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Coronavirus Indiens Wirtschaftszentren müssen wieder in den Lockdown

Wegen stark steigender Infektionszahlen bremsen die Behörden das öffentliche Leben in mehreren Metropolen wieder. Das lähmt die Wirtschaft erneut.
13.07.2020 - 19:59 Uhr Kommentieren
Die Infektionszahlen sind zuletzt stark angestiegen. Quelle: imago images/Hindustan Times
Gesundheitscheck in Mumbai

Die Infektionszahlen sind zuletzt stark angestiegen.

(Foto: imago images/Hindustan Times)

Bangkok Das Leben in Indiens wirtschaftlichen Zentren kommt erneut zum Stillstand – darunter Indiens IT-Zentrum Bangalore und die Industriestadt Pune, in denen von diesem Dienstag an wieder ein „Lockdown“ gilt. Angesichts stark steigender Coronavirus-Infektionszahlen riegeln lokale Behörden mehrere Metropolen wieder ab.

Das bedeutet wenige Wochen nach dem Ende von Indiens landesweiten Anti-Corona-Maßnahmen wieder massive Einschränkungen für die Bewohner der betroffenen Regionen: Geschäfte, viele Büros und Restaurants müssen erneut schließen. Millionen Menschen sind dazu aufgerufen, ihre Häuser und Wohnungen nur in Notfällen zu verlassen.

Indiens Rückkehr zu einer strengen Kontrolle des öffentlichen Lebens ist eine Verzweiflungstat: Zwar war es schon zuvor mit strengen, monatelangen Ausgangssperren nicht gelungen, die rasante Ausbreitung der Pandemie aufzuhalten. Doch mit Blick auf überfüllte Krankenhäuser und neue Höchststände bei der Zahl der positiv getesteten Patienten sehen die verantwortlichen Politiker offenbar keinen anderen Ausweg, als die Wirtschaft abermals zu großen Teilen lahmzulegen. Die Krise von Asiens drittgrößter Volkswirtschaft droht sich damit weiter zu verschärfen.

Wie düster die Aussichten sind, zeigte am Montag das Marktforschungsunternehmen IHS Markit in seinem Report „India Business Outlook“: Das darin gemessene Geschäftsklima sank auf den tiefsten Stand seit Beginn der Zahlenreihe vor elf Jahren.

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    Erstmals gehen die Befragten von einer negativen Entwicklung der Geschäftsaktivitäten aus. So pessimistisch zeigen sich die Unternehmer weltweit in keinem der insgesamt zwölf Staaten, in denen es vergleichbare Zahlen gibt.

    „Die indische Volkswirtschaft steht angesichts der heftigen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie vor einer extrem herausfordernden Zeit“, kommentierte IHS-Markit-Volkswirt Andrew Harker. Die Unsicherheit bleibe nach wie vor erheblich. „Es gibt momentan nur wenig Licht am Ende des Tunnels.“

    29.000 neue Infektionen an einem Tag

    Mit rund 29.000 neuen Coronavirus-Infektionen meldete Indien zuletzt so viele neue bestätigte Fälle wie noch nie an einem einzelnen Tag. Die Gesamtzahl der bekannten Covid-19-Erkrankungen liegt inzwischen bei fast 900.000 – nur in Brasilien und den USA gab es bisher mehr positiv getestete Menschen.

    Beobachter glauben in Indien an eine hohe Dunkelziffer: Labors sind mit der Auswertung der Tests massiv im Rückstand. Das Gesundheitssystem gilt als kaum in der Lage, jeden der fast 1,4 Milliarden Inder im Fall von Symptomen in den offiziellen Statistiken zu erfassen.

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    Die Regierung von Premierminister Narendra Modi legt ihre Hoffnungen nun in die schnelle Entwicklung eines Impfstoffs – eine Wette mit unsicherem Ausgang. Sollte ein solcher Impfstoff noch länger als ein Jahr auf sich warten lassen, dürfte Indiens Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 7,5 Prozent schrumpfen, prognostizieren Analysten der Bank of America.

    Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent. Indiens erste Rezession seit vier Jahrzehnten dürfte das Land mit voller Wucht treffen. Dabei hatten einige Indikatoren zuletzt zarte Hoffnung auf Besserung gemacht.

    Das Minus bei der Industrieproduktion hatte sich von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im April auf 35 Prozent im Mai verkleinert. Die Rückgänge bei der Autoproduktion sanken von 86 Prozent im Mai auf 55 Prozent im Juni. Der Stromverbrauch näherte sich wieder dem Niveau vor Beginn der Krise an.

    „Die Erholung der Industrie wird aber wahrscheinlich langsam und langwierig ausfallen“, meint Darren Aw, Volkswirt beim Analysehaus Capital Economics. Wieder verschärfte Anti-Virus-Maßnahmen könnten zu neuen Rückschlägen führen. „In jedem Fall werden sich Unternehmen sehr vorsichtig verhalten.“

    Regionaler Wirrwarr

    Dass eine Vielzahl von regionalen Lockdown-Regeln die landesweit einheitlichen Vorschriften abgelöst hat, verschärft die Probleme: Kurzfristige Änderungen erschweren für Unternehmen die Planungen, die genauen Vorschriften sind oft undurchsichtig, Lieferketten geraten durcheinander. Der Elektronikhersteller Apple musste Medienberichten zufolge ein nationales Verteilzentrum in der Nähe von Mumbai wegen lokaler Anti-Corona-Maßnahmen vorübergehend schließen und hatte deshalb landesweit Lieferprobleme.

    Vimal Kedia, Chef des Verpackungsherstellers Manjushree Technopack, das Coca-Cola, Procter & Gamble und Nestlé in Indien beliefert, klagte: „Störungen in einzelnen Bundesstaaten führen zu einer Kettenreaktion in anderen Märkten.“ Das Hin und Her der Vorschriften bringe komplette Geschäftsabläufe durcheinander.

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    Auch kurz vor Beginn der neuen Corona-Beschränkungen im Westen und Süden Indiens gab es Unklarheit darüber, was die Beschlüsse genau für die dortigen Fabriken und Dienstleister bedeuten. Zwar wurden Ausnahmen für bestimmte Wirtschaftszweige angekündigt. Ob aber tatsächlich weiter produziert werden kann, blieb vielfach offen.

    „Unternehmen kämpfen darum, dass ihre Mitarbeiter ins Werk kommen können“, sagt Karl Freedman, Experte für Projektimplementierung bei dem auf Indien spezialisierten Beratungsunternehmen Wamser+Batra. Welche Unterlagen die Angestellten im Fall von Polizeikontrollen vorlegen müssen, sei aber nicht mitgeteilt worden. „Diese regionalen, kurzfristig angekündigten Lockdowns sorgen in den ersten Tagen für jede Menge Verwirrung und Improvisationsbedarf“, sagt Freedman.

    Etliche internationale Konzerne sind von den Unsicherheiten betroffen. In Pune betreibt etwa Volkswagen eine Produktionsstätte. Dieses darf jedoch wie andere Fabriken geöffnet bleiben. Bei den IT-Unternehmen in Pune dürfen 15 Prozent der Beschäftigten weiter ins Büro gehen. In Bangalore haben Microsoft, Amazon und auch Google große Büros. Google zeigte sich am Montag bei seiner jährlichen „Google for India“-Veranstaltung dennoch optimistisch für sein Indiengeschäft.

    Der Coronavirus-Ausbruch habe gezeigt, wie wichtig Technologie in dem Land ist, um das Geschäftsleben und den Kontakt zu Freunden und zur Familie aufrechtzuerhalten, sagte Google-Chef Sundar Pichai. Er kündigte an, zehn Milliarden Dollar in Indien investieren zu wollen. Doch auf einen schnellen Geldsegen aus den USA kann sich die indische IT-Szene wohl nicht freuen. Pichai sagte, der Betrag solle innerhalb der kommenden fünf bis sieben Jahre fließen.

    Mehr: Ex-Bayer-Mitarbeiter will in Indien den ersten Corona-Impfstoff auf den Markt bringen

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