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Weltwirtschaftsforum in Davos 2019

Kommentar Globales Misstrauensvotum für Wirtschaftseliten – Davos hat ein Imageproblem

Das Weltwirtschaftsforum in der Schweiz leidet unter Absagen und geopolitischem Zwist. Das Treffen in Davos wirkt immer mehr aus der Zeit gefallen.
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WEF: Davos hat ein Imageproblem – ein Kommentar Quelle: AFP
Weltwirtschaftsforum 2019

Die wichtigsten Staatschefs haben dieses Jahr ihre Teilnahme am WEF abgesagt: Sie haben eigene Sorgen.

(Foto: AFP)

Erst war es Wladimir Putin, dann Xi Jinping. Die Absagen des russischen und des chinesischen Staatschefs konnte Klaus Schwab noch wegstecken. Sollte die Hauptattraktion des von ihm gegründeten World Economic Forum (WEF), das am Dienstag in Davos beginnt, doch wie im vergangenen Jahr Donald Trump sein.

Da jedoch Abertausende Amerikaner wegen des „Shutdowns“ der US-Regierung in Washington seit mehr als vier Wochen ohne Lohn und Brot sind, wollte der US-Präsident nicht im Glamour des Eliten-Treffens gesichtet werden und verbot auch seinen Ministern die Reise auf den Schweizer Zauberberg.

Aus ähnlichen Gründen sagte auch der französische Staatschef Emmanuel Macron kurzfristig seine Teilnahme ab. Ein ohnehin als entrückt geltender Präsident in Davos und wütende Gelbwesten auf der Straße – das passt nicht ins Bild von Macrons neuem Bürgerdialog. Und dass die britische Premierministerin Theresa May angesichts des Brexit-Chaos lieber daheim bleibt, ist ebenfalls keine Überraschung.

Davos muss also in diesem Jahr ohne Stargast auskommen – sieht man einmal von der WEF-Veteranin Angela Merkel und Brasiliens neuem Präsidenten Jair Bolsonaro ab. Dass Trump, Macron und auch May auf Distanz zum Stelldichein der globalen Eliten gehen, zeigt, dass Schwabs Truppe trotz ihrer Bemühungen in den vergangenen Jahren, das Forum für seine Kritiker zu öffnen, noch immer ein Imageproblem hat.

„Die Menschen, um die es geht, sind nicht in Davos und werden auch nie hierherkommen“, konstatierte Kanadas Premier Justin Trudeau im vergangenen Jahr. Angesichts des Aufstands von Millionen „Wütenden und Vergessenen“, die in den zurückliegenden Jahren rund um den Globus Populisten ins Amt katapultiert haben, scheint die Zusammenkunft von rund 3.000 Spitzenpolitikern, Topmanagern und Starwissenschaftlern ein wenig aus der Zeit gefallen.

Zumal nach einer weltweiten Umfrage der New Yorker Beratungsfirma Edelman 80 Prozent der befragten Bürger den Eindruck haben, ihr politisches und wirtschaftliches „System“ sei nicht für sie da. Das ist ein globales Misstrauensvotum für die Führungseliten in Wirtschaft und Politik.

Die antielitäre Kritik am WEF ist so alt wie das Forum selbst. Tatsächlich ist es Schwab gelungen, die Schar der Teilnehmer bunter, lebendiger, jünger und auch repräsentativer zu machen.

Es sind heute mehr Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, soziale Aktivisten, junge Unternehmensgründer auch aus Schwellenländern und weniger entwickelten Staaten in Davos als noch vor zehn Jahren. Den größten Nachholbedarf gibt es nach wie vor bei den Frauen. Nur jeder vierte Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsforums ist weiblich.

Die Welt ist verwundbarer geworden

Lösungen für die globalen Probleme sollte man von dem Brainstorming in den Bergen ohnehin nicht erwarten. Dazu ist das Mammuttreffen mit mehr als 350 Veranstaltungen auch gar nicht gedacht. Es geht vielmehr darum, einen globalen Diskurs über die drängendsten Probleme zu ermöglichen.

Und davon gibt es reichlich: geopolitische Krisen vom ungelösten Brexit über die wachsende Rivalität zwischen China und den USA bis hin zur aggressiven Außenpolitik Russlands. Dazu kommen Technologieängste, die Facebook, Google und Co. erstmals in die Defensive zwingen. All das findet im Schatten einer stotternden Weltkonjunktur statt, was die Lösung der globalen Probleme sicher nicht leichter macht.

Im Gegenteil: Die Welt ist durch die Bekämpfung der zurückliegenden Krisen noch verwundbarer geworden. Sollte es zum Beispiel durch einen militärischen Konflikt oder durch eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen China und den USA zu einem globalen Abschwung kommen, haben Politik und Notenbanken dem wenig entgegenzusetzen. Die hohe Schuldenlast in vielen Schwellenländern und die immer noch relativ geringen Leitzinsen schränken den Handlungsspielraum stark ein.

Angesichts der düsteren Weltlage ist es schon fast ein Trost, dass der Lauf der Zeit meist eine andere Richtung nimmt, als es die in Davos versammelten Zukunftsmacher prophezeiten. Die „Mover und Shaker“ wurden von der Finanzkrise 2008 genauso überrascht wie vom Brexit und von der Wahl Donald Trumps. Warum also das Spektakel?

Trotz all seiner Fehler und Defizite ist das World Economic Forum immer noch einer der wenigen globalen Marktplätze für neue Ideen, anregende Debatten und erhellende Gespräche. Dass über gemeinsame Probleme über Länder- und Kulturgrenzen hinweg nachgedacht und gerungen wird, macht das Forum in einer Zeit des zunehmenden Nationalismus zu einem lohnenswerten Unterfangen.

Der globale Diskurs über die Zukunftsthemen produziert zwar weniger Schlagzeilen als spektakuläre Auftritte von Trump und Co. Dafür liefert er mehr geistige Nahrung in einer Zeit, in der es gerade daran so oft mangelt.

Darum reisen Trump, May und Macron nicht nach Davos

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