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Weltwirtschaftsforum in Davos 2019
Banken in Frankfurt

Das Image von Banken war schon vor der Finanzkrise schlecht, hat sich aber durch die zahlreichen Schieflagen, Staatshilfen und Skandale in den Jahren danach nochmals deutlich verschlechtert.

(Foto: dpa)

Ansehen der Geldhäuser Das Image der Banken wird immer schlechter

Zehn Jahre nach der Finanzkrise berichten die Medien weiterhin negativ über Kreditinstitute. Der Gründer der Analysefirma hält einige Banken für unverbesserlich.
4 Kommentare

Frankfurt Paul Achleitner zeigte sich einsichtig: „Unser Image in der Öffentlichkeit muss noch deutlich besser werden“, sagte der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung im Mai 2016. „Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen.“ Drei Jahre später hat sich weder der Ruf der Deutschen Bank noch der gesamten Branche nennenswert verbessert. Im Gegenteil: Im Jahr 2018 hat sich das seit langer Zeit miserable Medien-Image der Branche nochmals verschlechtert.

Nach Zahlen der Schweizer Analysefirma Media Tenor wurde im vergangenen Jahr jeder zweite Bericht über Banken in TV- und Wirtschaftsmedien in Deutschland, Großbritannien und den USA negativ intoniert. Das ist eine – wenn auch minimale – Verschlechterung gegenüber dem Jahr 2017, wie die dem Handelsblatt exklusiv vorliegende Medienanalyse „Trust Meltdown“ zeigt, die am Montag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wird. Damit hat die Bankbranche in den reichweitenstarken Fernsehmedien und in der Wirtschaftspresse sogar einen noch schlechteren Ruf als die Tabakindustrie.

Eines der dominanten Themen in der Berichterstattung über die großen Geldhäuser war im vergangenen Jahr abermals eine Serie an Skandalen und Fehltritten. In Deutschland standen dabei vor allem die Ermittlungen wegen des Steuerskandals Cum-Ex sowie die diversen Geldwäsche-Verfahren gegen europäische Banken im Vordergrund.

Beides erklärt auch, warum die Deutsche Bank abermals zu den Geldhäusern zählt, über die am negativsten geschrieben und gesendet wird. Schließlich war Deutschlands größtes Geldhaus sowohl in den hiesigen Steuer-Skandal als auch die Geldwäsche-Vorwürfe gegen die skandinavische Danske Bank involviert.

Ähnlich oder noch negativer als über die Deutsche Bank berichteten die Fernsehsender und Printmedien im Jubiläumsjahr der Finanzkrise nur über die 2008 pleite gegangene Investmentbank Lehman Brothers, über die durch faule Schiffskredite angeschlagene und im vergangenen Jahr privatisierte HSH Nordbank, sowie über die im Zentrum des größten europäischen Geldwäsche-Skandals stehende Danske Bank.

Das Image der Banken war schon vor der Finanzkrise schlecht, hat sich aber durch die zahlreichen Schieflagen, Staatshilfen und Skandale in den Jahren danach nochmals deutlich verschlechtert. Und auch nach dem Ende der Finanzkrise wurde es nicht besser.

„Jeder zweite Bericht seit dem Jahr 2011 kritisiert entweder die Produkte, das Management, die Beziehung zu den Kunden, die gesellschaftliche Haltung oder ganz besonders die immer weitergehende Saga laxer Kontrollen, die es manchen Beschäftigten ermöglichen, kriminell zu handeln“, heißt es in den Report von Media Tenor.

Ein noch schlechteres Image als die Banken haben in den Medien nur Verkehrsunternehmen, die Landwirtschaft sowie die Werbungs- und Kommunikationsbranche. Nur ein schwacher Trost für die Banken mag es sein, dass im vergangenen Jahr auch die in früheren Jahren recht gute Reputation der Technologie-Unternehmen vor dem Eindruck der vielen Datenskandale regelrecht abgestürzt ist.

