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Weltwirtschaftsforum in Davos 2019
Finanzmarkt in Südkorea

Investoren agieren derzeit nur mit Vorsicht.

(Foto: dpa)

Finanzmärkte „Es wird turbulent zugehen“: Investoren fürchten den globalen Abschwung

Auf den Bühnen und Fluren der Davoser Kongresshalle sind sich die Experten in einem einig: Die Politik dominiert in diesem Jahr die Märkte. Dort herrscht Vorsicht.
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Davos Was für einen Unterschied ein Jahr macht. Es ist gerade einmal zwölf Monate her, da schwelgten Investoren und Ökonomen bei ihrer jährlichen Nabelschau in den Schweizer Bergen in nahezu grenzenloser Zuversicht. „Höher, schneller, weiter“ schien das Motto der globalen Wirtschaftselite. Nur vereinzelt gab es mahnende Stimmen vor allem von Topbankern wie Citigroup-Chef Mike Corbat, die vor einer Selbstgefälligkeit der Märkte warnten.

Sie haben recht behalten. Im zweiten Halbjahr kam der Abschwung – und er war brutal. Allein der Deutsche Aktienindex Dax hat im vergangenen Jahr gut 18 Prozent verloren und das Jahr mit einem Schlussstand von 10.599 Punkten beendet. Doch seit Jahresbeginn haben sich die Kurse erholt, der Dax notiert jetzt bei über 11.000 Punkten.

Nachdem sie sich mit ihrer übertriebenen Euphorie 2018 die Finger verbrannt haben, zeigen sich Investoren und andere Experten in diesem Jahr jedoch vorsichtig. „Eines ist sicher“, sagt Mark Haefele, Chief Investment Officer der Schweizer Großbank UBS dem Handelsblatt: „Es wird ein herausforderndes Jahr. Es wird Zeiten geben, in denen die politischen Risiken wieder sehr stark zunehmen und es an den Märkten turbulent zugehen wird.“ 

Die Anleger sind in Lauerstellung. Zu groß und vielfältig sind die Risiken für die Finanzmärkte: Der Handelskrieg, der globale Schuldenstand, die Straffung der Geldpolitik, das schwächere Wachstum in China, ein wirtschaftlich und politisch geschwächtes Deutschland, ein vom Podest gehobener französischer Staatschef Emmanuel Macron, der Brexit – die Liste könnte beliebig verlängert werden.

Vor allem Europa sehen die Investoren wieder einmal durch eine deutlich eingetrübte Linse. „Man kann nicht so optimistisch über Europa sein, wie man vor einem Jahr noch war“, wird der Topmanager einer großen US-Fondsgesellschaft abseits der großen Bühne deutlich.

„Ich denke nicht, dass Europa in die Rezession rutscht, aber die Lage wird sehr viel fragiler sein.“ Und so gehen die Märkte erst einmal in den Pausenmodus. „Der Kursabschwung wird so nicht weitergehen, aber es wird auch keinen massiven Absturz geben“, sagt der Investor.

Für Ray Dalio, Gründer und Chairman des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, hat die US-Notenbank Federal Reserve eine Mitschuld an der Nervosität der Märkte. Die Fed habe „einen unangemessenen Fehler“ gemacht, „die Geldpolitik schneller zu straffen als die Kapitalmärkte vertragen können“, sagt der durch seine Wetten gegen Dax-Firmen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekanntgewordene Hedgefondsmanager.

Als Chance und Risiko zugleich gilt China, dessen Wachstum sich im vergangenen Jahr auf 6,6 Prozent abgeflacht hat. Daraufhin flammten die Sorgen über dramatisch gestiegene Schuldenstände der Unternehmen wieder auf.

Noch vor zehn Jahren hatte der Schuldenstand der Privathaushalte, Unternehmen und Staaten nach Zahlen des International Institute of Finance bei gut 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gelegen. Heute sind es mehr als 300 Prozent.

Fang Xinghai, Vizechef der Wertpapieraufsicht China Securities Regulatory Commission, weist allerdings Befürchtungen über die chinesischen Schulden zurück. Zwar seien die Unternehmen zu hoch verschuldet, aber die Kommunen und auch die nationale Regierung hätten noch sehr viel Luft nach oben. Die Kommunen haben nach seinen Worten bereits damit angefangen, schuldenfinanziert mehr zu investieren.

Auf den Bühnen und Fluren der Davoser Kongresshalle sind sich die Experten in einem einig: Für die Märkte wird die Politik 2019 das mit Abstand dominierende Thema. Mit abermaligen protektionistischen und nationalistischen Akten könnten die Regierungen entweder für Chaos sorgen, oder durch neue staatliche Finanzstimuli und weitere strukturelle Reformen die Lage wieder verbessern, sagen viele.

Zuversichtlich für das zweite Szenario sind allerdings die wenigsten. „Was mich am meisten beängstigt ist, dass wir nur wenig Raum für eine weitere geldpolitische Lockerung haben – zu einer Zeit, in der es einen größeren politischen und sozialen Antagonismus gibt“, sagt Dalio.

Axel Weber, Chairman der UBS, ist daher überzeugt: „Die Normalisierung der Geldpolitik wird nicht mehr in diesem Zyklus stattfinden. Die Notenbanken werden das nicht schaffen, weil sich das Wachstum jetzt schon verlangsamt.“ Für die nächsten ein oder zwei Jahre werde es also also heißen: „Mission abgebrochen.“

Dalio ist derselben Meinung: „Am Ende werden sowohl die Fiskalpolitik als auch die Geldpolitik wieder lockerer sein müssen als jetzt.“ Er befürchtet auch, dass weitere populistische Forderungen und Taten in einzelnen Ländern die Investoren abschrecken werden. So würden beispielsweise jetzt schon vereinzelte Forderungen nach einem Spitzensteuersatz von 70 Prozent lauter.

Statt dem noch vor einem Jahr erwarteten synchronisierten Wachstum aller großen Regionen rechnen die Ökonomen und Anleger jetzt eher damit, dass die Ländern im Gleichschritt in den Abschwung laufen. Der ehemalige Bundesbank-Chef Weber sieht allerdings einen Hoffnungsschimmer: Nach einem „Soft spot“ in der ersten Jahreshälfte könnte das zweite Halbjahr wieder positiver aussehen, meint er.

Sein Investmentchef Haefele stimmt zu: „Wir glauben, dass der Markt in diesem Jahr leicht nach oben gehen kann.“ Er warnt jedoch: „Es kann genauso gut wieder einen politischen Schock geben, der erneut zu einem Ausverkauf führen würde. Dagegen sichern wir uns ab.“

Eine Strategie, mit der die UBS nicht allein zu sein scheint.

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