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Angela Merkel in Davos Ehrlich, aber nicht selbstzufrieden

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich bei ihrem Auftritt in Davos demütig und zugleich entschlossen, ihr Land in der Weltspitze zu halten. Dazu müsse Deutschland aber vor allem auf einem Gebiet mächtig aufholen.
9 Kommentare

DavosSie hat lange überlegt, ob sie angesichts der schwierigen Koalitionsgespräche in Berlin überhaupt nach Davos reisen soll. Nach ihrem Auftritt vor dem World Economic Forum (WEF) kann Angela Merkel zufrieden sein. Sie hat ein ehrliches, aber kein selbstzufriedenes Bild Deutschlands auf der Davoser Weltbühne präsentiert. Ihr Auftritt war ein Plädoyer für gemeinsame, multilaterale Lösungen für die globalen Probleme. „Abschottung ist keine Antwort“, betonte die Kanzlerin, die bereits zum zehnten Mal in Davos auftrat.

Diese Botschaft an die „America first“-Politik von Donald Trump war erwartet worden. „Wenn es nicht fair zugeht, müssen wir eine multilaterale Lösung dafür finden“, sagte Merkel mit Blick auf die jüngsten Handelsbarrieren, die Trump gerade gegenüber China errichtet hat. Das war zugleich ein Gesprächsangebot an den US-Präsidenten, der am Freitag zur Davoser Wirtschaftselite sprechen will.

Wichtiger aber als diese vorhersehbare Botschaft an den Protektionisten im Weißen Haus war Merkels fast schon schonungslose Bestandsaufnahme über die Lage in Deutschland. „Ich spüre, dass wir Druck haben“, gab Merkel zu. Druck durch die Digitalisierung, bei der Deutschland anderen Ländern wie zum Beispiel Estland noch weit hinterherhinke, insbesondere in der öffentlichen Verwaltung oder in der Bildung.

„Wir müssen den digitalen Binnenmarkt ausbauen“, forderte die CDU-Vorsitzende und kündigte an, dass man zusammen mit Frankreich eine strategische Allianz bei Einsatz der künstlichen Intelligenz schmieden wolle. Europa sei hier zu langsam im Vergleich zu den großen US-Konzernen und den eng mit dem Staat zusammenarbeitenden chinesischen Playern in der digitalen Wirtschaft.

Merkel machte aber auch deutlich, wie schwer es in einer alternden, wohlhabenden Gesellschaft wie in Deutschland ist, Reformen durchzusetzen. „Bei uns funktioniert heute alles einigermaßen“, sagte Merkel, „es ist deshalb nicht leicht, die Menschen davon zu überzeugen, künftig mehr Internetplattformen zu nutzen“. Sprich: sich mehr im Internet zu bewegen. Die Kanzlerin warnte aber vor Selbstzufriedenheit: „Morgen wird unser Leben so nicht mehr funktionieren.“ Leider lasse mit dem Alter auch die Neugierde und Bereitschaft nach, sich auf den disruptiven Wandel durch die neuen Technologien einzulassen.

An die Wirtschaft appellierte die Kanzlerin, mehr Menschen in die digitale Welt mitzunehmen. „Es reicht nicht aus, wenn nur 20 Prozent mitziehen“, betonte Merkel. Wenn es nicht gelinge, den digitalen Wandel ethisch zu managen, werde man „Maschinenstürmer“ bekommen.

Druck spürt Merkel aber auch bei der Reform der Euro-Zone. „Es geht darum, die Kapitalmarkt- und Bankenunion zu vollenden“, betonte Merkel. Auch müsse man bei der europäischen Integration vorsichtiger vorgehen und lokale Probleme auch lokal lösen. „Eine immer engere Gemeinschaft ist nicht die Lösung.“ Sie lobte den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der Europa einen Schub gegeben habe. An die Briten gewandt sagte die deutsche Regierungschefin: „Wir wollen auch nach dem Brexit eine gute Partnerschaft mit Großbritannien.“

Aber auch in der Außenpolitik spüre Europa Druck. Deutschland und Europa müssten nach Ansicht der Deutschen endlich mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Viel zu lange habe man in Europa nicht darüber nachgedacht, wie man die Außengrenzen sichern müsse. Der Hinweis ging wohl auch an die eigene Adresse.