Der miserable Ruf hat für die Banken handfeste geschäftliche Konsequenzen. Bankgeschäft basiert schließlich auf Vertrauen. Schwindet dieses, wenden sich Kunden und Investoren ab. Im Gegensatz zu anderen Branchen können sich die Geldhäuser zudem nur schwer gegen Reputationsschäden absichern: Bei einem großen deutschen Versicherer beispielsweise sind Banken wegen ihres extrem schlechten Rufs pauschal von der Reputationsschutzversicherung ausgeschlossen.

Auch Umfragen in der Bevölkerung kommen immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen wie der „Trust Meltdown“. In Großbritannien etwa hat eine Befragung von YouGov kürzlich ergeben, dass zwei Drittel der Erwachsenen den Kreditinstituten nicht zutrauen, im gesamtgesellschaftlichen Interesse zu handeln.

Roland Schatz, Gründer und Vorstandschef von Medien Tenor, hält die Banken schlichtweg für unverbesserlich – und zieht daher die Reißleine: Zehn Jahre, nachdem er das Stimmungsbarometer erstmals auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt hat, stellt er ihn ab dem nächsten Jahr ein.

„Wenn sie sich den Trend anschauen, stellen sie fest, dass die Banken entweder inkompetent, unwillig oder beides sind, um die Lektionen des Jahres 2008 endlich zu akzeptieren“, sagt Schatz. „Nach zehn Jahren halten wir es schlicht für Zeitverschwendung, mit einigen in der Bankbranche noch das Gespräch zu suchen.“

Statt auf die gesamte Bankbranche will sich Schatz künftig mit dem Stimmungsbarometer auf diejenigen Finanzfirmen konzentrieren, die konsequent nach nachhaltigen Kriterien wirtschaften und investieren. Dazu zählt er insbesondere Pensionsfonds wie beispielsweise die britische Firma Hermes und sogenannte Family Offices, die das Geld reicher Privatleute investieren.

Dass sich der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit auch für Banken auszahlen würde, lässt sich aus den Zahlen des diesjährigen „Trust Meltdown“ ablesen. Dort schneiden nämlich insbesondere die beiden US-Banken JP Morgan und Morgan Stanley ungewöhnlich gut ab. Beide haben sich laut Schatz besonders konsequent auf Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet, was deren Ruf in den Medien unmittelbar beeinflusse.

Vielleicht auch ein Rezept für diejenigen Banken, für die schlechte Presse immer noch zum Alltag gehört. „Solange die Topmanager sich über die ganz normale Regulierung ihrer Branche beklagen, statt die Banken neu auszurichten, wird sich der Ruf nicht verbessern“, ist Schatz jedenfalls überzeugt.

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4 Kommentare zu "Ansehen der Geldhäuser: Das Image der Banken wird immer schlechter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zum Nachdenken für alle, die sich über Banken Gedanken machen:
    Banken werden geschädigt dadurch,
    - dass der Einlagezins bei der EZB negativ ist. Würden Sie jemanden Geld schenken, damit er sich von Ihnen Geld leiht? So unverständlich verrückt, wie sich das anhört, ist es auch.
    - dass eine extrem massive Regulation der Banken vor allem in Deutschland stattfindet. Die Banken werden massiv in ihrem eigenen Geschäft eingeschränkt und müssen dafür extrem teuere Berater bezahlen, die ihnen dazu die Zeit für das Geschäft mit dem Kunden stehlen. Würden Sie eine "kleinen überheblichen Aufpasser" bezahlen, der ihnen beim Autofahren ständig über die Schulter schaut und ihnen erklärt, dass Sie richtig fahren, weil Sie schon seit Jahren richtig fahren? Hört sich irre an, ist es auch!
    - dass man Banken unterstellt, sie hätten vom Staat Steuergelder geschenkt bekommen, tatsächlich wurden Bürgschaften vom Staat mit bis zu 9% Zinsen für den Staat gewährt.

    Leider schaut niemand genau hin. Und wenn doch mal einer wirklich sachlich argumentiert wie Herr Wirtschaftsminister a.D. und Sparkassenpräsident a.D. Georg Fahrenschon bezüglich der Einlagensicherungen in Europa - da wird dann sehr, sehr lange gesucht, bis man ihn die berufliche Laufbahn zunichte machen kann. Vergleiche Roland Koch oder andere kritische Stimmen in Deutschland.

