Zum Davos 2018 Special von Handelsblatt Online

++ Davos-Blog Tag 1 ++ Trump, TPP und der fehlende Glanz der Globalisierung

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Der kanadische Premier verkündet ein Handelsabkommen TPP ohne US-Beteiligung. Der Tag im Überblick.
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Die Demonstranten zeigen ihren Unmut über den US-Präsidenten auf Plakaten: „Trump, du bist nicht willkommen!“, heißt es beispielsweise auf einem Schild. Quelle: dpa
Proteste in Zürich

Die Demonstranten zeigen ihren Unmut über den US-Präsidenten auf Plakaten: „Trump, du bist nicht willkommen!“, heißt es beispielsweise auf einem Schild.

(Foto: dpa)

DavosMit einer Rede eröffnete der indische Premierminister Narendra Modi am Dienstag die 48. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. Bis zum Freitag diskutieren etwa 3000 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsbosse und Wissenschaftler in dem Schweizer Wintersportort über Antworten auf politische, soziale und wirtschaftliche Probleme. Die Ereignisse des ersten Tags finden Sie hier im Newsblog zum Nachlesen. Die wichtigsten Nachrichten des Dienstags auf einen Blick:

  • Kanadas Premierminister Justin Trudeau kündigt Fortsetzung von TPP an
  • Top-Banker fürchten sich vor einer neuen Finanzkrise
  • Der indische Premierminister Narendra Modi mahnt, die Globalisierung müsse bei den Armen ankommen
  • CEOs verteidigen die US-Strafzölle und sehen positive Auswirkungen der US-Steuerreform

+++ Gut 1000 Menschen demonstrieren in Zürich gegen Trump +++
„Trump hau ab“: Etwas mehr als 1000 Menschen haben in Zürich gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) und vor allem die Teilnahme von US-Präsident Donald Trump protestiert. Die Demonstranten hielten am Dienstagabend Schilder mit Losungen gegen Trump und das WEF hoch und entzündeten bengalische Fackeln. Die Präsidentin der Schweizer Jungsozialisten, Tamara Funiciello, kritisierte das WEF sei „keineswegs friedensstiftend“. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, es blieb aber zunächst ruhig. Die Zürcher Stadtpolizei hatte die Kundgebung genehmigt. Eine Demonstration gegen das WEF in Davos war von der Graubündner Gemeinde zuvor abgelehnt worden. Zur Begründung hatte es geheißen, aufgrund des starken Schneefalls der vergangenen Tage gebe es in dem Alpenort kaum Platz.

+++ Melania Trump fliegt nicht nach Davos +++

First Lady Melania Trump wird US-Präsident Donald Trump nicht zum Weltwirtschaftsforum begleiten. Wegen „terminlicher und logistischer Probleme“ werde sie nicht teilnehmen, sagte eine Sprecherin am Dienstagabend deutscher Zeit. Zuvor hatte das Weiße Haus noch gesagt, die First Lady werde ihren Mann bei der Reise in die Schweiz begleiten. Für Dienstag wurde die Abreise einer US-Regierungsdelegation erwartet und der Abflug des Präsidenten im weiteren Wochenverlauf. Für Freitag ist eine Rede von Donald Trump auf der Versammlung vorgesehen. Wegen der Haushaltssperre in den USA war zeitweise unklar gewesen, ob die Reise stattfinden würde.

Der kanadische Premierminister spricht auf dem Welthandelsforum in Davos. Quelle: Reuters
Justin Trudeau

Der kanadische Premierminister spricht auf dem Welthandelsforum in Davos.

