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Weltwirtschaftsforum in Davos

Der IWF korrigiert seine Wachstumsprognosen für Deutschland und die USA kräftig nach oben.

(Foto: AFP)

IWF-Prognose Rückenwind für die Weltwirtschaft

Das globale Wirtschaftswachstum ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet jetzt mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent in diesem und im nächsten Jahr. Doch neue Gefahren lauern.
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DavosSeit der Finanzkrise war die Stimmung beim World Economic Forum (WEF) in Davos meist schlechter als die Lage. In diesem Jahr könnte sich das ändern, denn die globale Wirtschaftselite hat allen Grund, optimistisch in die nahe Zukunft zu blicken. Um 3,9 Prozent soll die Weltwirtschaft in diesem und im kommenden Jahr wachsen, sagte der Internationale Währungsfonds (IWF) jetzt in Davos voraus.

Das sind 0,2 Punkte mehr als der Fonds noch im Oktober erwartet hatte. „Die Weltwirtschaft nimmt Fahrt auf“, betonte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Zugleich warnte der Ökonom jedoch vor Selbstzufriedenheit. Wenn die Politik die günstige Wirtschaftslage nicht nutze, um die Schwächen vieler Volkswirtschaften zu beseitigen, werde der Aufschwung nicht lange andauern.

Im Blick hat Obstfeld dabei das geringe Produktivitätswachstum, die noch ungenügende Krisenfestigkeit und die mangelnde Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten an den Früchten des Aufschwungs. Das derzeit „glückliche Zusammentreffen von Faktoren“ dürfte nicht ewig andauern. Entsprechend gelte es nun, sich gegen die nächste Krise zu wappnen.

Die wichtigsten Motoren für den aktuellen Aufschwung sieht der IWF in Europa und Asien. Der Euro-Raum soll nach einem Plus von 2,4 Prozent im vergangenen Jahr auch in den nächsten zwei Jahren seinen soliden Wachstumskurs halten. Deutschland liegt dabei mit einem erwarteten Plus von 2,3 beziehungsweise zwei Prozent etwa 0,5 Punkte besser als der Fonds das noch im Oktober prophezeit hatte. Der IWF führt die gute Wirtschaftslage in Europa unter anderem auf die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie auf eine weltweit stärkere Unterstützung der Konjunktur durch die Fiskalpolitik zurück. Die EZB hat inzwischen eine Trendwende für ihre unkonventionellen Anleihekäufe eingeleitet.

Deutlich aufwärts geht es aber auch in den USA, für die der IWF in diesem Jahr ein Wachstum von 2,7 Prozent voraussagt. „Die jüngste Steuerreform wird spürbar zum US-Wachstum in den kommenden Jahren beitragen“, sagte Obstfeld mit Blick auf den zu erwartenden Anstieg der Investitionen in Amerika. Dieser Schub werde kurzfristig auch den Handelspartnern der USA nutzen, allerdings auch das amerikanische Leistungsbilanzdefizit und den Dollar nach oben treiben. Das widerspricht den Zielen von US-Präsident Donald Trump, denn der möchte die hohen Handelsdefizite eigentlich verringern.

„Der gegenwärtige Aufschwung ist nicht die neue Normalität“, warnte Obstfeld. So rechnet der IWF damit, dass die wirtschaftliche Dynamik in den Industrieländern nachlässt, sobald die von der Finanzkrise 2008 verursachte Wachstumslücke geschlossen ist. Langfristig würden die entwickelten Volkswirtschaften allenfalls zwei Drittel der für dieses Jahr erwarteten Zuwachsrate von 2,3 Prozent erreichen. Der demografische Wandel und das geringe Produktivitätswachstum seien dafür verantwortlich.

Aber auch in China werde das Wachstum zurückgehen, sobald die dortige Regierung angesichts der hohen Verschuldung ihre Konjunkturhilfen verringere. In Amerika erwarten die IWF-Ökonomen einen konjunkturellen Kater, wenn die Wirkungen der Steuersenkungen verpufft sind und die Sorgen über die absehbar steigenden Haushaltsdefizite zunehmen.

Mit Sorge blickt der IWF auch auf das Wiedererstarken nationalistischer und autoritärer Strömungen. Angesichts der anhaltenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die ungleiche Verteilung der Einkommenszuwächse bestehe die Gefahr, dass wirtschaftliche Reformen gebremst und die weitere Globalisierung behindert werde.

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