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Coronavirus Die harten Maßnahmen in Südkorea und Japan haben einen hohen Preis

Die WHO lobt Südkorea als Vorbild für die Eindämmung von Covid-19. Japan folgt dem Beispiel bereits. Doch die Wirtschaft leidet bereits deutlich.
03.03.2020 - 15:15 Uhr Kommentieren
Coronavirus in Japan und Südkorea: Harte Maßnahmen haben Folgen Quelle: dpa
Coronavirus

Soldaten der südkoreanischen Armee versprühen Desinfektionsmittel am Bahnhof Dongdaegu.

(Foto: dpa)

Tokio Krisen sind immer Bewährungsproben für Regierungen, das gilt auch für die Coronavirus-Krise. Oft können Amtsinhaber die Bevölkerung hinter sich sammeln und ihre Popularität erhöhen, die wirtschaftlichen Folgen von Krisen sind dazu meist kurzlebig. Doch wie ein Blick nach Japan und Südkorea zeigt, scheint sich das neuartige Virus nicht nur medizinisch von vorigen Infektionswellen zu unterscheiden, sondern auch in seinen starken Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft.

Zu Beginn der Coronavirus-Krisen verloren sowohl Japans Ministerpräsident Shinzo Abe als auch Südkoreas Präsident Moon Jae-in an Popularität. Denn in beiden Fällen wurde ihr Krisenmanagement schnell zum Politikum.

In Japan sackte die Zustimmungsrate für den Ministerpräsidenten bis Mitte Februar in einer Umfrage der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo um mehr als acht Prozentpunkte auf 41 Prozent ab. Dafür scheint es mehrere Gründe zu geben. Zum einen schien die Regierung wenig präsent zu sein.

Zudem gab es selbst in Abes liberaldemokratischer Partei Kritik an seiner Entscheidung, die Grenzen für Reisende aus China nicht gänzlich zu schließen. Japan wies nur Reisende aus zwei chinesischen Provinzen ab. Außerdem geriet das pannenreiche Krisenmanagement der Quarantäne auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ im Ausland und daheim in die Kritik.

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    In Südkorea zeigt sich die Kritik an der Regierung noch deutlicher, weil die innenpolitische Lage kurz vor den Parlamentswahlen im April deutlich kämpferischer ist. Binnen kurzer Zeit sammelten konservative Gegner des linken koreanischen Präsidenten über eine Million Unterschriften für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens.

    Auch in diesem Fall war ein wichtiger Vorwurf von rechts, dass Moon die Grenzen für Besucher aus China nicht komplett verschloss und damit die eigene Bevölkerung nicht besser schützte. Die rasant steigenden Fallzahlen gaben ihrer Kritik Nahrung.

    Inzwischen ist Südkorea mit mehr als 5100 bekannten Fällen (Stand: Dienstag, 15.45 Uhr MEZ) nach China das Land mit den zweitmeisten Infektionen. Die US-Regierung fordert daher ihre Bürger bereits auf, nicht mehr nach Korea zu reisen. Außerdem haben über 80 Nationen mehr oder weniger umfassende Einreisebeschränkungen für Koreaner erlassen.

    Wie wird die Bevölkerung auf harte Krisenstrategien reagieren?

    Offen ist allerdings, ob diese Popularitätskrise anhalten wird. Sowohl Moon als auch Abe haben ihren Bevölkerungen inzwischen harte Kuren verschrieben, um die Epidemien in ihren Ländern zu bremsen. Beide Länder, immerhin Volkswirtschaften mit fast 52 Millionen Einwohnern im Falle Südkoreas und 127 Millionen Menschen im Falle Japans, haben ihr gewohntes öffentliches Leben eingestellt.

    Moon erklärte am Dienstag dem Virus den Krieg. „Das ganze Land ist in einen Krieg gegen die Infektionskrankheit eingetreten“, sagte er. Japans Ministerpräsident Abe hatte seine seine Bevölkerung erst vorigen Donnerstag mit der Aufforderung an die Lokalregierungen aufgeschreckt, bereits ab Montag alle Schulen des Landes bis zum Beginn des neuen Schuljahres Anfang April zu schließen.

    Seine Forderung zeigte eine Besonderheit in Ostasien: die hohe Bereitschaft, Appellen der Regierung zu folgen. Abes Bitte beispielsweise war zwar nicht rechtlich bindend, wurde allerdings fast überall befolgt.

    Nun will Abe auch noch ein Notstandsgesetz durch das Parlament bringen, um auch in Sachen Coronavirus rechtlich bindende Ausgangssperren verhängen und nationalstaatliche Hilfe für besonders betroffene Regionen mobilisieren zu können. Bisher hat die Landesregierung in Japan eng begrenzte Kompetenzen beim Krisenmanagement.

    Schulen werden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt

    Der Anlass für den überraschenden Aktivismus war wahrscheinlich eher politischer Natur, mutmaßt Japan-Experte Tobias Harris vom Sicherheitsberater Teneo Intelligence. „Die immer energischere Kampagne ist wenigstens zum Teil eine Antwort auf die öffentliche Kritik am Führungsstil Abes während der Krise“, urteilt Harris.

    Japans Ministerpräsident forderte, alle Schulen bis Anfang April zu schließen. Quelle: AP
    Shinzo Abe

    Japans Ministerpräsident forderte, alle Schulen bis Anfang April zu schließen.