Diese Staatschefs, CEOs und Hollywood-Stars sind in Davos
Angela Merkel
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Angela Merkel reist ebenso wie viele andere Spitzenpolitiker nach Davos, zurzeit aber nur als geschäftsführende Bundeskanzlerin. Auf Donald Trump wird sie in der Schweiz voraussichtlich nicht treffen: Zwar reist der US-Präsident nun doch schon früher an, dürfte Merkel aber knapp verpassen.

US-Präsident Donald Trump
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Donald Trump ist der erste US-Präsident seit Bill Clinton, der es zum Weltwirtschaftsforum nach Davos schafft. Mit einer großen Delegation kommt er in die Schweiz gereist. Trump wird auch eine besondere Ehre zuteil: Er darf die Abschlussrede halten.

Theresa May
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Die britische Premierministerin kommt auch: Im Gegensatz zu Angela Merkel trifft sie sich in Davos mit US-Präsident Donald Trump. Auch anwesend bei diesem Treffen ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Emmanuel Macron
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Der französische Präsident erfreut sich zurzeit sehr guter Umfragewerte. In Davos setzt er sich damit von den Kollegen aus Deutschland oder den USA ab. Am „Europa-Tag“ Mittwoch trifft er außerdem mit den Staatsoberhäuptern aus Deutschland, Italien und Spanien zusammen.

Justin Trudeau
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Der kanadische Premier redete sich in Davos in Rage: Vor allem ging es dabei um globale Probleme, die die in der Schweiz versammelten Eliten ignorierten, darunter die Förderung von Frauen und Minderheiten im Arbeitsleben.

Alexis Tsipras
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Der griechische Premier hält sich drei Tage in der Schweiz auf. Seine zentralen Themen sind die Wirtschaft Griechenlands und die Namensfrage um das Nachbarland Mazedonien.

Narendra Modi
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In Davos setzte sich der indische Premierminister in seiner Rede für den Freihandel ein: „Abschottung ist keine Lösung“.

„Drücken Sie mir die Daumen, dass wir bald eine stabile Regierung in Deutschland bekommen“, sagte Merkel zum Schluss. Sie habe in den vergangenen Wochen gelernt, wie wichtig die Handlungsfähigkeit für Deutschland sei.

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9 Kommentare zu "Angela Merkel in Davos: Ehrlich, aber nicht selbstzufrieden"

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  • Aber Hallo, Frau Maurer,

    Sie sind aber kleinlich! Die Gute bringt doch nur das unter die Leute, was die am besten kann. Ohne jedes Programm viel reden und dann noch von überall Beifall zu bekommen, muss man erst mal hinbekommen.

    Übrigens – warum sollte Merkel jemanden benötigen, der sich solche Reden ausdenkt? Nehmen wir doch z. B. die letzte, leicht modifizierte Neujahrsansprache:

    „In einem Land, in dem wir die nächsten 10 Jahre gut und gerne leben“ Wo ist das Problem, das Wort „Land“ durch Europa zu ersetzen und für diese zukunftsweise Vision europaweite Huldigungen zu genießen?

    Hat doch bei der BTW auch bestens geklappt und an Lobeshymnen der Massenmedien werden Sie sehen, worauf es in diesem Land ankommt.

    „Stillstand 4.0 geht in eine neue Runde.“ Und wer ist schuld daran? Es war ihr Übervater Kohl, der den Glasfaserplan von Helmut Schmidt gleich als erstes Projekt „der geistig-moralischen Wende“ in die Tonne getreten und lieber auf die Kupferstrippen der damals noch staatlichen Telekom gesetzt hat.

