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Coronakrise Südkorea will mit der Krise zum „digitalen Powerhouse“ werden

Die Exportnation hat das Coronavirus eingedämmt. Nun will Präsident Moon Jae In den Vorsprung nutzen, um Südkoreas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
10.05.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren
Südkoreas Präsident will die Krise als Chance nutzen. Quelle: dpa
Moon Jae In

Südkoreas Präsident will die Krise als Chance nutzen.

(Foto: dpa)

Tokio Südkoreas Präsident Moon Jae In hat seiner Nation am Sonntag ein Versprechen gegeben: Mit Südkoreas bisher erfolgreicher Eindämmung des Coronavirus im Rücken will er das Land endgültig zu einer führenden Hightech-Nation aufbauen. „Unser Ziel geht über ‚eine globale Republik Korea‘ hinaus“, sagte Moon. „Unser Ziel ist eine Republik Korea, die die Führung in der Welt übernimmt.“

Das Land hatte in der vergangenen Woche an mehreren Tagen keine heimischen Infektionen mehr. Moon erklärte daher, dass Korea „den Krieg gegen das Virus gewonnen“ habe und zu einer neuen Normalität zurückgekehrt sei. In den restlichen zwei Jahren seiner Amtszeit will er nun daran arbeiten, „Südkorea zu einem weltweit führenden digitalen Powerhouse zu entwickeln“.

Dafür will Moon nicht nur auf Hightech-Branchen setzen, mit denen Südkorea in der Pandemie hervorgetreten ist, wie datenbasierte Seuchenbekämpfung, Online-Medizin und -Schulausbildung. So hat das Land innerhalb weniger Wochen eine Onlineplattform für drei Millionen Schüler aufgebaut. „Wir werden zukünftige Wachstumsmotoren schaffen, indem wir drei neue Wachstumsbranchen – Systemhalbleiter, Bio-Health und Autos der Zukunft – energischer fördern“, so der Präsident. Große Hoffnungen setzt er auf Start-ups. Und er hegt noch größere Pläne: „Die Republik Korea wird zu einer Weltfabrik der Hochtechnologieindustrien werden und damit die globale industrielle Landkarte verändern.“

Südkoreas Präsident Moon versucht mit dieser Vision, in der derzeitigen „wirtschaftlichen Kriegssituation“ in die Offensive zu gehen. Und er schont die Bevölkerung nicht. Die Weltwirtschaft sei zum Stillstand gekommen. Es drohe die schlimmste Krise seit der Großen Depression vor 90 Jahren, so Moon düster. „Wir befinden uns in einer Situation, in der kein Boden und kein Ende in Sicht ist.“

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    Moon ruft Koreaner zum Überlebenskampf auf

    Nationalismus sei auf dem Vormarsch, die globale Arbeitsteilung sei bedroht. „Wenn es uns nicht gelingt, diese Krise in eine Chance zu verwandeln, können wir nicht überleben“, erklärt Moon den 51 Millionen Südkoreanern. „Es ist eine verzweifelte Zeit; wir müssen uns präventiv auf die Zukunft vorbereiten.“

    Moon appelliert damit an eine Angst, die in Korea schon vor der Coronakrise verbreitet war. Das Land hat zwar erfolgreiche Weltkonzerne wie den Elektronik- und Speicherchiphersteller Samsung Electronics und den Autohersteller Hyundai Motor hervorgebracht. Aber im Land wächst die Sorge, zwischen Wirtschaftsriesen wie China auf der einen Seite und den USA und Japan auf der anderen zerrieben zu werden. Denn schon vor der Pandemie schwächelten viele der Familienkonglomerate, die die Wirtschaft beherrschen. Gleichzeitig klagten junge Südkoreaner über steigende Arbeitslosigkeit und die Vielzahl der Kleinunternehmen über sinkende Gewinne.

    In der Coronakrise konnte Südkorea zwar durch seine rasche und technikbasierte Epidemiebekämpfung, freiwilliges Social Distancing, allgemeines Händewaschen und Maskentragen den Covid-19-Ausbruch bisher ohne Ausgangssperren eindämmen. Dennoch sagt der Internationale Währungsfonds voraus, dass Südkoreas Bruttoinlandsprodukt, statt um fast drei Prozent zu wachsen, um 1,2 Prozent schrumpfen wird. Im globalen Vergleich wirkt das vielleicht milde, für ein wachstumsverwöhntes Land, das nicht einmal während der Weltfinanzkrise schrumpfte, ist dies ein Schock.

    Zudem wird das Land just zu Beginn der Covid-19-Lockerung daran erinnert, wie virulent das Virus ist. Gerade hat ein Infizierter auf einer nächtlichen Tour durch die Bars und Tanzlokale der Hauptstadt Seoul mindestens mehrere Dutzend Südkoreaner angesteckt. Die Stadtregierung ordnete daraufhin die Schließung aller Nachtlokale der Hauptstadt an.

    „Dennoch gibt es keinen Grund, aus Angst stillzustehen“, sagt Moon. Vielmehr appelliert er an die Bevölkerung, aus der bisher erfolgreichen Pandemiebekämpfung Kraft zu ziehen. „Wir sind bereits zu einem Land geworden, das bei der Prävention und Bekämpfung von Epidemien weltweit führend ist“, so der Präsident. „Der nationale Status der Republik Korea und der Stolz des Volkes sind höher denn je.“ Mit Konjunkturprogrammen will er nun Beschäftigung sichern, mit der Stärkung internationaler Zusammenarbeit den Kampf gegen das Virus, die Wirtschaftskrise und für eine neue Globalisierung.

    Seine neue Vision fällt dabei in Teilen der Wirtschaft auf fruchtbaren Boden. „Unerwartete Gelegenheit“, überschreibt die Tageszeitung „Korea Herald“ einen Leitartikel. Das Urteil: Die Pandemie könnte Südkorea helfen, ein neuer Standort für globale Produktion zu werden. Denn durch die Krise verschiebe sich der Fokus von Ländern mit niedrigen auf jene mit optimalen Kosten, also Staaten, die Flexibilität und Stabilität mit transparenter pandemischer Kontrolle verbinden. Und ein Manager eines lokalen Investmentfonds meint, dass ausländische Anleger oft bei Korea nur an Nordkorea und K-Pop gedacht hätten. „Durch die Erfolge in der Pandemiebekämpfung könnte sich das ändern, da Korea seine Stellung als Hightech-Land bewiesen hat."

    Mehr: Südkorea tauscht Daten gegen Bewegungsfreiheit – daraus kann Deutschland lernen

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