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Coronavirus Steigende Infektionszahlen: Israel bereitet sich auf eine zweite Welle vor

Israels Anti-Corona-Strategie hat noch bis vor wenigen Tagen als vorbildlich gegolten. Doch nun steigen die Fallzahlen wieder – vor allem in den Schulen.
22.06.2020 - 18:49 Uhr Kommentieren
Eine medizinische Mitarbeiterin nimmt an einem Teststand in der zentralisraelischen Stadt Cholon von einer Frau einen Abstrich. Quelle: dpa
Coronavirus in Israel

Eine medizinische Mitarbeiterin nimmt an einem Teststand in der zentralisraelischen Stadt Cholon von einer Frau einen Abstrich.

(Foto: dpa)

Tel Aviv In Israels Krankenhäusern werden die Corona-Abteilungen wieder geöffnet. Sie waren erst vor einigen Wochen geschlossen worden, nachdem der Kampf gegen die Epidemie erfolgreich verlaufen war. Aber aufgrund der erneut steigenden Fallzahlen hat das Kabinett eine Reihe von Maßnahmen beschlossen.

Dazu gehören eine Verdoppelung der Bußgelder auf umgerechnet 130 Euro für diejenigen, die sich über das Gesichtsmasken-Gebot hinwegsetzen. Die Zahl der Teilnehmer bei öffentlichen Veranstaltungen soll reduziert werden. In der Diskussion ist auch der Einsatz von Überwachungs-Apps, um Ansteckungsketten zu unterbinden. Stadtteile oder Gemeinden, in denen sich die Epidemie gefährlich stark ausgebreitet hat, sollen abgeriegelt werden.

Bis vor wenigen Tagen hatte Israels Anti-Corona-Strategie als vorbildlich gegolten. In einem Vergleich des Magazins „Economist“ unter 21 OECD-Ländern erhielt Israel 3,4 von maximal vier möglichen Punkten. Die Regierung setzte früh und ohne Rücksicht auf ökonomische Verluste harte Medizin ein: Die Grenze wurde bereits anfangs März geschlossen, die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, Gesichtsmasken für obligatorisch erklärt und Corona-Hotspots systematisch abgeriegelt.

Dass der Lockdown eine tiefe Rezession und eine hohe Arbeitslosigkeit verursachte, müsse man angesichts der Gesundheitsrisiken hinnehmen, hieß es in Jerusalem. Der Erfolg gab der Regierung recht: Bei einer Bevölkerung von neun Millionen wurden in Israel bisher 305 Todesfälle registriert, deutlich weniger als in Ländern vergleichbarer Größe.

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    Jetzt aber droht eine zweite Welle, denn die Fallzahlen steigen. Wurden Mitte Mai noch 16 Neuinfektionen pro Tag gezählt, sind es mittlerweile über 300. Ein neuer Lockdown stehe derzeit zwar nicht zur Diskussion, heißt es im Gesundheitsministerium. Bei einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent wäre das kaum zu rechtfertigen. Aber falls die Zahl der Neuinfektionen weiter ansteigt, droht Premier Benjamin Netanjahu mit neuen einschneidenden Maßnahmen.

    Lockerungen zu schnell und widersprüchlich

    Ein am Wochenende publizierter Bericht des militärischen Geheimdienstes, der im Auftrag des Gesundheitsministeriums die Informationen von der Corona-Front zusammenträgt und analysiert, war ein dramatischer Weckruf. Bis Ende Juli, so die Experten, könnte die Zahl der Infizierten auf über 1000 pro Tag steigen, und es wäre mit „vielen hundert Toten“ zu rechnen.

    Experten monieren, dass die Lockerung der Corona-Maßnahmen wohl etwas zu schnell und widersprüchlich erfolgt sei. Die Öffnung der Wirtschaft wirkte chaotisch und folgte einem widersprüchlichem Muster. Die Exit-Strategie sei „klassischem israelischen Denken gefolgt“, meint Nadav Eyal, der die Krise für eine TV-Station analysiert und kommentiert: „Ein bisschen Information, viel öffentlicher Druck, eine Prise Populismus, Tempo und am Ende Improvisation.“

    Die Krise hat jetzt ein anderes Gesicht. Während in den Monaten März und April Altersheime und Wohngegenden der Ultra-Orthodoxen als Infektionsherde identifiziert wurden, sind es dieses Mal die Schulen, die sich als Virenschleudern entpuppen. Viele Corona-Positive wurden in den Schulen entdeckt, ohne dass sie die typischen Krankheitssymptome aufwiesen.

    Weil symptomfreie Schüler Erwachsene anstecken können, ist seit Anfang Juni jede Schule geschlossen worden, in der in einer Schulklasse auch nur ein einziger Fall registriert wurde. 614 Lehrer wurden bisher infiziert, und knapp 200 Schulen wurden geschlossen. Über 22.000 Schüler mussten sich in Quarantäne begeben.

    Viele Eltern lassen ihre Kinder zu Hause. Sie verlassen sich auf ihre eigene Einschätzung der Ansteckungsgefahr, weil sie den Experten im Ministerium nicht trauen. In den Klassenzimmern, in denen bis zu 40 Schüler unterrichtet werden, sind Abstandsregeln nicht einzuhalten.

    Wegen den langen Sommerferien, die für einen Teil der Schüler bereits begonnen haben, ist die Gefahr „Schule“ bis zum 1. September fürs Erste gebannt. Um sie auch künftig als Infektionsherd auszuschalten, setzt das Erziehungsministerium für das nächste Schuljahr vermehrt auf die Option Fernunterricht.

    Mehr: China will bei israelischen Infrastrukturprojekten mitmischen.

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