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Delta-Variante Frühwarnsystem Portugal: Wirtschaftsminister rechnet mit flauer Sommersaison

Portugals Wirtschaftsminister Vieira hält wegen steigender Fallzahlen an Restriktionen fest. Lockerungen mit fortschreitenden Impfungen seien aber in der Diskussion.
10.07.2021 - 13:54 Uhr Kommentieren
Portugals Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira: Mit zunehmenden Impfungen könnte Lissabon sich womöglich auch weniger an der Inzidenz orientieren. Quelle: Reuters
Pedro Siza Vieira

Portugals Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira: Mit zunehmenden Impfungen könnte Lissabon sich womöglich auch weniger an der Inzidenz orientieren.

(Foto: Reuters)

Madrid Portugal ist in diesem Jahr so etwas wie ein Frühwarnsystem für den Rest Europas: In dem kleinen Land tauchten die beiden jüngsten Mutationen des Corona-Virus jeweils früher auf als im Rest der EU. Ein Blick an den Tejo lässt deshalb erahnen, was anderen Ländern noch bevorsteht. Der Blick auf die Inzidenz ist verheerend: Sie liegt derzeit bei 247 Fällen pro 100.000 Einwohner in 14 Tagen. Das ist nach Zypern und Spanien der zweithöchste Wert in der EU.

Entspannung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: „Wir wissen, dass die Inzidenz weiter steigen wird, weil die Delta-Variante sehr ansteckend ist“, sagt Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira dem Handelsblatt. Die Delta-Variante hat sich in Portugal innerhalb von gerade einmal drei Wochen von 44 Prozent der Infektionen auf aktuell 88 Prozent Ende Juni verdoppelt. Die Regierung hält deshalb weiter an Restriktionen fest.

Damit wählt Portugal im Kampf gegen das Virus einen anderen Weg als Großbritannien – zumindest vorerst. Der britische Premier Boris Johnson hebt ab 19. Juli alle Restriktionen auf, obwohl die Inzidenz auf der Insel fast doppelt so hoch ist wie in Portugal. „Großbritannien ist bei den Impfungen weiter vorangeschritten als andere Länder in Europa“, sagt der portugiesische Wirtschaftsminister. „Wir treffen diese Entscheidung jetzt noch nicht, sondern wollen erst sehen, wie sich die Lage im Juli entwickelt.“

Ausgangssperre in 45 portugiesischen Gemeinden

In 45 Gemeinden, darunter die Hauptstadtregion Lissabon und der Touristenmagnet Albufeira an der Algarve, gilt seit einer Woche eine nächtliche Ausgangssperre. Restaurants müssen an den Wochenenden um 15:30 Uhr schließen und nach Lissabon darf am Wochenende nur hinein, wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann.

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    Die gute Nachricht in der vierten Welle ist: Die Einweisungen in die Krankenhäuser und Intensivstationen steigen in Portugal wesentlich weniger schnell als in vorangegangenen Wellen. „Die Zahlen von Covid-Patienten auf den Intensivstationen sind noch kein Grund zur Sorge, aber sie steigen deutlich – vor allem unter denjenigen, die noch nicht geimpft sind“, sagt Vieira.

    Deshalb beschleunigt Portugal sein Impfprogramm. Derzeit sind 37 Prozent der Portugiesen komplett geimpft, in Großbritannien sind es 64 Prozent. Bis Ende Juli soll die Impfquote in Portugal auf 45 Prozent steigen.

    Bislang orientiert sich der Weg zurück zur Normalität an der Inzidenz: Fällt sie in 14 Tagen unter 120, entfallen die Restriktionen. „Was wir jetzt in Erwägung ziehen, ist, bei zunehmenden Impfungen zu lockern, obwohl wir nicht diese niedrige Inzidenz erreichen“, so Vieira. Voraussetzung sei aber, dass man auch in Portugal sehe, dass durch die Impfungen weniger Menschen schwer erkranken.

