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Coronavirus-Untersuchung Einfuhrverbot gegen große Schlachthöfe: Streit zwischen Australien und China eskaliert

China verbietet Fleischimporte aus Australien. Beobachter werten das als Reaktion auf Australiens Forderung nach einer Untersuchung des Coronavirus-Ursprungs.
13.05.2020 - 14:28 Uhr Kommentieren
Mehrere Schlachthöfe dürfen kein Fleisch mehr nach China liefern. Quelle: Reuters
Rinderfarm in Australien

Mehrere Schlachthöfe dürfen kein Fleisch mehr nach China liefern.

(Foto: Reuters)

Bangkok Der Appetit der Chinesen auf australisches Rindfleisch ist groß: 300.000 Tonnen schickten Australiens Landwirte 2019 in die Volksrepublik, fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Doch jetzt drohen die guten Geschäfte einer diplomatischen Eskalation zwischen den beiden Ländern zum Opfer zu fallen.

Chinas Regierung ist wütend über Australiens Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung des Coronavirus-Ursprungs – und warnte bereits offen vor Konsequenzen für die Handelsbeziehungen.

Am Dienstag erteilte die Regierung in Peking nun ein Verbot, Fleisch von vier großen australischen Schlachthöfen einzuführen. Betroffen sind Schätzungen von Branchenexperten zufolge 20 bis 35 Prozent von Australiens Rindfleisch-Lieferungen nach China. Beobachter halten das Vorgehen für klar politisch motiviert.

Die seit Jahren schwelenden Spannungen zwischen Australien und China hatten im Zuge der Coronavirus-Krise massiv zugenommen. Der australische Premierminister Scott Morrison hatte mehr Transparenz über die Ursprünge der Pandemie in der chinesischen Millionenmetropole Wuhan gefordert und eine Untersuchung verlangt. China kritisierte das als politische Kampagne, die Australien gemeinsam mit den Vereinigten Staaten vorantreibe.

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    Chinas Botschafter in Australien, Cheng Jingye, drohte daraufhin in einem Zeitungsinterview mit einem Boykott. Chinesische Bürger würden sich angesichts der feindseligen Haltung fragen, weshalb sie noch australischen Wein trinken oder australisches Rind essen sollten, warnte er.

    Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums dementierte am Dienstag jedoch, dass der Stopp der Rindfleisch-Importe etwas mit der politischen Auseinandersetzung zu tun habe. Es gehe vielmehr um Verstöße der Einfuhrbestimmungen und um den Schutz chinesischer Konsumenten.

    Australien beklagt „wirtschaftliche Nötigung“

    In Canberra wollte man das allerdings nicht so recht glauben. „Wir sind besorgt“, sagte Australiens Handelsminister Simon Birmingham. Bei den von China beanstandeten Punkten gehe es um hochtechnische Fragen bei der Etikettierung und den Gesundheitszertifikaten. Die Fälle, um die es gehe, würden zum Teil bereits mehr als ein Jahr zurückliegen.

    Richard McGregor, China-Experte der Denkfabrik Lowy Institute in Sydney, interpretierte das Vorgehen als politisch motivierten Versuch der Regierung in Peking, Australien zu bestrafen. Er forderte Morrisons Regierung auf, dies nicht hinzunehmen und öffentlich für die Exporteure einzutreten.

    Australiens Außenministerin Marise Payne hatte bereits zuvor „wirtschaftliche Nötigung“ seitens China beklagt. China ist Australiens wichtigster Handelspartner. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern belief sich zuletzt auf umgerechnet rund 140 Milliarden Euro im Jahr.

    China droht Australien derzeit auch im Getreidehandel mit neuen Einfuhrbeschränkungen. Für australische Gerste könnten demnächst Strafzölle von mehr als 70 Prozent fällig werden. Das chinesische Handelsministerium begründete dies mit einer Anti-Dumping-Untersuchung gegen australische Lieferanten. Australiens Handelsministerium soll nach dem Willen der chinesischen Behörden bis kommende Woche eine abschließende Stellungnahme zu den Vorwürfen vorlegen.

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    In dem angespannten Klima nehmen auch die verbalen Attacken zu. Australien mache China stets Probleme, behauptete der Chefredakteur der Staatszeitung „Global Times“, Hu Xijin. Das Land sei wie Kaugummi, der an Chinas Schuhsohle klebe, schrieb er in einem Kommentar. „Hin und wieder müsse man einen Stein finden, um ihn abzukratzen.“

    Die Eskalation sorgt in der australischen Wirtschaft für wachsende Verunsicherung. Weinproduzenten warnten vor verheerenden Folgen, sollte ihnen der chinesische Markt verloren gehen. Der Medienunternehmer und Milliardär Kerry Stokes verurteilte öffentlich das Vorpreschen der Morrison-Regierung im Streit um Chinas Rolle bei Viruspandemie. „Wir nehmen gerade die größten Schulden aller Zeiten auf und stechen gleichzeitig unserer größten Einnahmequelle ins Auge“, klagte er. Das sei nicht gerade das smarteste Vorgehen, fügte er hinzu.

    Mehr: Dem Virus auf der Spur: BND sieht „Informationskrieg“ um Corona

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