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Zentrale der NSO Group nahe Tel Aviv

Eine Frau telefoniert mit ihrem Smartphone vor dem Hauptquartier des israelischen Abhörspezialisten NSO in Herzliya nahe Tel Aviv. Die Firma steht im Verdacht, die Chat-Software WhatsApp manipuliert zu haben.

(Foto: AFP)

Datenschutz Mit der Software von NSO lassen sich Terroristen jagen – und Oppositionelle unter Druck setzen

Die israelische Firma NSO soll eine Sicherheitslücke bei WhatsApp ausgenutzt haben. Der Firmengründer will „die Welt sicherer machen“, doch seine Kunden haben vielleicht andere Interessen.
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Tel AvivWenn Hackerangriffe publik werden, gehört die israelische Firma NSO zu den üblichen Verdächtigen. So auch jetzt: Als die „Financial Times“ am Dienstag über eine Sicherheitslücke beim Chatdienst WhatsApp berichtete, die von NSO ausgenutzt worden sei, tauchten sofort die drei Buchstaben der Cybertechnologiefirma auf, die mittlerweile als Synonym für Überwachungssoftware gelten können.

Die Sicherheitslücke hat WhatsApp nach eigenen Angaben zwar wieder geschlossen. Aber NSO wird auch künftig nach Möglichkeiten suchen, um Telefone abzuhören. Denn mit seiner Technologie werde „die Welt sicherer“, sagt NSO-Gründer Shalev Hulio. Zusammen mit seinen rund 600 Angestellten helfe er den Kunden, die Risiken „Terror und Verbrechen“ zu reduzieren.

„Viele Tausend Menschenleben“ seien dank NSO gerettet worden. Denn mit Hilfe von NSO können Smartphones und Computer infiltriert werden, um an vertrauliche oder verschlüsselte Informationen heranzukommen, um rechtzeitig Gewalttaten zu vereiteln.

Die Firma sei ein gesuchter Partner von Staatsoberhäuptern, erklärt der israelische Journalist Ronen Bergman, einer der besten Geheimdienst-Kenner des Landes. Deshalb stünden Hulio und seine Spezialisten immer wieder im Zentrum der Kritik und sehr negativer Publizität. Zu den Kunden gehören laut Medienberichten Regimes wie Saudi-Arabien, Jemen, Kenia, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.

NSO stellt eine „Dual-Use-Software“ her. Die Produkte können sowohl gegen Terror und Verbrechen als auch gegen Oppositionelle und Journalisten eingesetzt werden. So haben NSO-Produkte zum Beispiel der Regierung von Mexiko geholfen, das Drogenkartell zu bekämpfen, gleichzeitig aber auch gegen kritische Bürger vorzugehen.

Nachdem ein sogenannter Trojaner auf dem iPhone eines Dissidenten in Abu Dhabi entdeckt worden war, musste Apple eine neue Version des Betriebssystems entwickeln, um die Sicherheitslücke zu schließen.

Der bisher schwerwiegendste Verdacht traf NSO im vergangenen Jahr nach dem brutalen Mord am saudi-arabischen Journalisten Jamal Kashoggi in der türkischen Botschaft. Die NSO-Technologie habe eine Überwachung von Oppositionellen ermöglicht, sagte damals Edward Snowden, der Mann, der selbst einen großen Geheimdienstskandal enthüllt hatte und von den USA strafrechtlich gesucht wird.

Doch Hulio weist all die Verdächtigungen zurück. Nur Terroristen und Kriminelle hätten Gründe, die Produkte von NSO argwöhnisch zu betrachten. Zudem müssten alle Verkäufe ans Ausland von der israelischen Behörde für die Kontrolle von Waffenexporten genehmigt werden, so Hulio, einer Behörde, die dem Verteidigungsministerium unterstellt ist.

Die Bewilligung sei an die Auflage geknüpft, dass NSO-Produkte nur zum Kampf gegen Terror und das organisierte Verbrechen eingesetzt werden dürfen, nicht aber zur Überwachung von kritischen Bürgern. Wer dagegen verstoße, müsse mit dem sofortigen Entzug der Lizenz rechnen.

Bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International vertraut man der israelischen Exportkontrolle offensichtlich nicht. Diese Woche hat Amnesty von London aus ein Tel Aviver Gericht aufgefordert, den Spezialisten für Spionage die Exportlizenz zu entziehen. Denn der Trojaner sei „weltweit für kaltblütige Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten eingesetzt werden“, begründet Amnesty International die Eingabe ans Gericht.

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