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Demokraten im Wahlkampf Joe Biden will US-Präsident Trump ablösen – doch er bekommt kein Feuer in seine Kampagne

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Ausrutscher trüben das Gesamtbild

Dazu leistete sich Biden eine Reihe von Patzern. So sagte er auf einer Bühne, „arme Kinder“ seien so intelligent wie „weiße Kinder“, obwohl er eigentlich „wohlhabende Kinder“ meinte. Nach den Massenschießereien in Texas und Ohio brachte er die Orte des Geschehens durcheinander, und beim Thema Brexit machte er aus Theresa May kurzerhand Margaret Thatcher.

Im Vergleich zu Trumps notorischen Lügen mögen Versprecher wie diese harmlos sein. Aber die Ausrutscher dominieren die Berichterstattung und befeuern Bedenken, dass die besten Tage des Politikers hinter ihm liegen könnten. 1988 und 2008 bewarb er sich vergeblich um das Präsidentenamt, heute muss er sich für politisch umstrittene Entscheidungen wie seine Zustimmung zum Irak-Krieg rechtfertigen.

Längst hat Bidens Konkurrenz alle Scheu fallen lassen, den Umfrage-König zu attackieren, seine Rivalen greifen ihn offen an. „Joe Biden ist nach wie vor die größte Konkurrenz für Donald Trump”, twitterte Obamas früherer Wahlkampfchef David Axelrod. „Aber wenn er weiter durch den Wahlkampf stolpert, werden die Sorgen in der Partei über seine Fähigkeiten zunehmen.“ Biden versucht, die Kritik zu zerstreuen. „Zahlen gehen rauf und runter“, sagte Biden in Iowa. „Ich kann nur versuchen, so authentisch wie möglich zu sein.“

Die Linken drängen auf Richtungswechsel

Abschreiben sollte man Biden freilich nicht. Dank seiner moderaten Ideen ist Biden in einem Arbeiter-Bundesstaat wie Ohio derzeit beliebter als Trump, der dort 2016 gewann. Doch das linke Lager ist ebenfalls nicht abgemeldet, es hält sich mit Warren und Sanders hartnäckig hinter Biden.

Beide Senatoren verbindet eine jahrelange Freundschaft, politisch grenzen sie sich mal mehr, mal weniger erfolgreich voneinander ab. Sanders begeistert seine Anhänger mit authentischen Aktionen, kürzlich reiste er mit dem Bus über die kanadische Grenze, um Insulin für einen Bruchteil des US-Preises einzukaufen.

Und Warren legt ein Konzept nach dem anderen vor, für eine Vermögensteuer, den Erlass von Studienschulden oder eine Zerschlagung von Tech-Konzernen. Progressive Stimmen werben für einen echten Richtungswechsel, um Trump stürzen zu können – und sie werden immer lauter: „Trump hat auch gewonnen, weil er den Status quo erschüttern wollte. Warum trauen wir uns das nicht?“, mahnte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio.

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Doch der starke Einfluss der Progressiven birgt auch Gefahren für die Partei. Die Zentristen warnen, allzu linke Versprechen garantierten Trump eine zweite Amtszeit. „Dann können wir ihm den Wahlsieg direkt per Eilkurier schicken“, lästerte John Hickenlooper, Ex-Gouverneur von Colorado.

Schon jetzt versucht das Trump-Lager, die Demokraten als Sozialisten zu brandmarken, die allen Flüchtlingen Krankenversicherung und Ausbildung bezahlen, Steuern erhöhen und die USA in ein zweites Venezuela verwandeln wollen. Demonstrativ verkauft der Trump-Shop neuerdings Plastikstrohhalme für 15 Dollar, um „politisch korrekte“ Papierstrohhalme und die Klimaschutz-Konzepte des linken Lagers zu schmähen.

Davon wollen sich Linke nicht abschrecken lassen. Die Bostoner Wahlkampfstrategin Mary Anne Marsh hält Warren aktuell für Bidens größte Konkurrenz, noch vor Sanders. „Sie fährt eine sehr kluge Kampagne und hat den am besten organisierten Apparat von allen“, so Marsh.

Wen auch immer die Demokraten am Ende aufstellen: Ein Selbstläufer wird der Kampf gegen Trump nicht. Zwar hat der US-Präsident mit schlechten Umfrageergebnissen zu kämpfen, aber er ist unter republikanischen Wählern beliebt. Der Albtraum der Demokraten wäre, wenn Trump, ähnlich wie 2016, zwar netto weniger Stimmen bekäme, aber die Mehrheit der Wahlmänner auf sich vereinen könnte.

Ein ähnliches Szenario ist für 2020 nicht ausgeschlossen, sollte Trump in nur wenigen Bundesstaaten mit überwiegend weißer Bevölkerung erneut hauchdünne Siege einfahren. David Wassermann, Experte beim Wahlanalyse-Büro Cook Report, ist sich sicher: „Trump könnte Michigan und Pennsylvania verlieren und trotzdem die Wahl gewinnen.“

Mehr: Die Wahlkampfstrategin glaubt, dass die Demokraten eine weibliche Kandidatin gegen Trump aufstellen und sieht Schwächen in der Kampagne von Joe Biden.

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