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Das Titanic-Szenario Der Euro steuert auf den Eisberg zu

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5. April 2012: Eine Bankenkrise erfasst Europa. Der Rettungsschirm wird verdoppelt.

Drei Tage nach dem Euro-Austritt Griechenlands öffnen die Banken des Landes für eine Stunde vormittags die Schalter. Das neue Geld besteht aus Euro-Scheinen, auf die „New Drachma“ gestempelt wurde. Am Geldautomaten gibt es nur einen 50er-Schein je Tag und Konto. Der Geldverkehr spielt sich hauptsächlich in bar ab, außerdem schreiben kleine Geschäfte für Kunden an. Ein offizieller Devisenhandel findet bis auf weiteres nicht statt. Die Polizei schützt mit einem Großaufgebot die Banken und die Regierungsgebäude.

Nach den Portugiesen beginnen auch Spanier und Iren, die Bankschalter zu belagern. Die Banken verkürzen ihre Öffnungszeiten und sperren die Geldautomaten. Im Süden Europas ereignet sich das, was die Experten einen „Bank Run“ nennen. Zuletzt hatte das während der Finanzkrise 2007 Großbritannien erlebt, als die Kunden Schlange standen, um ihr Geld bei der Pleitebank Northern Rock abzuheben.

In Berlin treten Merkel und Sarkozy vor die Presse. Sie wollen alles tun, um die Euro-Zone zusammenzuhalten. „Der französische Präsident und ich haben beschlossen, täglich zu telefonieren und weitere Schritte zur Stabilisierung der Situation einzuleiten“, kündigt Merkel an. Sarkozy ergänzt, er gehe davon aus, dass bald Euro-Bonds ausgegeben würden, die Details dazu seien aber noch nicht festgelegt. Merkel geht auf diese Bemerkung nicht weiter ein. Sie hatte die Diskussion schon im Frühjahr 2011 für beendet erklärt, weil der Widerstand in der eigenen Koalition zu groß war.

Am folgenden Wochenende treffen sich die Euro-Regierungschefs zum Krisengipfel in Amsterdam. Wie schon vor früheren Gipfeltreffen haben Merkel und Sarkozy mit ihren Beratern vorgearbeitet. Doch erst nach einer langen Verhandlungsnacht steht der Kompromiss: Der Europäische Rettungsfonds EFSF, der erst im Juli 2011 von 440 auf 780 Milliarden Euro aufgestockt wurde, wird auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt – dagegen hatte sich die Bundesregierung immer gewehrt. Der Rettungsfonds übernimmt von der Europäischen Zentralbank Staatsanleihen im Wert von 212 Milliarden Euro. Die EZB hatte diese noch aus verschiedenen Stützungskäufen in den Büchern, die Summe hatte sich seit Mitte 2011 verdoppelt.

Italien und Spanien verpflichten sich im Gegenzug für das deutsche Entgegenkommen bei der Ausweitung des Rettungsfonds ESFS zu verstärkten Sparanstrengungen.

„Griechenland ist ein Sonderfall“, versichert Kommissionspräsident José Manuel Barroso. „Wir sind uns einig, dass wir keines der verbliebenen Länder fallen lassen werden. Der Euro ist und bleibt eine stabile Währung.“

Zum Abschluss geben Merkel und Sarkozy vor den Fernsehkameras noch eine Zusatzerklärung ab. „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern Europas, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür stehen die Regierungen Deutschlands und Frankreichs ein“, sagt Merkel. Sarkozy nickt. Damit verwendet Merkel den gleichen Wortlaut wie im Oktober 2008, als sie zusammen mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück die Spareinlagen der Deutschen garantierte.

Am Montag nach dem Gipfel steigen die Börsen weltweit, die Anleihezinsen der Euro-Zone geben nach, und der Euro erholt sich auf 1,10 Dollar. Er war zuvor von 1,43 Dollar Anfang September 2011 auf bis zu 98 US-Cent gefallen. Doch als am Dienstag neue Gerüchte um die Insolvenz einer französischen Großbank kursieren, fallen die Kurse erneut.

Eine Woche später verstaatlicht die Regierung in Lissabon eine Großbank, die mit dem Versuch einer Kapitalerhöhung gescheitert war. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho fordert die Bürger in einer Fernsehansprache auf, kein Geld mehr von den Konten abzuheben. Schweizer Banken berichten von steigenden Zuflüssen aus allen Euro-Staaten.

