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Covid-19-Impfungen Russlands Sputnik-Impfstoff steht bereit – doch viele Russen warten lieber

Während Europa noch in den Vorbereitungen steckt, werden die Menschen in Russland bereits gegen Covid-19 geimpft. Doch die Nachfrage hält sich in Grenzen, zeigt ein Besuch im Impfzentrum.
15.12.2020 - 03:56 Uhr Kommentieren
Obwohl das Land stark unter den Folgen der Coronakrise leidet, sehen viele Russen die Impfung skeptisch. Quelle: AFP
Russischer Sputnik-Impfstoff

Obwohl das Land stark unter den Folgen der Coronakrise leidet, sehen viele Russen die Impfung skeptisch.

(Foto: AFP)

Moskau Das „Nein“ der Schwester bleibt freundlich, aber bestimmt: „Einfach so können Sie sich natürlich nicht impfen lassen!“, sagt sie. Ohne Anmeldung ist auf der Impfstation in der Moskauer Poliklinik nichts zu machen, dabei bleibt der Andrang an diesem Tag überschaubar: Hinter einem Vorhang zeichnen sich die Beine eines einzigen Patienten ab, ansonsten herrscht Leere auf dem Flur.

Während Europa noch in den Vorbereitungen steckt, werden die Menschen in der Pilotregion Moskau längst gegen Covid-19 geimpft. Seit dem 5. Dezember erhalten Menschen in ausgewählten Krankenhäusern den russischen Impfstoff namens „Sputnik V“. Zunächst sollten nur Ärzte und Lehrer geimpft werden, seit Anfang der Woche werden auch Mitarbeiter anderer sozialer und kultureller Einrichtungen zugelassen.

Sputnik V wurde nach dem ersten russischen Satelliten benannt. So wie damals, als die Sowjetunion die Welt mit dem „Sputnik-Schock“ beeindruckte, sieht sich Russland auch diesmal als globaler Vorreiter. Doch viele Russen reagieren auf das Angebot zurückhaltend. Die Bevölkerung ist skeptisch, und ob die Impfung tatsächlich erfolgreich ist, lässt sich für Außenstehende schwer nachvollziehen.

Wer sich impfen lassen will, muss deshalb nicht lange warten: Wjatscheslaw hat seine erste Dosis bereits vor einer Woche erhalten, dabei ist er weder Arzt noch Lehrer. Der Chef einer kleinen Moskauer IT-Firma hat sich über das Onlineportal der Stadtregierung eingetragen. „Da konnte ich mir den Termin praktisch aussuchen, nach meinem Beruf hat mich auch niemand gefragt“, sagt der 34-Jährige, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

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    Auch er berichtet von einer leeren Impfstation. Die komplette Prozedur mit Puls- und Fiebermessen sowie dem Ausfüllen eines Fragebogens zu Allergien und Vorerkrankungen habe eine Stunde gedauert, so Wjatscheslaw. Während dieser Zeit sei er der einzige Besucher des Impfzentrums gewesen.

    Das Coronavirus hat Russland fest im Griff

    Im Oktober wollten sich gerade mal 23 Prozent der Russen impfen lassen. Inzwischen sind es einer Umfrage des kremlnahen Fonds für Öffentliche Meinung (FOM) immerhin schon 42 Prozent. Dabei zählt Russland zu den Ländern, die von der Corona-Pandemie weltweit am stärksten getroffen wurden. Laut Daten des russischen Covid-Operationsstabs sind insgesamt 2,7 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt, und mehr als 47.000 Russen sind daran gestorben.

    Die Daten der Statistikbehörde liegen sogar noch höher. Demnach starben bis Ende Oktober 164.000 Menschen mehr als in den Vorjahren. Von dieser sogenannten Übersterblichkeit seien gut 90 Prozent auf Folgen der Pandemie zurückzuführen, heißt es. Noch immer stecken sich in Russland viele Menschen mit dem Virus an.

    Das weiß auch Wjatscheslaw: In seinem Umkreis seien schon viele Freunde, Kollegen und Verwandte an Covid-19 erkrankt, berichtet er. „Im letzten Monat gab es mehrfach Momente, wo ich jemanden getroffen habe, der kurz darauf entweder selbst krank geworden ist oder zumindest Kontakt mit Infizierten hatte“, sagt er. Mit seiner Impfung möchte er ältere Verwandte schützen. Denn es sei nur eine Frage der Zeit, wann er sich selbst anstecke.

    Darum habe er sich für das russische Vakzin entschieden, meint Wjatscheslaw. „Es ist leichter, eineinhalb Monate durchzuhalten, bis ich Antikörper habe, als sechs Monate zu warten, bis ein anderes, ausländisches Vakzin hier verfügbar ist“, sagt er. Er habe sich belesen und sehe bei Sputnik V keine großen Risiken.

    Die offiziellen Zahlen zu Sputnik V wecken Skepsis

    Chancen und Risken des Impfstoffs lassen sich für Außenstehende nur schwer bestimmen. Zwar gibt es offizielle Daten zur Wirksamkeit, doch diese wecken Skepsis: Am 9. November verkündete das Gesundheitsministerium einen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Nur zwei Tage später, nachdem Pfizer ebensolche Zahlen präsentiert hatte, zog der an der Entwicklung des Impfstoffs beteiligte staatliche Fonds für Direktinvestitionen nach. Er gab die Wirksamkeit von Sputnik mit 92 Prozent an. Und als der amerikanische Hersteller Moderna seinen Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent anpries, konterten die Sputnik-Hersteller mit einer Wirksamkeit von über 95 Prozent.

    Bei Wjatscheslaw hat der Impfstoff zumindest wie gewünscht angeschlagen: Sein Immunsystem reagierte schnell und heftig. Schon am Abend bekam er Fieber, das Thermometer schnellte auf 39 Grad in die Höhe. „Ich habe mich schwach gefühlt und gefroren“, beschreibt er die unmittelbaren Folgen. Doch am nächsten Tag sei die Temperatur bereits auf 37 Grad abgesunken, am dritten Tag habe er sich wieder normal gefühlt.

    Kurz vor Neujahr steht für den Mittdreißiger nun die zweite Impfung an. Einen Nachteil hat die Sache: An Silvester kann er nicht mit Sekt anstoßen – Russlands oberste Amtsärztin Anna Popowa hat Geimpften zwei Monate Alkoholverbot verordnet. Wjatscheslaw ist trotzdem zufrieden: Auf diese Weise werde er psychologisch gestärkt in das Jahr 2021 starten, hofft er.

    Mehr: Impfen bei Walmart? So wollen die USA ihre Bevölkerung gegen Covid-19 schützen

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