(Foto: Reuters)

+++ Trudeau kündigt Fortsetzung von TPP an +++

Kanadas Premierminister Justin Trudeau nutzt seine Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Dienstagabend für eine wichtige Ankündigung: Das Transpazifische Handelsabkommen TPP werde auch ohne die USA fortgesetzt, erklärt er. Die verbliebenen elf Partnerstaaten rund um den Pazifik hätten sich auf einen neuen Vertrag geeinigt, so Trudeau. Es wurde erwartet, dass der Vertrag Anfang März unterschrieben wird. Genau vor einem Jahr hatte US-Präsident Donald Trump den Rückzug seines Landes aus TPP angekündigt. Er setzt stattdessen auf Einzelvereinbarungen mit anderen Staaten, um seine „America First“-Politik („Amerika zuerst“) zum Erfolg zu bringen. Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam erklärten jedoch, an dem Ziel eines solchen Abkommens festhalten zu wollen.

„Es wird zum Nutzen aller Partner sein“, sagte Trudeau über TPP. „Wir sehen viel Skepsis gegenüber dem freien Handel weltweit“, so der Premier. Mit Blick auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta, das Trump neu verhandeln will, sagte der kanadische Regierungschef: „Wir bemühen uns, unseren Nachbarn im Süden zu überzeugen, wie gut Nafta ist.“

+++ Kanadas Premierminister plädiert für Geschlechtergerechtigkeit +++

Justin Trudeau redet auf dem Davoser Podium. Der kanadische Premierminister ist einer der Shooting-Stars der internationalen Politik, auf dem Weltwirtschaftsforum stellt er seine Themen im Rahmen der G20-Präsidentschaft in den Vordergrund. Dazu zählt vor allem die Geschlechtergerechtigkeit. „Wir müssen die Natur der Arbeitswelt, wie wir sie kennen, ändern.“ Wichtig seien insbesondere Regeln zum Elternzeiturlaub und die Förderung von Frauen, Migranten, Schwulen und Lesben, älteren Arbeitnehmern und Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz. Vorhandene Konzernkulturen müssten grundlegend überdacht werden. Geschlechtergerechtigkeit will Trudeau nicht nur gefördert sehen, weil das „richtig und gut“ sei, sondern auch, weil es „smart“ sei, sich also für die Unternehmen auszahle.

+++ Netanjahu will Merkel treffen +++

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird sich nach Angaben seines Sprechers am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen. Am Rande des Weltwirtschaftsforums werde es zu einem Einzelgespräch zwischen Netanjahu und Merkel kommen, sagte Sprecher David Keyes. Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland galten zuletzt als angeschlagen. Anfang vergangenen Jahres hatte Merkel offensichtlich aus Verärgerung über die israelische Siedlungspolitik die deutsch-israelischen Regierungskonsultationen auf unbestimmten Zeit verschoben. Im vergangenen April hatte Netanjahu dann ein Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel platzen lassen, weil der SPD-Politiker auch mit Vertretern regierungskritischer Organisationen sprach. Gabriel will Netanjahu nun bei einem Israel-Besuch am 31. Januar ebenfalls treffen.

+++ Weiter riesige Schneemassen in den Alpen +++

Bei zahlreichen Lawinenabgängen in den Alpen sind seit Montag nach ersten Erkenntnissen der Rettungsdienste keine Menschen zu Schaden gekommen. Zwar entspannte sich die Lage nach tagelangen heftigen Schnee- und Regenfällen am Dienstag etwas – wegen der riesigen Schneemassen an den Hängen, die abzurutschen drohten, blieben in der Alpenregion aber viele Straßen gesperrt.

+++ Eine neue Finanzkrise könnte bevorstehen +++

Ungeachtet des derzeitigen Wirtschaftsbooms ist eine neue Finanzkrise nach Ansicht von Topmanagern nur eine Frage der Zeit. „Wenn Leute zu selbstzufrieden sind, sollte man nervös werden“, sagt David Rubenstein, Mitgründer des US-Finanzinvestors Carlyle, in Davos. Dort diskutiert er mit anderen Größen aus der Finanzwelt über die Möglichkeit einer neuen schweren Krise zehn Jahre nach der letzten.