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20. Juni 2012: Auch Portugal scheidet freiwillig aus der Währungsunion aus. Die Bankenkrise verschärft sich.
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81 Kommentare zu "Das Titanic-Szenario: Der Euro steuert auf den Eisberg zu"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich stimme dem zu, habe aber einen anderen Startpunkt, der viel näher in der Zukunft liegt.

    In der jetzigen Situation Europas haben alle Führer dasselbe Problem: Sie brauchen ein Ereignis, dass sie aller Verantwortung enthebt und ihr Volk in eine Richtung lenkt, welches die Folgen dieses Ereignisses dann ungeachtet aller finanziellen oder sozialen Nachteile als gottgegeben und somit freiwillig anzunehmen bereit ist. Die Alternative bedeutet nämlich, dass diese Führer noch eine gewisse Zeit Unfrieden verbreiten können und dann von ihren programmgemäß radikalisierten Völkern erschlagen werden.

    In ein paar Wochen sind ja die olympischen Spiele, deren Eröffnungsfeier wahrscheinlich wieder eine Milliarde Menschen rund um den Globus verfolgen werden. Tausende Kameras werden da sein und jede noch so kleine Einzelheit aufzeichnen. Alle Länder Europas werden dann zum gleichen Zeitpunkt durch ihre Athleten an einem Punkt der Welt vertreten sein. Ein Anschlag, und wenn er kommt wird er fatal sein, wird eine Maschinerie in Gang setzen, die kaum vorstellbar ist. Es wird ablaufen wie bei 9/11, als die Welt tagelang durch die einseitige Berichterstattung wie gelähmt vor den Bildschirmen verbrachte. Was im Hintergrund geschah ist mittlerweile traurige Geschichte.

    Die Finanzkrise tritt in Lichtgeschwindigkeit in den Hintergrund, während die Medien tagelang auf allen Kanälen immer nur dieselben Bilder mit den passenden Experten zeigen. In dieser Zeit werden im Hintergrund alle fehlenden oder blockierten Verträge abgeschlossen und Eurogendfor bekommt den ersten großen Auftrag. Die Vorratsdatenspeicherung ist sofort in Kraft und die totale Überwachung somit perfekt. Das Internet wird mit der Begründung der Abwehr terroristischer Aktivitäten abgeschaltet. Viele andere Dinge fallen mir auch noch spontan ein.

    Das Volk wird es akzeptieren, weil die Begründung so alternativlos einfach ist.

    Danach ist Krieg jeder gegen Jeden.

    Ich hasse meine Phantasie.















  • Hoppla, ich vergaß die möglichen negativen Auswirkungen der neuen Währung: Der USD rutscht in tiefste Tiefen und pendelt sich bei 5 Cent/Neu-Euro ein; die Anleger stürzen sich auf die neue Währung; die USA stehen kurz vor der Pleite, weil keiner mehr USD haben will. Da verliert durch einen unglücklichen Zufall ein US-Bomber (der eigentlich in den Iran fliegen wollte, sich aber verirrt hat) über Deutschland ein paar Bomben - die wichtigsten Industrieanlagen sind platt. Die USA entschuldigen sich zwar sofort für dieses Versehen, es kann aber dennoch auf Jahre hinaus hier nicht mehr viel produziert werden. Eine andere Version: Einige wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft werden von Autobomben zerfetzt. Zwei Stunden später ist klar, daß die RAF-Aktivisten aus ihren Gräbern auferstanden sind und Deutschland zerstören wollen. Die verbleibenden Politiker und Bosse werden ganz kleinlaut und machen alles, was einige Leute mit Schlapphut ihnen "vorschlagen". Europa ade - Deutschland ade!

