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David Hydes ganze Geschichte Uno-Praktikant plante Zelt-Aktion als PR-Coup

David Hyde hat als unbezahlter Uno-Praktikant in Genf in einem Zelt übernachtet. Angeblich aus Geldmangel – viele Medien berichteten. Jetzt ist klar: Hyde plante die Aktion auch, um auf ein größeres Problem hinzuweisen.
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David Hyde: „Kein Gehalt oder Stipendium, keine Zuschüsse für ÖPNV oder Essen, keine Krankenversicherung.“ Quelle: Patrick Lopreno / Tribune de Geneve
Praktikant im Zelt

David Hyde: „Kein Gehalt oder Stipendium, keine Zuschüsse für ÖPNV oder Essen, keine Krankenversicherung.“

(Foto: Patrick Lopreno / Tribune de Geneve)

Genf So kann es gehen: Gerade erst haben wir über den Uno-Praktikanten David Hyde berichtet, der zwei Wochen lang in einem Zelt übernachtet hat, weil er sich keine Wohnung in Genf leisten konnte. Und an diesem Freitag veröffentlicht der 22-jährige Neuseeländer auf dem Online-Portal „The Intercept“ seine ganze Geschichte. Danach wollte er mit der Zelt-Aktion zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen habe er sich eine Wohnung in Genf wirklich nicht leisten können, zum anderen aber habe er auch auf die Situation von unbezahlten Praktikanten aufmerksam machen wollen.

„Für mich war die Scheinheiligkeit schon immer klar: Organisationen wie die Vereinten Nationen haben sich den Menschenrechten und dem Kampf gegen Ungerechtigkeit verschrieben“, schreibt Hyde. „Aber die Praktikums-Politik der Uno scheint die Werte, für die sie angeblich steht, zu konterkarieren.“ Die Uno und ihre Agenturen in Genf stellen jährlich 162 Praktikanten an. Nach einer Studie der „Geneva Interns Association“ waren 68,5 Prozent davon im Jahr 2013 unbezahlt.

Als er die Zusage für das Praktikum in Genf bekommen habe, habe er sich Wohnungen angeschaut und sei zu dem Schluss gekommen, er könnte sich Genf nicht leisten. „Ich brauchte eine Lösung. Die Antwort war einfach. Ich würde in einem Zelt leben.“ Es sei eine gute Möglichkeit gewesen, mit seinen begrenzten Mitteln in Genf zu leben – „und die Tatsache, dass ein Uno-Praktikant in einem Zelt lebt, könnte das Bewusstsein für das Problem schaffen.“

Er habe seine Situation dann in die Medien sickern lassen, um damit eine „eine kleine Diskussion in Genf loszutreten“. Doch die Meldung machte internationale Schlagzeilen: Medien wie „The Guardian“, „Spiegel Online“, „New York Times“ und auch „Handelsblatt Online“ berichteten darüber. „Wegen der Ausmaße der Geschichte, war ich beunruhigt, dass die Aktion sich auf meine Arbeitskollegen auswirken würde, die mich sehr unterstützt haben.“ Deswegen habe er gekündigt.

Zuvor hatte Hyde schon vor Journalisten eingeräumt, beim Bewerbungsgespräch für den begehrten Praktikantenjob gelogen zu haben: Als er gefragte wurde, ob er sich Genf leisten könne, habe er mit Ja geantwortet – aber nur, weil er bei einem Nein wohl eine Ablehnung kassiert hätte.

Die Mutter des 22-jährigen Neuseeländers lobte die Aktion ihres Sohnes. „Ich bin stolz, dass er seine Karrierechancen beiseite geschoben hat, um eine Sache zu beleuchten, die schon lange ein Thema ist, aber der niemand Beachtung schenkt“, sagte Vicki Hyde dem australischen Medienunternehmen Fairfax Media. Die Uno trete für die Förderung gleicher Rechte und Bezahlung für gleiche Arbeit ein und sollte eine „moralische Führung“ übernehmen. Ein Uno-Sprecher hatte am Dienstag erklärt, die Uno würde Praktikanten gern entlohnen, wegen einer Resolution der Generalversammlung sei dies aber bislang nicht möglich.

Heiligt der Zweck die Mittel?

Ein Uno-Praktikant konnte seine Miete in Genf nicht zahlen und schlief in einem Zelt. (sdm)

Posted by Handelsblatt on Thursday, August 13, 2015

Unter dem Facebook-Post zu dem Artikel auf der Handelsblatt-Seite entsponn sich eine Diskussion über die Situation des Praktikanten. Alexander Wilhelm schreibt etwa: „Wer einen Praktikumsvertrag in der Schweiz annimmt, welcher unbezahlt ist, zeigt sich doch mit den Bedingungen des Vertrages einverstanden – muss also dann die Konsequenzen tragen. Wenn ich die Konsequenzen nicht tragen kann, kann ich das Praktikum auch leider nicht annehmen. So schlau hätte er sein müssen.“

Nutzer Eric Eberle setzte dem entgegen: „Ich denke die Botschaft des Artikels ist eher, dass es traurig ist, dass man bei einem Job für die Uno der immerhin 8 Stunden am Tag geht nicht einen Cent Bezahlung bekommt und sich so logischerweise auch nichts leisten kann.“

Fest steht, dass der 22-jährige Hyde mit seiner Aktion große Aufmerksamkeit für die Situation von Uno-Praktikanten geschaffen hat. War es also nur ein PR-Stunt, auf viele Medien hereingefallen sind? Darauf antwortet Hyde in einem Interview mit „Jet d'Encre“: „Ich war ein unbezahlter Praktikant bei der Uno und ich habe in einem Zelt gelebt. Diese Fakten sind wahr.“

Auf die Frage, ob er nicht trotzdem Medien und Leser in gewisser Weise getäuscht habe, um Aufmerksamkeit zu erregen, und nun der der Zweck die Mittel heilige, erklärt Hyde: „Ich glaube, über diese Frage sollten junge Leute auf der ganzen Welt richten, die mit der aktuellen Realität von unbezahlten Praktika konfrontiert werden.“

Sagen Sie uns dazu Ihre Meinung auf unserer Facebook-Seite oder in den Kommentaren.

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