschäftsverkehr in Asien öffnet, müssten nach dem gegenwärtigen Stand ausländische Unternehmer weiterhin in Japan bleiben.

    Diese Ungleichbehandlung führt inzwischen zu einer regelrechten Protestwelle ausländischer Einwohner und ihrer Wirtschaftsorganisationen und Botschaften. Als jüngste Organisation hat die amerikanische Handelskammer ein Ende dieser Benachteiligung gefordert.

    Für die EU steht das Thema schon seit Längerem auf der bilateralen Agenda. „Die EU hat das Problem in den letzten Wochen bei den japanischen Behörden in Tokio zur Sprache gebracht“, erklärte ein EU-Sprecher nach dem bilateralen Videogipfel am 26. Mai. Die EU hätte betont, „welche Bedeutung sie einer raschen Lösung dieser Frage beimisst“.

    Auch die deutsche Wirtschaft macht Druck. „Sollten die Reisebeschränkungen weiterhin bestehen bleiben, stellt dies Japans Rolle als Drehscheibe für das internationale Geschäft in Ostasien infrage“, warnt die Auslandshandelskammer in Japan. Dies gilt umso stärker, da asiatische Rivalen wie Südkorea und China Besitzer mit langfristiger Aufenthaltsgenehmigung anders als Japan nicht diskriminieren.

    „Wir fordern daher die japanische Regierung auf, die Grenzen für ausländische Besucher in angemessener Weise wieder zu öffnen“, sagt Kammerchef Marcus Schürmann. „Ausländische Unternehmen benötigen einen zuverlässigen Zeitplan, um wichtige Projekte und Kundenbesuche sowie die Entsendung von Experten und Führungskräften, einschließlich ihrer Ehepartner und Familien, planen zu können.“

    Langsam scheint auch die japanische Regierung auf die Aufrufe zu reagieren. So berichten Unternehmer und Verbandsleute bereits von Signalen, dass die Behörden in Kürze ihr striktes Einreiseverbot lockern könnten. Wiesheu, der Vorsitzende des einflussreichen deutsch-japanischen Wirtschaftsverbands, sieht Japan dabei in der Pflicht. „Da wünscht man sich, dass nach den gleichen Regeln gespielt wird.“

    Zudem erinnert der Banker daran, dass das Handeln der Regierungen Auswirkungen auf die globalen Strategien deutscher Unternehmen haben wird. „Ich kann mir vorstellen, dass Unternehmen genau hinschauen, wie Länder die Krise managen und sich gegenüber der internationalen Wirtschaft verhalten“, sagt der Japan-Kenner.

    „Die Erfahrungen können durchaus in Entscheidungen um Standortfragen einfließen.“ Die seien letztlich oft Vertrauenssache, so Wiesheu. „Es wäre wichtig, dass Japan und Deutschland deshalb positive Rollen spielen.“

    Mehr: Deutsche Unternehmen in Japan stellen sich auf eine lange Durststrecke ein.

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