  • Hoppla, ich vergaß die möglichen negativen Auswirkungen der neuen Währung: Der USD rutscht in tiefste Tiefen und pendelt sich bei 5 Cent/Neu-Euro ein; die Anleger stürzen sich auf die neue Währung; die USA stehen kurz vor der Pleite, weil keiner mehr USD haben will. Da verliert durch einen unglücklichen Zufall ein US-Bomber (der eigentlich in den Iran fliegen wollte, sich aber verirrt hat) über Deutschland ein paar Bomben - die wichtigsten Industrieanlagen sind platt. Die USA entschuldigen sich zwar sofort für dieses Versehen, es kann aber dennoch auf Jahre hinaus hier nicht mehr viel produziert werden. Eine andere Version: Einige wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft werden von Autobomben zerfetzt. Zwei Stunden später ist klar, daß die RAF-Aktivisten aus ihren Gräbern auferstanden sind und Deutschland zerstören wollen. Die verbleibenden Politiker und Bosse werden ganz kleinlaut und machen alles, was einige Leute mit Schlapphut ihnen "vorschlagen". Europa ade - Deutschland ade!

  • Könnte alles so ablaufen, ist sogar ziemlich wahrscheinlich. Nur der Schluß wäre mit Sicherheit ein anderer. Deutsche Produkte würden auf dem Weltmarkt nämlich billiger, denn Rohstoffe, Energie und in östlichen Ländern vorgefertigte Teile wären um 40% billiger zu haben, d.h., wir hätten dann weit und breit für unsere preiswerten Qualitätsprodukte keine Konkurrenz mehr. Auch für Otto Normalverbraucher gingen die Preise für importierte Güter runter; von der Banane bis zum Heizöl, vom Urlaub im sonnigen Süden ganz zu schweigen, alles wesentlich günstiger zu haben. Und unsere Wirtschaft würde im Geld schwimmen, da diese neue Währung eine der stabilsten der Welt wäre und für Anleger hoch interessant. Meine Hoffnung ist, daß unsere Regierung nicht bis zum letzten Drücker mit dem Austritt wartet, sondern schon 2012 die Reißleine zieht.

  • Eurotator sagt:

    Ja ist denn schon wieder 1. April?!
    Also die Sache mit dem Silbereisen gefällt mir fast so gut wie die mit dem Goldlöckchen!
    Ich bin dafür alle Währungen abzuschaffen! Hat doch eh keinen Sinn. Lasst uns wieder mit Kartoffeln, Kohlen, Ablaßbriefen und Fleischesdiensten handeln, es hat sich bewährt! Erst als die Könige, Fürsten und die späteren Klugscheißer kamen und für dolle Sprüche ein Salär haben wollten, geriet die Welt aus den Fugen.

  • Ein interessanter Artikel. In der Papierausgabe von 2./3. gibt es in der Grafik und rechts auf Seite 11 leider zweimal Slowenien und die Slowakei fehlt. Rechnet das Handelsblatt mit einer Annektion der Slowakei durch Slowenien bis 2013? ;-)

  • Moin,
    war lustig zu lesen, ihr worstcase scenario.
    Ich habe vermisst, was wurde denn aus der Schweiz, angesichts der Bindung des Franken an den Euro, wenn der Euro auf 98 cent fällt ?

  • Euro und "EU"......ohne jedwede Beteiligung, sprich Volksentscheide, von "EU"-Fanatikern gegen Grundgesetz und Volksvermögen.......die Zukunft Deutschlands zerstört. Es kommt zum Aufstand, Bürgerkrieg. Die Verantwortlichen flüchten. Die "EU" zerfällt, der Euro endgültig für tot erklärt.
    10 Jahre später.....Deutschland hat die DM wieder eingeführt und kommt ganz ohne "EU" und Brüssel bestens zurecht. Deutschland liegt wieder auf den wirtschaftlich ersten Plätzen und kümmert sich einzig und allein um seine eigenen Interessen!!!

  • r.jonasson, bitte nehmen Sie sich die Zeit und erklären,was Sie mit dem "Fundament aus Lug und Trug" meinen, was mit "gebrochenen Verträgen und Versprechungen"?

  • @Machiavelli
    Warum ein Nord-Euro? Ganz einfach, weil es dann auch einen Süd-Euro geben wird und die Länder dieser Währungszone innerhalb der EU duch Abwertung ihrer Währung wettbewerbsfähiger werden. Zudem würden sie infolge des starken Nord-Euros nicht mehr soviel aus D. importieren und das jetzt herrschende Ungleichgewicht verringern, was ihren eigenen Volswirtschaften zugute kommt. Nord-Euro und Süd-Euro nutzt allen. Nur die Banken würden jammern, zumindest eine Zeit lang.

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