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David Malpass Von wegen Nestbeschmutzer – So zahm gab sich der Weltbankchef bei der IWF-Herbsttagung

Der Präsident gilt als Kritiker seiner eigenen Organisation. Beim Spitzentreffen von IWF und Weltbank gab er sich nun moderat – außer bei einem Thema.
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Er gilt als Kritiker seiner eigenen Organisation. Quelle: ddp/Mikhail Metzel/TASS/Sipa USA
Weltbank-Chef Malpass

Er gilt als Kritiker seiner eigenen Organisation.

(Foto: ddp/Mikhail Metzel/TASS/Sipa USA)

Washington, Berlin Als Anfang des Jahres zum ersten Mal der Name David Malpass fiel, herrschte bei vielen Mitarbeitern der Weltbank Entsetzen. Ausgerechnet der Weltbankkritiker Malpass soll Weltbankpräsident werden? So mancher Mitarbeiter fürchtete, der neue Präsident würde womöglich ganze Teile der Bank abwickeln.

Der 63-jährige Amerikaner ist inzwischen ein halbes Jahr im Amt, am Wochenende hat er zum ersten Mal als Präsident das Jahrestreffen der Weltbank über die Bühne gebracht. Und bislang lässt sich festhalten: Die schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetroffen. Zwar gab es auf der Jahrestagung mächtig Zank um Klimapolitik. Aber als jemand, der den Einfluss seiner Organisation zurückdrängen will, hat sich der Amerikaner nicht verdächtig gemacht.

Schon zu Beginn der Tagung ist von kritischer Haltung gegenüber der Weltbank nichts zu spüren. „Bei der Weltbank bleiben wir fokussiert auf unsere Mission“, sagt Malpass, präsidial gekleidet in dunklem Anzug, weißem Hemd und hellblauer Krawatte. Die Weltbank helfe Staaten mit starken Programmen, poche auf Transparenz und Rechtsstaatlichkeit und fördere Innovationen. Darüber trete die Weltbank für Frauenrechte und Umweltschutz ein. Diese Sätze könnten so von jedem seiner Vorgänger stammen.

Auffällig geräuschlos füllte Malpass seine Aufgabe in den ersten Monaten aus. Dabei waren die Vorbehalte gegenüber dem neuen Weltbankchef berechtigt. Malpass gilt zwar eigentlich nicht als Polit-Hardliner, sondern als traditioneller Konservativer. Er arbeitete unter anderem für die republikanischen Präsidenten Ronald Reagan und George Bush.

Im Wahlkampf 2016 allerdings stand er Donald Trump als Wirtschaftsberater zur Seite und machte sich für dessen „America first“-Agenda stark, nach der Wahl wurde er Staatssekretär im Finanzministerium. Bei öffentlichen Auftritten kritisierte Malpass die Weltbank scharf.

Die Organisation würde mit ihren Wohltaten nicht arme Menschen begünstigen, sondern jene, die mit „Erste-Klasse-Flugticket einfliegen, um die Regierungen zu beraten“, und sei „oft korrupt in der Ausleihpraxis“. Besonders missfiel Malpass, dass sie China weiter Geld leiht.

Der Umgang mit der Volksrepublik ist ein Punkt, den Malpass bei der Weltbank tatsächlich verändern will. Er achte genau darauf, dass China nicht von Aktivitäten der Bank profitiere, heißt es in Washington. Auch bei der Jahrestagung betonte der Amerikaner, dass es „noch viel zu tun“ gebe in China, etwa beim Thema Rechtsstaatlichkeit.

Malpass rückt außerdem das Thema Wachstum stärker in den Fokus der Bank. Ohne Wachstum sei Entwicklungspolitik wenig effizient, so Malpass’ Haltung. Die erklärt sich auch aus seiner Vita: Von 1993 bis 2008 war er Chefökonom der US-Investmentbank Bear Stearns, nach deren Pleite gründete er eine eigene Beratungsfirma, die Analysen für institutionelle Anleger anfertigte.

Seinen kühl-kalkulierenden Blickwinkel setzt der Ökonom Malpass auch bei der Weltbank ein. Die US-Regierung pochte am Wochenende erneut darauf, der IWF und die Weltbank müssten mehr auf ihre Kosten achten. Malpass sieht das genauso. Hier ist er loyal gegenüber der Trump-Regierung.

Genau wie beim Klimathema. So soll Malpass nach Handelsblatt-Informationen in den Treffen in Washington darauf gedrängt haben, dass das Pariser Klimaschutzabkommen nicht wörtlich in den Abschlussdokumenten der Tagung auftaucht. Stundenlang wurde diskutiert, entsprechend angespannt war die Stimmung, gerade unter den Europäern.

Insgesamt sind viele Weltbankmitarbeiter mit ihrem Chef aber bislang ganz zufrieden. Malpass habe sich schnell in die Themen eingearbeitet, heißt es. Routiniert beantwortet er in Washington Fragen nach der Zusammenarbeit mit Ägypten, stockende Investitionen in Afrika und das Wachstum in Indien.

Auch das Klimathema verfolgt er als Weltbankchef weiter, wenn auch von ihm keine leidenschaftlichen Appelle zur Rettung des Klimas zu erwarten sind. Der neue Weltbankchef höre auch zu. Nur eines störe dabei etwas: Seine Meinung ändere er so gut wie nie.

Mehr: Der Internationale Währungsfonds geht von mageren drei Prozent Wirtschaftswachstum aus. Staatliche Investitionen sollen nun die Weltwirtschaft ankurbeln.

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