Darbendes Italien Monti will keine neuen Auflagen akzeptieren

Italien muss nicht unter den Rettungsschirm, meint Regierungschef Mario Monti. Zumindest jetzt nicht. Falls aber doch, will er keine neuen Reformauflagen akzeptieren. Genauso wenig wie einen Besuch der Troika in Rom.
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Italiens Ministerpräsident Mario Monti: „Italien ist nicht Griechenland“. Quelle: dapd

Italiens Ministerpräsident Mario Monti: „Italien ist nicht Griechenland“.

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RomKeine neuen Daumenschrauben, kein Besuch der Geldgeber-Troika im hoch verschuldeten und tief in der Rezession steckenden Italien. Mit Bestimmtheit stemmt sich Regierungschef Mario Monti bereits jetzt gegen mögliche neue Auflagen, sollte Italien doch eines Tages um die Finanzhilfen der EU-Partner bitten müssen. Er sei nicht bereit, „die Brust für neue Pfeile hinzuhalten“, zitieren die italienischen Zeitungen den parteilosen Wirtschaftsprofessor und früheren EU-Kommissar.

So scheint sich Monti in Stellung zu bringen, falls die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone wegen zu hoher Zinslasten bei Staatsanleihen Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) benötigte. Der Norditaliener steht unter starkem Druck - im Frühjahr stehen Parlamentswahlen an.

Nach der von Monti begrüßten Weichenstellung des EZB-Präsidenten Mario Draghi fährt die eingesetzte Reform-Regierung in Rom nun auf zwei Gleisen. „Wenn Italien sich weiterhin mit einem Bewusstsein für Disziplin und Reform bewegt, könnten diese Hilfen - der unbegrenzte Kauf italienischer Staatsanleihen - nicht notwendig werden“, das ist die eine Schiene Montis. Daneben versuchen er und Wirtschaftsminister Vittorio Grilli aber doch, mögliche europäische Hilfen in ihren Folgen für das Land herunterzuspielen. Praktisch im Chor sagen sie, es wäre kein Drama, sollten diese erforderlich sein.

„Zum jetzigen Zeitpunkt brauchen wir keine Hilfen, das haben wir doch schon gesagt“, formuliert es der Wirtschaftsminister vorsichtig. „Zusätzliche Auflagen“ im Falle des Falles lehnte Monti am Wochenende kategorisch ab und verwies auf die EU-Konditionen, die Rom doch schon erfüllt habe. Dabei hatte Draghi von strengen Bedingungen gesprochen, denen nachkommen müsse, wer von dem unbegrenzten EZB-Anleiheprogramm profitieren wolle. Dagegen möchte Monti seine Schutzmauer errichten: „Im Falle von Hilfen wird die Troika (aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds IWF) nicht nach Rom kommen.“ Er will die Geldgeber und Kontrolleure nicht am Tiber, hält Italiens Hausaufgaben für gemacht.

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10 Kommentare zu "Darbendes Italien : Monti erteilt neuen Sparauflagen eine Absage"

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  • was viele in deutschland vergessen haben gibt es hier die bad banks wo noc schrottpapiere von hunderten von milliarden lagern!deutschland versucht den zins über italien tief zu halten um glimpflisch raus zu kommen aber diese papiere müssen mal verkauft werden und dann wird es sichtbar!die staatsschulden werden steigen aber man wird dem volk sagen das es mit der hilfe an den südländern zu tun hat und jeder wird es glauben obwohl die schulden die entstehen werden aus übermütigen zocken an den weltmärkten entstanden sind!italien hat die staatsschulden von 120% aber sonst keine verpflichtungen!das italienische bankwesen ist konservativ und hat keineschrottpapiere im depot!eine imobilienblase gab es auch nicht und die guthaben sind die höchsten europas!also wird ein künstlicher zinssatz von 6%verlangt wahrscheinlich mit zustimmung der italienischen regierung damit die reformen ohne viel gegenwehr stattfinden können!

