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Praça do Comércio in Lissabon

Obwohl es in Portugal bislang wenig Corona-Infizierte gibt, hat das Land die Einwohner schon früh zur Vorsicht gemahnt


(Foto: REUTERS)

Covid-19 Portugal legt Hilfsprogramm über neun Milliarden Euro auf

Das einstige Euro-Krisenland hat zwar den Haushalt saniert. Doch mit hohen Schulden und seiner starken Abhängigkeit vom Tourismus ist es jetzt verwundbar.
18.03.2020 - 17:00 Uhr Kommentieren

Madrid Die portugiesische Regierung schnürt in der Coronakrise ein Hilfspaket von 9,2 Milliarden Euro, das sind gut vier Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Finanzminister Mario Centeno, der zugleich Chef der Eurogruppe ist, versprach jedoch: „Wir werden alles Notwendige tun, um Schwierigkeiten zu begegnen.“ Damit reiht sich auch Portugal in die Liste der Länder ein, die eine unbegrenzte Unterstützung für ihre Wirtschaft in Aussicht stellen.

Drei Milliarden des portugiesischen Pakets sind als Kreditlinien für Unternehmen gedacht, vor allem für die besonders von der Coronakrise betroffene Tourismusbranche.  Zudem sollen Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung aufgeschoben oder gesenkt werden, insgesamt in einem Umfang von gut fünf Milliarden Euro. Die Regierung in Lissabon spricht zudem mit den Banken über ein vorübergehendes Moratorium für die Rückzahlung von Krediten, das bis Ende des Monats in Kraft treten soll.

In dem Land gibt es bislang 448 Infizierte und zwei Tote. Einer davon war Verwaltungsratschef der Portugal-Tochter der spanischen Banco Santander, António Vieira Monteiro. Nach Angaben der portugiesischen Zeitung „Jornal Economico“ befand sich der 73-Jährige seit Anfang März nach einer Reise nach Italien in Quarantäne und lag seit der vergangenen Woche auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Lissabon.

Risikoprämie der Staatsanleihen steigt

Trotz der vergleichsweise niedrigen Zahl der Fälle blicken Anleger mit Sorge auf das ehemalige Euro-Krisenland. Bei einem Schuldenberg von immer noch 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukt fällt es Portugal ungleich schwerer als anderen EU-Staaten, mit den enormen finanziellen Belastungen durch die Corona-Krise klarkommen kann.

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    Der Renditeabstand für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren ist bereits deutlich gestiegen und lag am heutigen Mittwoch 1,85 Prozentpunkten.

    Dabei hatte sich die Wirtschaft in den vergangenen Jahren erholt und war zuletzt stärker gewachsen als der EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosigkeit ist auf sechs Prozent gesunken und Premier António Costa hat den Haushalt ausgeglichen.

    „Das Haushaltsdefizit ist verschwunden – wir haben für dieses Jahr bislang einen Überschuss erwartet“, sagt Joao Cesar das Neves von der Katholischen Universität in Lissabon. „Dies gibt  uns einen gewissen Spielraum für die Bewältigung dieser Krise – auch wenn die Märkte das vermutlich nicht anerkennen.“

    Gesundheitssystem gilt als unterfinanziert

    Allerdings hat Costa das Defizit unter anderem dadurch gesenkt, dass er die Investitionen auf ein Minimum reduzierte. Darunter hatte auch das portugiesische Gesundheitssystem zu leiden, das sich nun just während des Corona-Ausbruchs in einem sehr schlechten Zustand befindet.

    Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass der Premier so schnell Vorsichtsmaßnahmen ausgerufen hat. Bereits am vergangenen Donnerstag, als es in Portugal erst rund 100 Infizierte und noch keinen Toten gab, ließ Costa alle Schulen sowie Bars und Diskotheken schließen und Sportveranstaltungen absagen. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa hat am heutigen Mittwoch den Alarmzustand ausgerufen.

    Schon bislang leidet vor allem der Tourismus. Portugal hat in den vergangenen Jahren einen wahren Besucher-Boom erlebt. Der Tourismus macht inzwischen 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Doch gerade er gehört zu den Branchen, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind und läuft Gefahr, die Einnahmen der gesamten Sommersaison zu verlieren.

    „Natürlich ist die portugiesische Wirtschaft verwundbarer als andere“, sagt Filipe García, Chef der Beratung Informaçao de Mercados Financeiros in Porto. Aber das, was jetzt in Portugal passiere, geschehe in allen Staaten. „Deshalb muss die EU nun mit Hilfen einspringen. Sie muss zeigen, dass es einen Wert hat, in dieser Gemeinschaft zu sein. Wenn nicht, ist sie dem Untergang geweiht.“

    Mehr: Ministerpräsident Sanchez will rund 20 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung investieren. Betroffene Beschäftigte könnten Hypothekenzahlungen aussetzen.

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