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Covid-19 Keine Dienstreisen, keine Konferenzen – Italiens Firmen reagieren auf Corona

Das Coronavirus ist in Italiens Firmen angekommen: Manager und Mitarbeiter sind betroffen. Die Unternehmen ergreifen Quarantäne-Maßnahmen.
25.02.2020 Update: 25.02.2020 - 18:42 Uhr Kommentieren
Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Quelle: action press
Straßenszene in Codogno

Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen.

(Foto: action press)

Rom Trotz aller Quarantäne-Maßnahmen breitet sich das Coronavirus in Italien weiter aus. Am Dienstag wurden drei neue Infektionsfälle gemeldet, zum ersten Mal außerhalb des bisher betroffenen Nordens. In Florenz wurden ein Unternehmer positiv getestet, der von einer Geschäftsreise aus Singapur zurückgekehrt war, und ein Informatiker, der auf Dienstreise in der unter Quarantäne stehenden norditalienischen Stadt Codogno war.

In Palermo ist es eine Touristin, die aus Bergamo in der Lombardei stammt. Nach Angaben des Zivilschutzes vom Mittag gibt es mittlerweile 281 Infizierte, darunter sieben Tote. In Norditalien wurde ein Beschäftigter bei der VW-Designtochter Italdesign positiv auf das Corona-Virus getestet. Er hatte Kontakt zu Personen in den mittlerweile unter Quarantäne stehenden und abgeriegelten Gemeinden in der Lombardei gehabt.

Italdesign schloss daraufhin sowohl das Werk in Nichelino im Piemont, wo der Getestete arbeitete, als auch den Hauptsitz in Moncalieri bei Turin. Insgesamt sind 1000 Beschäftigte betroffen. Die Maßnahme sei reine Vorsicht, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, man arbeite eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen.

Dienstreisen werden abgesagt

Alle Unternehmen im italienischen Norden, der mit einem Drittel zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beiträgt, haben auf die Ausbreitung des Virus reagiert und Verhaltensmaßregeln für ihre Beschäftigten beschlossen. Dazu gehört die Absage von Dienstreisen und Konferenzen, um das Risiko von Ansteckungen zu vermeiden.

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    Bei den Banken und Versicherungen in Mailand und Umgebung wurde den Mitarbeitern unbürokratisch Home Office angeboten. „Smart Work“ ist dort ohnehin bereits seit einiger Zeit eingeführt. Den Beschäftigten steht es frei, von zu Hause zu arbeiten. Das Unicredit-Hauptquartier in der Piazza Gae Aulenti in Mailand ist ebenso wie der Sitz von Intesa Sanpaolo oder die Generali-Zentrale geöffnet. Am Eingang von Unicredit wird die Temperatur gemessen.

    Komplett geschlossen sind nur Schalter und Büros in den elf Gemeinden der „roten Zone“ in der Lombardei und in Venetien, die abgeriegelt sind und vom Militär an den Ausgängen bewacht werden. Für die dort ansässigen Unternehmen hat das Wirtschaftsministerium in Rom schon zu Wochenbeginn eine Soforthilfe beschlossen: Einwohner und Unternehmen sind vorerst von Steuern und Abgaben befreit.   

    Banken stunden Betroffenen Kreditzahlungen

    Die großen Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo haben beide Hilfsprogramme aufgelegt. Dazu gehört bei Intesa Sanpaolo das Aussetzen von Kreditzahlungen für drei bis sechs Monate für betroffenen Privatpersonen und Unternehmen, die mit China handeln. Unicredit bietet ebenfalls die Aussetzung von Ratenzahlungen für Kredite für bis zu sechs Monate an und hat dem Zivilschutz 500.000 Euro gespendet für Hilfsmittel und Medikamente.

    In Produktion und Fertigung ist Heimarbeit nicht möglich. „Wir arbeiten normal, haben nur besondere Vorkehrungen am Eingang“, sagt ein Sprecher von Brembo, dem Bremsenhersteller und Zulieferer in Curno bei Bergamo. Keiner der Mitarbeiter sei aus der „roten Zone“.

    „Wir haben geöffnet, so wie alle anderen Unternehmen hier auch“, sagt Diego Rossetti, CEO des Luxus-Schuhherstellers Fratelli Rossetti in Parabiago, 20 Kilometer von Mailand entfernt. Natürlich würden alle Vorsichtsmaßnahmen beachtet, so der Chef des Unternehmens in einem Interview. Er ist Funktionär des Industrieverbands Confindustria für seine Region und hält ständig Kontakt zu den anderen Unternehmen.  

    Leere Bahnen in Mailand

    In Mailand herrschte am Dienstag gedrückte Stimmung. Egal, mit wem man spricht, alle sind betroffen, wie sehr sich die Stadt geändert hat in den vergangenen zwei Tagen. „Wir arbeiten ganz normal, aber die Metro, sonst zu Stoßzeiten überfüllt, ist nur halbvoll und in der Tram sitzen zwei, drei Leute“, sagt die Chefin einer Boutique in der Via Montenapoleone, die ihren Namen nicht in den Medien lesen will. „Es ist so leer wir sonst im August“, sagt ein Banker.

