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Coronavirus Japan verlängert den Ausnahmezustand bis Ende Mai

Während über Schwedens lockeren Sonderweg in der Coronakrise diskutiert wird, zeigt sich Japan besonders restriktiv. Die Regierung setzt weiter auf Sicherheit.
03.05.2020 - 16:46 Uhr Kommentieren
Japans Regierungschef kommt den Empfehlungen seines Expertenrats nach. Quelle: AFP
Shinzo Abe

Japans Regierungschef kommt den Empfehlungen seines Expertenrats nach.

(Foto: AFP)

Tokio Trotz sinkender Neuinfektionen will Japans Regierungschef Shinzo Abe am Montag den Ausnahmezustand für das Land bis zum 31. Mai verlängern. Dies kündigte die Regierung am Sonntag an. Ursprünglich hatte die Regierung geplant, die Einschränkungen im Alltags- und Berufsleben ab dem 6. Mai aufzuheben.

Damit kommt der Regierungschef den Empfehlungen seines Expertenrats nach, der am Freitag seinen Zwischenbericht nach fast vier Wochen Notstand vorgelegt hat. In ihrem ersten ausführlichen Bericht stellten die Experten zwar fest, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Die Reproduktionsrate lag laut den Experten sogar schon drei Tage nach der Ausrufung des Notstands am 7. April bei 0,7 – einem Wert, mit dem Deutschland nun die Beschränkungen lockert.

Aber die Experten warnten nicht nur, dass die Infektionen langsamer sinken als erhofft. Sie wollen vor allem eine Überlastung der Krankenhäuser vermeiden. „Insbesondere in den Präfekturen mit speziellen Warnhinweisen ist die Lage im medizinischen Bereich nach wie vor angespannt“, so der Bericht.

Bei bisher nur 531 offiziellen Covid-19-Toten scheint das Urteil vielleicht überraschend. Nur hat Japan mit lediglich fünf Intensivstationsbetten pro 100.000 Einwohner weniger Puffer für eine starke Ausbreitung als Deutschland. Außerdem sinkt in der drittgrößten Volkswirtschaft anders als in Deutschland die Zahl der aktuell Erkrankten noch nicht deutlich. Der Expertenrat riet daher dazu, die Ausgangsbeschränkungen in mindestens 13 der 47 Präfekturen fortzusetzen.

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    Die Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen wird Japans Wirtschaft hart treffen. Denn so groß die Freude in 34 weniger betroffenen Präfekturen sein dürfte, dass künftig wieder größere Geschäfte öffnen und kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden können, so gering ist die Linderung des wirtschaftlichen Schadens.

    Denn diese Präfekturen sind meist strukturschwach, während die anderen Präfekturen – unter anderem die Megacitys Tokio und Osaka – die Wirtschaftszentren des Landes bilden.

    Dort will die Regierung die Bürger weiterhin auffordern, nicht ohne triftige Gründe ihre Wohnungen zu verlassen und die Zahl der Sozialkontakte um 80 Prozent zu reduzieren. Außerdem weisen die Lokalregierungen die Unternehmen an, Telearbeit einzuführen und Einkaufszentren und Kaufhäuser zu schließen.

    Restaurants, Frisöre, viele kleinere Läden und technische Kaufhäuser sind allerdings wie Supermärkte von den Maßnahmen ausgenommen. Denn die Regierung will den wirtschaftlichen Schaden begrenzen. Aber die Wirtschaftszeitung Nikkei warnt, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Quartal 22 Prozent niedriger als im ersten Jahresviertel ausfallen könnte.

    Virenzentrum Tokio

    Doch die Regierung nimmt dies offenbar in Kauf. Denn mehrere Faktoren bereiten den Experten weiterhin Sorgen: Die offiziellen Zahlen sind zwar deutlich niedriger als in anderen Ländern. So ist die Zahl der positiv getesteten Fälle am Sonntag laut dem TV-Sender NHK um 191 auf 15.068 Personen gestiegen. Dies ist bereits deutlich weniger als vor rund einem Monat, als mehr als 700 Infizierte pro Tag gemeldet wurden.

    Aber die Hälfte der Fälle konzentriert sich auf den dicht besiedelten Großraum Tokio, in dem etwa 38 Millionen der 126 Millionen Einwohner Japans leben. Und obwohl die Einkaufs- und Bürozentren weitgehend ausgestorben wirken, sinkt die Zahl der Infizierten auch hier langsamer als es die Modelle der Experten vorgesehen hatten. Denn es gelang in der Hauptstadt lange nicht, die Zahl der Sozialkontakte um 70 bis 80 Prozent zu senken.

    In den vergangenen drei Tagen schoss die Zahl der positiven Tests sogar wieder in die Höhe. Doch dies könnte auch daran liegen, dass die bisher relativ niedrige Zahl der Tests langsam erhöht wird. Bis zum 1. Mai wurden laut dem Gesundheitsministerium erst 174.150 Personen getestet, ein Bruchteil der deutschen Werte. Denn Japans Virenjäger konzentrierten die Tests anfangs auf Virenherde, Kontaktpersonen und schwerer Erkrankte.

    Allerdings rutschte den Experten damit die rasantere Verbreitung in den Zentren durch. Anders als in Südkorea, wo früh mit einer Testoffensive auch leichte Fälle identifiziert und isoliert wurden, können die Japaner nicht abschätzen, wie weit sich das Virus wirklich verbreitet hat. Untersuchungen unter Krankenhauspatienten legen allerdings deutlich höhere Werte nahe.

    Das Krankenhaus der Universität Keio in Tokio testete bei einer relativ kleinen Untersuchungsserie im April sechs Prozent der eingelieferten Fälle positiv auf Sars-Cov-2. In der ebenfalls stärker betroffenen Stadt Kobe fanden Tester bei Bluttests von 1000 ambulanten Patienten des städtischen medizinischen Zentrums in der Woche bis zum 7. April 33 Personen mit Antikörpern gegen das Virus.

    Die Experten schätzen daher, dass bereits vor knapp einem Monat 2,7 Prozent der dortigen Bevölkerung mit dem Virus infiziert war. Es sei daher möglich, dass in Kobe hundertmal mehr Menschen infiziert waren, als damals durch die Virentests bekannt wurde, schreibt die Nachrichtenagentur Kyodo.

    Noch sind diese Ergebnisse allerdings nicht sehr aussagekräftig. Denn die Untersuchungen waren klein. Zudem wurden die Teilnehmer nicht repräsentativ ausgewählt. Aber Japans Expertenrat ist sich bewusst, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

    Dennoch glauben die Epidemiologen, dass die offiziellen Zahlen zumindest den Trend widerspiegeln. „Denn während die Anzahl der Tests allmählich zunimmt, ist die Zahl der positiven Tests landesweit rückläufig“, so der Bericht. Nur ist dem Expertenrat die Zahl nicht niedrig genug.

    Zum Vergleich: Der Nachbar Südkorea hat am Sonntag beschlossen, die vergleichsweise sanfte soziale Distanzierung weiter zu lockern. Und dort haben die Behörden die Zahl der positiven Tests seit mehreren Wochen unter 20 pro Tag gehalten. Davon ist Japan noch weit entfernt. 

    Mehr: Japans Corona-Strategie geht nicht auf – Tokios Bevölkerung geht in Isolation. Lesen Sie hier mehr.

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