    Wenn Deutschland seine kritischen Stimmen nicht fördert, sondern niedermacht, erhält Deutschland das was es verdient - eine Nikolaus CDU-Vorsitzende und einen Spahn-Freund Vize und Plätzchen auf der Nikolausfeier am 6.12.2018. Leider. Und man verliert die Kompetenz wie die eines Herrn Friedrich März.

    Plätzchen sind wichtiger als Denker?! Jawohl - hallt es aus dem defizitären Berlin.

  • "Gehetzt wird gerne, sachlich informiert nicht!" >> leider hat Herr Peter (s.u., Zitat) recht. In unserer Jetztzeit ist anscheinend kein Platz mehr für Argumente und deren Austausch und auch nicht für Fakten und physikalisch-technische Zusammenhänge. Jeder schreibt irgendwas in Twitter oder sagt was in irgendein Mikrophon - meist ohne den Sachverhalt zuz kennen, geschweige denn ihn zu verstehen. Ergebnisse von Arbeitsgruppen werden halbgar kolportiert und schon zerrissen, bevor die AG überhaupt zu einem Ergebnis gekommen ist. So wird das nichts mit unserer Zukunft.

  • "dass zwei Drittel der Erwachsenen den Kreditinstituten nicht zutrauen, im gesamtgesellschaftlichen Interesse zu handeln"
    MAN KÖNNTE Kreditinstituten EINFACH MIT Politikern AUSTAUSCHEN.

    Das Problem bei Energieerzeugern, Banken und auch Automobilherstellern ist, dass es in Deutschland als eine Art Sport gesehen wird, über sie herzufallen. Die Medien recherchieren gerne recht oberflächlich, Hauptsache es ergibt sich eine emotional aufgeheizte Schlagzeile. Gehetzt wird gerne, sachlich informiert nicht!

  • Paul Achleitner, seit Mai 2012 Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, laut Frankfurter Rundschau 29.12.2018:
    „Die Aktionäre haben mir ein Mandat bis 2022 anvertraut. Ich stelle mich der Verantwortung.“
    Wie sieht es denn aus, wenn jemand sich mit € 800.000 Jahresvergütung (für die Aufsicht 2017) der Verantwortung stellt, wo der Schaden doch schon längst eingetreten ist. Übernimmt Hr. Achleitner oder der Aufsichtsrat den riesigen Schaden wie er im Artikel beschrieben ist, oder treten dann die Akteure einfach nur von der Bühne ab, wie so oft gesehen.
    Seit weit mehr als 10 Jahren zeigen sich bei der Deutschen Bank windige Geschäfte, horrende Strafzahlungen und Rechtskosten, Boni trotz Verluste, Kapitalvernichtung für Aktionäre und eine verpasste Entwicklung im Vergleich zu neu startenden Finanzdienstleistern. Der Schaden ist längst eingetreten und die Deutsche Bank hat sich seit 2008 trotz 6 Kapitalerhöhungen (ges. 32,9 Mrd.) auf eine Marktkapitalisierung von 14,4 Mrd. (ende 2018) zu einem internationalen Zwerg reduziert, mit dem tiefsten Aktienkurs seit 30 Jahren. Das sind verlorene Jahre und Größe, versäumte Entwicklung und vernichtetes Geld. Aber scheinbar perlt das an der obersten Machtinstanz einfach ab mit der Erklärung: „Das muss man aushalten.“
    Über so lange Zeiträume ist für mich der Aktienkurs das Dienstzeugnis der Verantwortlichen, eine Historie ihren Fähigkeiten und Qualität ihrer Entscheidungen. Die Verantwortung trägt für mich der Aufsichtsrat, da er weder mit Aufsicht noch mit Rat die katastrophale Entwicklung der Deutschen Bank verhinderte und erwiesenermaßen machtlos und unfähig reagierte. Die Verantwortung verkommt zur unnützen Beantwortung.

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