„Wir haben die nächste Finanzkrise niemals vermeiden können“, sagte Jes Staley, Chef der britischen Großbank Barclays. Das hätten ihn seine Jahrzehnte in der Branche gelehrt. Er gehe aber nicht davon aus, dass die Banken der Auslöser sein würden. Sein Gegenpart bei der US-Großbank Citigroup, Michael Corbat, schlug in die gleiche Kerbe: Die Banken seien heute viel widerstandsfähiger als 2007, auch weil sie sich aus vielen Geschäften zurückgezogen hätten. Dagegen gab sich Corbat besorgt über die Entwicklung an den Kapitalmärkten: „Die US-Regierung ist am Wochenende durch einen Shutdown gegangen.“

Rubenstein zeigte sich beunruhigt über den riesigen Schuldenberg der öffentlichen Hand. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff verwies darauf, dass die Aktienkurse vor allem durch die niedrigen Zinsen auf Rekordstände getrieben worden seien. Das hatte etwa Anleihen weniger interessant für Anleger gemacht. „Wir wissen nicht, was passiert, wenn die Zinsen steigen.“

+++ Norwegische Regierungschefin ermahnt Trump +++

Die norwegische Regierungschefin Erna Solberg hat US-Präsident Donald Trump aufgefordert, sich an der Bewältigung internationaler Probleme wie dem Klimawandel zu beteiligen. „Meine wichtigste Botschaft an den amerikanischen Präsidenten ist, dass wir Vereinigte Staaten von Amerika brauchen, die sich auf dem internationalen Spielfeld bewegen, die sich an der gemeinsamen Arbeit mit Blick auf die globalen Ziele beteiligen“, sagte sie in Davos.

Norwegens Ministerpräsidentin ist eine der Co-Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF). Quelle: dpa
Erna Solberg

Norwegens Ministerpräsidentin ist eine der Co-Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF).

(Foto: dpa)

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC), betonte, sie hoffe, dass Trump mit seiner Politik nicht von vereinbarten internationalen Lösungen ablenke. „Denn wenn man sich zurückzieht und mit seinem Führungsverhalten mehr Risiken schafft als Lösungen, ist das ein Problem für alle.“ Solberg und Burrow sind in diesem Jahr Co-Vorsitzende der WEF-Jahrestagung. Auch die übrigen fünf „Co-Chairs“ sind Frauen – darunter die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

Indiens Regierungschef Modi redet den Gästen ins Gewissen
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11 Kommentare zu "++ Davos-Blog Tag 1 ++: Trump, TPP und der fehlende Glanz der Globalisierung"

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  • Globalisierung ersetzt keine eigenen Ideen und klare Vorstellungen, ein Schlagwort der Beliebigkeit. Man kann es noch mit "sozialer Gerechtigkeit" garnieren.

  • Ich habe auch keine Zeit für Davos. Die Auftritte in der Mailänder Scala gehen vor!

  • Ich bin dieses Jahr nicht in Davo, habe keine Zeit, bin Ski fahren.

  • @Herr Hans Henseler: Sie klingen als ob sie eher in der 100. Etage "arbeiten" und keine Ahnung haben wie es den Menschen heutzutage geht.

  • "Top-Banker"... wieso gab es den Begriff Top-Mafia noch nie?

  • +++ Wirtschafts-News +++GroKo-Forderung: Union will Minijob-Grenze auf mehr als 500 Euro anheben

    ....................

    Zuerst sich in deutschland beklagen daß die Arbeitslosigkeit auf den Kosten des Deutschen staates ausgetragen wird ?

    MC Donalds und andere stellen fast nur Minijober ein.

    DABEI GEHEN REGULÄRE ARBEITSVERHÄLTNISSE VERLOREN !!!

