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Weltwirtschaftsforum in Davos 2019
Brexit - Straßburg

16.01.2019, Frankreich, Strasbourg: Eine britische Fahne, der Union Jack, steht im Europäischen Parlament während einer Debatte zum Brexit. Nach dem Scheitern des Brexit-Deals im britischen Unterhaus sehen Abgeordnete des EU-Parlaments London am Zug, um einen ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU zu verhindern. Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

Global Risk Report Der Brexit ist längst nicht die größte globale Gefahr

Die Briten haben für den Austritt aus der EU gestimmt – und auch in anderen Ländern regiert der Egoismus. Der Risikobericht des World Economic Forums warnt vor neuen Gefahren.
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BerlinEs ist Zufall – und doch hätte das World Economic Forum (WEF) sich keinen besseren Tag und Ort aussuchen können, als an diesem Mittwoch in London seinen Global Risk Report vorzustellen. Dort hat gerade erst das britische Unterhaus das ausgehandelte Brexit-Abkommen abgelehnt und die britische Hauptstadt ins politische Chaos gestürzt.

Die schwierigen Austrittsverhandlungen und der ungeordnete Brexit, der nun droht, gehören zu den geopolitischen Erschütterungen, die weit oben auf der WEF-Gefahrenliste zu finden sind. Dazu hat das World Economic Forum weltweit rund 1000 Risikoexperten befragt.

Stolpert die Welt wie ein Schlafwandler in eine große Krise? Diese Frage steht am Anfang des neuen Reports. Das Ergebnis der Umfrage unter den Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gibt darauf eine alarmierende Antwort: Zu einem Zeitpunkt, da globale Gefahren wie der Klimawandel, geopolitische Auseinandersetzungen oder Cyberattacken zunähmen, „scheint der Wille zu fehlen, diesen Gefahren gemeinsam zu begegnen“.

Mit anderen Worten: Der wachsende Nationalismus schwächt die Krisenabwehr. „Wenn wir nicht zusammenarbeiten, werden wir die Probleme nicht in den Griff bekommen“, warnt daher WEF-Präsident Børge Brende.

Der Aufruf zu mehr internationaler Kooperation kommt kurz vor dem Jahrestreffen des WEF, zu dem sich ab Dienstag rund 3000 Manager, Politiker und Wissenschaftler aus aller Welt in Davos versammeln.

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Verschärft wird die Lage dadurch, dass die Weltwirtschaft schwächelt. Die Weltbank hat gerade ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf unter drei Prozent gesenkt. Zugleich ist der globale Schuldenberg auf 225 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung angestiegen.

Die Handlungsspielräume der Regierungen zur Krisenbekämpfung sind also geringer als vor der Finanzkrise 2008. Und auch die Notenbanken können sich nicht wie vor gut zehn Jahren gegen eine Krise stemmen, weil die Leitzinsen vielerorts noch extrem niedrig sind.

Die akuteste Gefahr sieht der Risikoreport des WEF in den wachsenden geopolitischen und geoökonomischen Spannungen zwischen den Weltmächten. Der Handelsstreit zwischen den USA und China und der zwischen Amerika und Europa sind zwei Beispiele dafür.

Die aggressive Außenpolitik Russlands ist ein weiterer Konfliktherd. „Alle wichtigen geopolitischen Trends bewegen sich in die falsche Richtung. Das habe ich noch nie erlebt und kommt einem geopolitischen Klimawandel gleich“, erklärt Ian Bremmer, dessen Denkfabrik Eurasia Group zu ähnlichen Ergebnissen wie der WEF-Report kommt.

Handel wird vom Friedensstifter zum Streitobjekt

Deutlich zeigt sich dieser geopolitische Klimawandel in der veränderten Rolle der Wirtschaft für die internationalen Beziehungen. War insbesondere der Handel lange Zeit ein „Friedensstifter“ (Wandel durch Handel) zwischen Nationen, ist er durch den Nationalismus zu einem Werkzeug geopolitischer Interessen geworden. „Wirtschaftliche Sicherheit ist nationale Sicherheit“, proklamiert zum Beispiel das US-Handelsministerium in seinem strategischen Plan bis 2022.