    (Foto: AP)

    Abe musste am Montag vor dem Parlament eingestehen, dass er vor dem Appell zur Schulschließung keine medizinischen Experten konsultiert hatte. Doch mit dem Schritt folgt er dem Beispiel der koreanischen Regierung, die zuvor schon den Schulanfang nach den Frühjahrsferien verschoben hatte und die Schließung nun bis zum 23. März verlängert hat.

    Damit nicht genug: Nach Aufrufen der Regierungen wurden große und kleine Veranstaltungen sowohl in Korea als auch Japan abgesagt, verschoben oder verkleinert, um die Verbreitung des Sars-Cov-2 getauften Virus einzudämmen. In Japan beispielsweise beschlossen die Sumo-Ringer, ihr März-Turnier vor leeren Rängen abzuhalten, obwohl Japan bisher nur 274 identifizierte Virusfälle hat.

    Auch die Wirtschaft schließt sich an: Immer mehr Unternehmen führen virtuelle Pressekonferenzen durch, lassen ihre Mitarbeiter von zuhause arbeiten, schränken Dienstreisen ein und ermutigen die Belegschaften, selbst interne Meetings möglichst als Videokonferenzen abzuhalten.

    Japan: Harte Maßnahmen haben einen hohen Preis

    Die gute Nachricht: Die Maßnahmen scheinen zu wirken. Die schlechte Nachricht: Der wirtschaftliche Preis droht enorm hoch zu werden. Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagte zwar, das Virus sei einmalig. „Wir befinden uns auf unbekanntem Terrain.“

    Aber er betonte, dass die Fälle der Covid-19 genannten Krankheit in der Republik Korea zumeist von fünf bekannten Clustern stammen und es sich nicht um eine breite Ansteckungswelle in den lokalen Gemeinschaften handeln würde. „Das bedeutet, dass die Überwachungsmaßnahmen wirken und Koreas Epidemie noch begrenzt werden kann“, so Tedros. Sein Fazit: „Die Eindämmung von Covid-19 ist machbar und muss die Top-Priorität für alle Länder bleiben. Mit frühen aggressiven Methoden können Länder Ansteckungen stoppen und Leben retten.“

    Doch der Wirtschaft könnte diese Kur schaden. Naohiko Baba, Volkswirt von Goldman Sachs Japan, senkte seine erst vorige Woche revidierte Konjunkturprognose für Japans laufendes Quartal und für das Gesamtjahr drastisch ins Minus. Denn nun erwartet er nicht nur wachsende Probleme mit Lieferketten und einen Einbruch der heimischen Nachfrage und der Investitionen, sondern gleichzeitig auch Probleme in anderen Wirtschaftsregionen, inklusive Europa und den USA.

    Die revidierte Konjunkturprognose sagt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sogar eine handfeste Rezession voraus. Bisher ging Baba davon aus, dass Japans Wirtschaftsleistung in diesem Quartal noch mal etwas niedriger als im schon miserablen letzten Jahresviertel von 2019 ausfallen wird. In dem schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um mehr als sechs Prozent.

    Nach Abes harten Maßnahmen rechnet Baba nun für dieses Quartal mit einem Minus von annualisiert 2,2 Prozent. Seine Prognose für das Kalenderjahr 2020 senkte er von minus 0,4 auf minus 1,1 Prozent.

    Südkoreas Wirtschaft leidet

    Auch im Falle Koreas hat die Abwärtsspirale der Prognosen begonnen. Die Kreditbewertungsagentur Fitch hat vorige Woche ihre diesjährige Wachstumsschätzung von 2,2 auf 1,7 Prozent gesenkt. 2019 wuchs die Wirtschaft noch um zwei Prozent.

    Südkoreas Präsident erklärte am Dienstag dem Virus den Krieg. Quelle: AFP
    Moon Jae-in

    Südkoreas Präsident erklärte am Dienstag dem Virus den Krieg.

    (Foto: AFP)

    Das Problem: Nicht nur die Touristenströme aus China sind versiegt. Mit der Epidemie im Inland bricht auch der Konsum ein, während gleichzeitig die Wirtschaft unter Problemen in den Lieferketten und der Virenkrise in China leidet.

    Die Vorhersage basiert allerdings auf der Annahme, dass die Epidemie in China ab April und in Korea ab Juni kontrolliert werden kann. In diesem Fall erwarten die Fitch-Volkswirte zwei schrumpfende Quartale.

    Falls das Virus allerdings in Südkorea auch im dritten Quartal weiter wüten sollte, rechnet Fitch nur noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozent – wahrscheinlich sogar mit einem geringeren. In diesem Fall erwartet Fitch, dass Südkoreas Haushaltsdefizit weit über die geplanten drei Prozent hinausschießen würde, da die Regierung wahrscheinlich umfassende Konjunkturprogramme auflegen würde.

    Robert Koch-Institut: 188 bestätigte Covid-19-Fälle in Deutschland

    Beide Regierungen haben bereits Hilfsprogramme angekündigt, um die Unternehmen und die Wirtschaft zu stützen. Südkorea will mehr als 15 Milliarden Euro bereitstellen, Japan 2,3 Milliarden Euro. Die Notenbanken beobachten die Lage, haben aber wenig Raum für weitere Maßnahmen. In Südkorea liegt der Zins bei 1,25 Prozent, in Japan unter null Prozent.

    Aber dies werden nicht die einzigen Maßnahmen für Japan bleiben, meint Volkswirt Baba: „Falls es notwendig erscheint, erwarten wir, dass die Regierung ihre Ausgaben im Haushaltsjahr 2020 durch einen Nachtragshaushalt erhöht.“ Die beiden Industrienationen zeigen damit, vor welch schwierigen Abwägungen Regierungen in aller Welt derzeit stehen.

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