  • „…Falls aber doch, will er keine neuen Reformauflagen akzeptieren. Genauso wenig wie einen Besuch der Troika in Rom.“
    Natürlich. Da sind sich die beiden Italiener, beides ehemalige Goldman-Sachs-Männer, bestimmt rasch einig. Wozu auch die dummen Auflagen! Deutschland und die anderen wenigen Nordländer zahlen ja sicher auch so. Sie werden nämlich einfach überstimmt. Nichts leichter als das! Wetten?

  • „Einen Verlust an Souveränität darf es nicht geben“

    ... das sehe ich für Deutschland ebenso. Also bitte ohne deutsches Geld, diese italienische Soveränität!

  • Wie von den Skeptikern vorausgesehen:

    Reicht die EZB billiges Geld raus und kauft Italiens Ramschanleihen, läßt die Reformwilligkeit nach.

  • Die Grünen hätten die gleiche Energiewende vollzogen zusammen mit der SPD, von daher kann man da keinen Vorwurf machen.

    Ansonsten: Einen Souveränitätsverlust darf es nicht geben. Gut. Aber es darf lt Mastrich auch keine Schuldenunion geben. Ist ja beides unter einen Hut zu bringen. Nur machts leider keiner. Und es wird immer teuerer und teurer.....

  • Ein hilfebedürftiges Land müsse aus Sicht der EU-Kommission keine neuen Bedingungen erfüllen, so Währungskommissar Olli Rehn in einem Interview.
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    Aha, so ist das also.
    Aber das wr ja auch klar, seit Draghi klar gemacht hat, dass nun unbegrenzt Schrott-Anleihen aufgekauft werden und Deutschland zur Euro-Krise quasi entmachet ist.
    Jetzt braucht niemand mehr seine Hausaufgaben machen. Es gibt jetzt unbegrenzt Geld, damit die Banken bedient werden können

  • War von den Südländern [...] nicht anders zu erwarten. Erst jammern und auf "Unschuldenland" machen und dann, wenn man die EZB im "Erpressungssack" hat, die Erpressungswerkzeuge aus den Sack holen. Deutschland dein Wohlstand (Altersrente) wird gerade unter den EU-Schuldenländern verteilt. Hinzu kommt noch eine "sau teurer" deutsche Energiewende. Bravo, Deutschland wird ausgeschlachtet wie ein "altes Dampfross"!
    Und Merkel mit Ihrer Ökosozialistischen Diktatur hat dies perfekt eingefedelt!
    Die deutsche Politik hat den Untergang Deutschlands im Auge und scherrt sich schon lange um "Das Wohls des deutschen Volks"!

    [+++Beitrag wurde von der Redaktion editiert+++]

  • Die Aussage Montis geht dahin, daß man in absehbarer Zeit Geld aus der ezb nach italien absaugen möchte. Zwar wäre alles in bester Ordnung bei ihnen, aber man soll Geld ja auch nicht einfach liegenlassen.

    Wir dürfen davon ausgehen, daß sein italienischer Freund Draghi das ganz genauso sieht. Und der fiese Rehn darf auch noch nicken, dabei wäre es nicht nötig gewesen. Vergelt's Gott, Mr. rehn!

  • Natürlich will man JETZT noch nicht um hunderte Milliarden betteln, nein, das wird sich nach Zuwarten noch extrem steigern lassen. Also, wieso nicht noch mehr abkassieren von denen die noch was zu bieten haben? Bravo GS Monti, gut gemacht, weiter so, Dein Auftraggeber kann seeeehhhr zufrieden sein, denn seine Rechnung geht immer weiter auf und ein dicker Bonus ist dir sicher!

  • Sein [...] Kumpel Draghi wirds schon richten.
    Und die CDU ist auch noch über 30% - schaut Euch dazu mal das Wahlplakat von 1999 an. Soviel zu den Versprechen der Blockparteien.
    [...]
    [+++Beitrag wurde von der Redaktion editiert+++]

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