    Dann aber als CDU die Grenze auf 500 Euro erhöhen wollen ???

    das klingt wie :

    " LIEBE WÄHLER, BEI KOMMENDE WAHLEN WEDER CDU NOCH SPD JE WIEDER WÄHLEN ! "

  • Herr Carlos Santos
    23.01.2018, 14:43 Uhr
    ++ LIVE-BLOG DAVOS ++
    „Die Globalisierung verliert langsam ihren Glanz“
    Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Norwegens Regierungschefin ermahnt Trump, Indiens Premierminister will eine Globalisierung im Interesse der Armen.

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    Globalisierung im Interesse der Armen und das innerhalb der Europäische Union ???

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    Globalisierung bedeutet auch dass innerhalb der Europäische Union nicht deutschland Industriell der König ist und etwa Portugal die Fußmatte zum Schuhen abzutretten nur weil diese EU keine Investitionen in Industrien in Portugal oder Griechenland aufbringen will !!!

  • ++ LIVE-BLOG DAVOS ++
    „Die Globalisierung verliert langsam ihren Glanz“
    Beim Weltwirtschaftsforum in Davos diskutieren Staatslenker und CEOs über globale Herausforderungen. Norwegens Regierungschefin ermahnt Trump, Indiens Premierminister will eine Globalisierung im Interesse der Armen.

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    Globalisierung im Interesse der Armen und das innerhalb der Europäische Union ???

    Die Europäer haben an US-President überhaupt gar nichts vor zu werfen wenn es um Globalisierungsfehler geht !!!

    Die Europäische Union ist derjenniger Verein der überhaupt nie verstanden hatte wie Globalisierung Gesund zu funktionieren hätte.

    Schafft die EU ab dann geht es mit europa besser und den Armen in Griechenland, Portugal und selbst Spanien und Italien geht es hinterher besser.
    In der Gesamte EU kann niemanden genau sagen wie Hoch die Zahl der tagessuppen empfänger ist oder wie Hoch die zahl der Obdachlosen genau ist !

    Aber diese EU importierte EIN DRITTEL MEHR aus China als das China von der EU importierte.

    Dann hat doch Europa in Sache Globalisierung HOHE DEFFIZITE und nicht die USA !

  • Für ein paar Turnlatschen aus Pakistan u.s.w. zahlt der globalisierte Depp 150 Teuronen, Ein wahrer Fortschritt, denn es wird eben alles günstiger.

  • Wer behauptet, die Globalisierung schaffe Arbeitsplätze und Wohlstand, ist ein Narr oder Lügner.
    Nicht einmal in den drei Topbranchen hat die Globalisierung Arbeitsplätze regeneriert.
    Im Gegenzug gingen bei den ehemals bedeutenden Industrien (in denen Deutschland oftmals Marktführer war) zehn Millionen Arbeitsplätze verloren.

    Das kostet dem Sozialstaat (den Steuerzahlern) ein Heidengeld.
    Leider wird das wahre Ausmaß der Katastrophe durch Bilanzkosmetik stark vernebelt.
    Neben den statistisch ausgewiesenen Erwerbslosen belasten Millionen Frührentner unser Gesellschaftssystem.
    Anstatt an der Produktion der im eigenen Land benötigten Konsumgüter zu arbeiten und an den Staat Steuern und Sozialabgaben abzuführen, liegen die aufs Abstellgleis abgeschobenen Frührentner dem Steuerzahler auf der Tasche.

    Kaum besser steht es um die Millionen Menschen, die in 1-Euro-Jobs, ABM-Maßnahmen, Umschulungen und Praktika notdürftig untergebracht und der Arbeitslosenstatistik entzogen werden.
    Unsere Gesellschaft leistet sich den Luxus, einen Großteil ihres Humankapitals abzuschreiben, nur weil sie meint, die benötigten Konsumartikel billig importieren zu können.
    Die Unterhaltskosten für diese zehn Millionen Menschen sind weit höher als das bescheidene Einsparvolumen durch die Billigimporte.
    Deshalb auch der Wohlstandsabstieg.

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