Die amerikanischen Strafzölle gegen China und Europa sind die unmittelbare Folge dieses geoökonomischen Sinneswandels. Aber auch neue Schutzwälle gegen unerwünschte Auslandsinvestitionen, wie sie jetzt auch in Deutschland errichtet werden, zählen nach Meinung des WEF dazu.

Auf die wachsenden geopolitischen Risiken für deutsche Unternehmen hat diese Woche auch das Allianz Risk Barometer hingewiesen, für das der Münchener Versicherungskonzern 400 Risikoexperten in 86 Ländern befragt hat.

Die Angst vor Handelskriegen, Zollkonflikten, Wirtschaftssanktionen oder den unklaren Folgen des Brexits landet erstmals unter den drei größten Gefahren für die Firmen hierzulande. Ganz oben steht nach wie vor die Angst vor Betriebsunterbrechungen, gefolgt von Cyberattacken. 

Angst vor einer geopolitischen Konfrontation wächst

Die Mehrheit der vom WEF konsultierten Risikoexperten befürchtet, dass die nächste Krise bereits direkt vor der Tür steht. Rund 90 Prozent der Befragten rechnen in diesem Jahr mit einer „wirtschaftlichen oder politischen Konfrontation“ zwischen Großmächten, und 88 Prozent glauben, dass die multilateralen Regeln für den internationalen Handel weiter erodieren werden.

Die wachsende soziale Ungleichheit innerhalb vieler Länder bleibt weiterhin ein globales Problem und verschärft nach Meinung des WEF die politische Polarisierung und den Verlust des Vertrauens vieler Bürger in ihre Regierung und internationale Institutionen.

Fast 60 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die öffentliche Wut gegen die wirtschaftlichen und politischen Eliten 2019 noch zunehmen wird. Ein Ventil werden nach Voraussage der Eurasia Group die Wahlen zum EU-Parlament im Mai sein, wo größere Stimmengewinne der Populisten zu erwarten seien.

Angesichts der politischen Spannungen wird es immer schwieriger, auf globale Risiken wie zum Beispiel den Klimawandel schnell und entschlossen zu reagieren. Zum dritten Mal in Folge zählen Umweltrisiken zu den größten Gefahren überhaupt. Das gilt sowohl für ihre Eintrittswahrscheinlichkeit als auch für ihre Auswirkungen. 

Als wäre das nicht genug, wird die Welt nach Meinung von WEF-Gründer Klaus Schwab von einem technologischen Wandel durchgeschüttelt, der einer vierten industriellen Revolution gleichkomme. Viele Risikoexperten verbinden damit zunächst einmal wachsende Gefahren wie zunehmende Cyberattacken und Datenmissbrauch.

In Deutschland gehören die Risiken, die von Künstlicher Intelligenz und dem autonomen Fahren ausgehen, zu den großen „Aufsteigern“ im Allianz Risk Barometer.

Das sind die prominentesten Teilnehmer in Davos 2019
Angela Merkel
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Nach den Absagen von Donald Trump und Emmanuel Macron gilt die deutsche Bundeskanzlerin als eine der prominentesten Teilnehmerinnen des diesjährigen World Economic Forum. Beim Gipfel im vergangenen Jahr hatte sich Merkel deutlich gegen Abschottungstendenzen von Ländern ausgesprochen und versucht, damit einen Gegenpol zum US-Präsidenten zu schaffen. Für das kommende Jahr plant Merkel, erstmals einen EU-China-Gipfel mit allen Mitgliedstaaten organisieren. In Davos wird sie dies jedoch nicht mit Xi Jinping besprechen können: Der chinesische Staatspräsident nimmt nicht am Weltwirtschaftsforum teil.

(Foto: Reuters)
Wang Qishan
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Dafür könnte Merkel in Davos auf den Vizepräsident Chinas treffen. Dieser hatte sich vor wenigen Tagen in Tel Aviv für eine „innovative Partnerschaft“ seines Landes mit Israel ausgesprochen. Israel sei ein weltweiter Vorreiter im Bereich Hightech und die Wirtschaftsmacht China habe sich in ein innovatives Land verwandelt.