    „Normalerweise muss man in den Bars hier im Zentrum in der Mittagszeit lange warten, bis man seine Bestellung aufgeben kann“, sagt der Chef einer Beratungsagentur. Jetzt ginge es schnell. Nicht alle Menschen auf der Straße tragen eine Maske. Panikkäufe in den Supermärkten kann er nicht feststellen. „Alle Lebensmittelgeschäfte sind und bleiben geöffnet, es ist genug da, wir sind ja schließlich nicht in einem Atomkrieg“, sagte Matteo Mauri, Vize-Innenminister, dem Sender Radio 24, um die teilweise irrationalen Reaktionen auf die Ausbreitung des Virus abzufangen.

    Mailand hat noch ein anderes Problem: die Zugverbindungen stocken, da die Züge nach Süden von der Hochgeschwindigkeitstrasse umgeleitet werden auf Nebenstrecken und stundenlang Verspätungen haben.

    Coronavirus: Rund 50.000 Menschen in Norditalien unter Quarantäne

    Krisengipfel in Rom

    In Rom jagte am Dienstag ein Krisengipfel den anderen: im Gesundheitsministerium traf eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation ein. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nahm an einem Treffen der EU-Ressortchefs teil. Im Industrieministerium geht es um Ausgleichsmaßnahmen für betroffene Unternehmen. „Ein Virus macht nicht an der Grenze halt, deshalb ist die Zusammenarbeit wichtig“, sagte Spahn am Mittwoch Abend in Rom.

    Reisebeschränkungen oder das Schließen von Grenzen seien jedoch nicht die richtigen Maßnahmen, sondern es müsse im Einzelfall entschieden werden, ob etwa größere Veranstaltungen stattfinden. Darüber seien sich die Gesundheitsminister einig gewesen.
    Spahn lobte den italienischen Ansatz, jeden Infizierten zu identifizieren, zu isolieren und die Kontakte ausfindig zu machen. „Wir nehmen die Situation ernst, weil das Virus Europa erreicht hat und nicht jede Ansteckung mehr direkt mit China in Verbindung gebracht werden kann“, so Spahn weiter.

    Zugleich tagten Experten beim Zivilschutz und im Industrieministerium, wo es um Ausgleichsmaßnahmen für betroffene Unternehmen geht.

    Denn abgesehen von den gesundheitlichen Folgen hat die Ausbreitung des Virus direkte Folgen für die Wirtschaft. „Die Auswirkungen können sehr groß sein“, sagt Premier Giuseppe Conte. Kommende Woche kommt die Zahl des Bruttoinlandsprodukts für das vierte Quartal 2019. Nach den Schätzungen rutscht Italien wieder in die Rezession, es wäre die vierte seit 2009. „Eine technische Rezession kommt mit Sicherheit“, sagt der Ökonom Lorenzo Codogno.  

    Deshalb wird in Rom verhandelt, wie konkret Hilfe für betroffene Unternehmen aussehen könnte – landesweit, nicht nur in den „roten Zonen“.

    „Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft müssen noch genau gemessen werden“, sagt der Unternehmer Alberto Bombassei dem Handelsblatt. „Ich hoffe, dass sie so gering wie möglich sein werden, da es Italien dringend nötig hat, auf einen soliden Wachstumskurs zurückzukommen.“ Die Maßnahmen der Regierung sind aus seiner Sicht derzeit angemessen und von gesundem Menschenverstand geleitet.

    Auch in Deutschland wechselt die Wirtschaft in den Sorgenmodus. Der Industrieverband BDI ruft bereits die Bundesregierung zu Hilfe. BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang verlangt ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen: „Neben dem Gesundheitsschutz muss die Politik ab sofort das wirtschaftliche Krisenmanagement in den Fokus nehmen“, forderte Lang. Weil weder Ausmaß noch Dauer der Corona-Krise absehbar seien, drohten der Konjunktur „schwere Auswirkungen“. Die Chefvolkswirte der Banken erwarten bereits, dass das Virus die Industrierezession in Deutschland um einige Monate verlängern dürfte.
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier forderte Steuerentlastungen. Es sei „entscheidend, dass wir jetzt wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums liefern“. Die Kassen des Bundes seien gefüllt. Gleichzeitig habe Deutschland mittlerweile mit die höchste Steuer- und Abgabenlast in Europa. „Wir müssen jetzt Anreize setzen, damit unsere Unternehmen den Anschluss im internationalen Wettbewerb nicht verlieren.“

    Mehr: Die Aktienmärkte sind durch die Ausbreitung des Coronavirus in Italien zurück im Krisenmodus.

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