    Der Tourismus springt nicht an

    Den Tourismus trifft die Delta-Variante in Portugal schwer – der Wirtschaftsminister rechnet deshalb sogar mit einem geringeren Wirtschaftswachstum als noch im zweiten Quartal, in dem viele Besucher kamen und die Exporte über dem Niveau von 2019 lagen. Unabhängige Institute erwarten, dass Portugals Wirtschaft im zweiten Quartal um 15 Prozent zugelegt hat. Die offiziellen Zahlen kommen Ende des Monats.

    „Im Juli werden wir kein so starkes Wachstum sehen“, sagt Vieira. „Wir hatten gehofft, dass wir europaweit ein Wachstum in touristischer Aktivität sehen, was wegen der Delta-Variante aber nicht passiert. Das wird sicherlich Folgen für das Wirtschaftswachstum haben.“

    Alles hänge nun davon ab, wie in ganz Europa die Impfungen voranschreiten und ob man der hohen Inzidenz künftig anders begegnen könne als bisher.

    Eine Übersicht der Tourismusberatung Mabrian Technologies für das Handelsblatt zeigt, dass die Suche nach Flügen von Deutschland nach Portugal ab April kontinuierlich gestiegen ist, seit Ende Juni aber wieder sinkt. Das war just der Zeitraum, in dem die Inzidenz in Portugal stark gestiegen ist.

    Grafik

    Der Tourismus macht acht Prozent der portugiesischen Wirtschaftsleistung aus und ist im vergangenen Jahr um 60 Prozent eingebrochen. Für dieses Jahr rechnet Vieira damit, dass sich die Branche leicht erholt, aber immer noch deutlich unter dem Niveau des Jahres 2019 bleibt. Die Umsätze im Tourismus würden in diesem Jahr „sicher über 50 Prozent“ des Niveaus von 2019 erreichen, so Vieira.

    In Frankreich sind die Warnungen derzeit noch eindringlicher: Ein Sprecher der französischen Regierung erklärte am vergangenen Mittwoch mit Blick auf die Delta-Mutation: „Diese Variante ist gefährlich und schnell, und wo immer sie auftritt, kann sie den Sommer ruinieren.“

    Brachten britische Touristen die Delta-Variante nach Portugal?

    Neue Varianten haben Portugal vom einstigen Vorbild in Sachen Corona-Bekämpfung nun bereits zum zweiten Mal zur Nation mit einer der höchsten Inzidenzen gewandelt. In der ersten Welle war Portugal vergleichsweise glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen. Lockerungen zu Weihnachten und die damals neue britische Variante sorgten dafür, dass das Land im Januar die höchste Infektions- und Todesrate weltweit aufwies.

    Im Frühjahr dann war die Inzidenz nach einem strengen Lockdown erneut eine der niedrigsten in Europa. Das Land öffnete sich deshalb schon im Mai für den Tourismus und empfing auch britische Urlauber. Kurz darauf machte sich die Delta-Variante in Portugal breit, die zuvor in Europa vor allem in Großbritannien aufgetreten war.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ durchblicken, dafür sei Portugals Öffnung für britische Touristen verantwortlich. Vieira widerspricht: „Die ersten Fälle der Delta-Variante in Portugal kamen direkt aus Asien – im Transit über andere Länder.“ Eingeschleppt hätten die Variante vor allem Menschen aus Indien und Bangladesch, die an der Küste von Alentejo und der Algarve in der Landwirtschaft arbeiteten. „Dasselbe passiert auch im Süden Spaniens“, sagt er. In Spanien hatte sich die Covid-Inzidenz zuletzt auf mehr als 278 in 14 Tagen verdreifacht. Deutschland hat Spanien deshalb am Freitag zum Risikogebiet hochgestuft.

    Auch Lissabon, wo die Variante ebenfalls besonders stark grassiert, habe einen bedeutenden Anteil von Migranten, sagte Vieira. Das Champions-League-Finale zweier britischer Klubs im Juni in Porto, zu dem britische Fans mit negativem PCR-Test reisen konnten, habe hingegen nicht dazu geführt, dass in der Region die Delta-Variante angestiegen sei. „Deshalb glaube ich nicht, dass es da eine Korrelation gibt“, so der Wirtschaftsminister.

    Mehr: Inzidenz in Spanien binnen weniger Tage verdreifacht – erste Regionen verhängen neue Restriktionen

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