(Foto: Reuters)
Benjamin Netanyahu
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Auch der israelische Premierminister betonte seinen Willen zur Zusammenarbeit mit China. Doch zuvor steht Netanyahu vor wichtigen Wochen. Ende Dezember hatten Israels Koalitionschefs beschlossen, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen ausgerufen. Die finden nun Anfang April statt. Hintergrund der Entscheidung sind Spannungen innerhalb der rechts-religiösen Regierungskoalition von Ministerpräsident Netanyahu. Er erhoffe sich „ein klares Mandat für unsere Regierung, ihren Weg fortzusetzen“, sagte er. In Davos wird für Netanyahu daher auch entscheidend, ob er Unterstützung für seine umstrittene Palästina-Politik erhält.

(Foto: Reuters)
Shinzo Abe
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Schon seit geraumer Zeit will Japans Regierungschef die Mehrwertsteuer erhöhen, um die hohe Staatsverschuldung einzudämmen. Wegen einer schwächelnden Nachfrage im Inland musste Abe die Anhebung aber bereits zweimal verschieben. Der Yen ins seit Jahresbeginn in Turbulenzen geraten, die Börsen schwanken. Abe wird das Weltwirtschaftsforum in Davos nutzen wollen, um die Verunsicherung an den Märkten möglichst zu verringern.

(Foto: Bloomberg)
Giuseppe Conte
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Der italienische Premierminister wird sich in Davos vor allem für den wankenden Bankensektor seines Landes rechtfertigen müssen. Die Krise um die Rettung der angeschlagenen Banca Carige ist längst vom finanziellen zum politischen Fall geworden. Die Populisten in Rom um Conte versuchen zu retten, was zu retten ist. Vor allem ihren Ruf vor der Europawahl. Und so haben sie ihr Wahlversprechen bei der besagten Bank gebrochen und eine Verstaatlichung gefordert. Die Furcht vor einem Ansturm der Sparer auf die Filialen der Genueser Regionalbank war zu groß.

(Foto: Bloomberg)
Christine Lagarde
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Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sich in wesentlichen wirtschaftspolitischen Fragen von US-Präsident Donald Trump distanziert. Das internationale System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Christine Lagarde kürzlich. Ihre Forderung: „Repariert es, aber zerstört es nicht.“ Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen Nutzen gebracht. Die frühere französische Finanzministerin nahm zudem die Zentralbanken in Schutz. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten die Zentralbanken eben „die Entscheidungen treffen, die sie treffen“. In Davos wird sie dies persönlich weitertragen können.

(Foto: Reuters)
Jair Bolsonaro
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Der neue brasilianische Präsident hat wenige Tage nach seinem Amtsantritt am Neujahrstag seinen Wählern die konservative Wende versprochen. Der ehemalige Hauptmann Jair Bolsonaro, der von der „einzigartigen Möglichkeit spricht, das Land neu aufz ubauen“, hat Schlüsselpositionen in seinem Kabinett mit sechs hochrangigen Militärs besetzt, darunter Wissenschaft und Technologie, Infrastruktur, Bergbau und Energie. Das Weltwirtschaftsforum in Davos wird für Bolsonaro die erste Auslandsreise im Amt. Er wird eigenen Angaben zufolge von seinem Finanzminister Paulo Guedes begleitet.

(Foto: AFP)

Zeitalter der Wut

Zwei Drittel der vom WEF befragten Risikoexperten fürchten sich insbesondere vor Fake News und Identitätsklau und rechnen damit, dass deren Risiken weiter ansteigen. Die Eurasia Group erwartet, dass insbesondere die US-Regierung 2019 eine Offensive gegen private und staatliche Hacker starten wird, was die politischen Spannungen zum Beispiel zu Russland oder China noch verstärken könnte.

Eine neue Gefahr sehen die Risikoforscher in der Manipulation menschlicher Emotionen durch Künstliche Intelligenz. Intelligente Maschinen seien inzwischen in der Lage, menschliche Gefühle zu erkennen oder vorherzusagen. Damit werde auch der Missbrauch dieser Technologien zum Beispiel zur politischen Radikalisierung größer.

Das WEF sieht in dieser „emotionalen Disruption“ einen potenziellen Schock, der sich auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auswirken kann.

Eine emotionale Zeitbombe tickt auch im Alltag vieler Menschen. Der Global Risk Report zeigt, dass die zunehmenden Lebensrisiken bei vielen Menschen Stress und Wut auslösen. Das führe dazu, dass sich mentale Krankheiten immer stärker ausbreiteten und weltweit davon inzwischen schätzungsweise 700 Millionen betroffen seien.

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