  • Ehrlich, aber nicht selbstzufrieden?

    Was wir in Davos gehört haben, ist schlichtweg nichts ausser hohlen Phrasen. Merkel sieht "Gefahren, Herausforderungen, Eurokrise, Migration, möchte alle mitnehmen, Gespräche führen, keine Zeit verlieren und lebenslang lernen". Sie möchte sich mit vielem "beschäftijen", hat "viele Fragen", sagt aber "alle Fragen seien national nicht zu lösen". Ihr Lieblingswort lautet "multilateral".

    Meine Güte, was macht die Dame hier in Davos...Wieder keine Antworten, keine Visionen. Eine Aufzählung von Allgemeinplätzen aus dem Inhaltsverzeichnis. "Disruptiv, Ökosystem für Start-Ups, Digitalisierung, Klimaschutz, Probleme der Zukunft lösen" Wo hat sie denn die letzten Jahre gelebt?.

    Fazit: Alles wie gehabt. Stillstand 4.0 geht in eine neue Runde. Bleibt noch die Frage, wer denkt sich solche Reden aus?

  • demütig und zugleich entschlossen, ihr Land in der Weltspitze zu halten Selbst Spione bringen mich zum Lachen.

  • Vermutlich möchte sie den Fünfjahresplan digitalisieren.

  • ANGELA MERKEL IN DAVOS
    Ehrlich, aber nicht selbstzufrieden
    Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich bei ihrem Auftritt in Davos demütig und zugleich entschlossen, ihr Land in der Weltspitze zu halten. Dazu müsse Deutschland aber vor allem auf einem Gebiet mächtig aufholen.
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    Deutschland hat :

    OBDACHLOSE und immer mehr Asylanten ABER KEINEN SOZIALEN oder bezahlbaren Wohnraum. 8 MILLIONEN HARTZ4 Empfänger finden keine andere Wohnung, oder überhaupt eine bezahlbare Wohnung weil bereits Studenten mehr bezahlen für Mieten als die JOBCENTER !

    -DIESELSKANDAL ist immer noch aktuell !
    -Keine ELEKTROAUTOS vorhanden für die Zukunft Europas , geschweige für den Export !

    BER Flughafen weiterhin Desaster !

    MILITÄR Ausrüstung ist desaströs !

    ===>>> ABER DAFÜR VOLLE DEUTSCHE TRESORE MIT GOLDRESERVEN !!!

    So und nun wenn Deutschland nur in einem Bereich aufzuholen hat, bleibt wohl mit Neue GroKo das Desaströse Deutschlands Lage alles beim alten ???

    Dann sich wundern daß die AFD jetzt sogar mit regieren darf und immer mehr Deutsche Reichsbürger gibt ???

  • Wenn Merkel ehrlich ist, dann war Mutter Theresa ein Pornostar.

  • @ Vincy
    Für jemanden, für den das Internet Neuland ist, sollte die Digitalisierung kaum fassbar sein. :)

    Wahrscheinlich hält sie es für ein Herzmittel (Digitalis).

    :)

  • Naja, der Euro ging ja schon mal ziemlich durch die Decke, seit eine Fortsetzung von Merkel & SPD-Regierung in Aussicht steht. So schlecht ist die Stimmung nun also wirklich nicht.

  • << Drücken Sie mir die Daumen, dass wir bald eine stabile Regierung in Deutschland bekommen“, sagte Merkel >>

    Unter einer stabilen Regierung versteht diese Frau Verhaeltnisse, bei denen sie auf dem Kanzlersessel tronen und die Entwicklung im Lande aussitzen kann.

    Das Geschwafel von der DIGITALISIERUNG nimmt KEIN Mensch mehr ernst, zumal noch keiner richtig erklaert hat, was er darunter versteht. Bei Merkel ist die DIGITALISIERUNG gleich mit einer Internetverbindung zu setzen !
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