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Demokraten im Wahlkampf Joe Biden will US-Präsident Trump ablösen – doch er bekommt kein Feuer in seine Kampagne

Der Ex-Vizepräsident tut sich mit seiner Kampagne schwer. Sechs Monate vor den wichtigen Vorwahlen geraten die Demokraten unter Druck.
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Der 76-jährige Präsidentschaftskandidat steht für den moderaten Flügel der Partei. Quelle: AP
Joe Biden

Der 76-jährige Präsidentschaftskandidat steht für den moderaten Flügel der Partei.

(Foto: AP)

Washington Wenn Joe Biden vor einer Menschenmenge spricht, hören die Leute aufmerksam zu. Sie kennen den früheren Vizepräsidenten von Barack Obama schon lange, er ist ihnen vertraut. Als Biden vergangene Woche auf der Iowa State Fair auftrat, einer Landwirtschaftsmesse mit einer Million Besuchern, lief er zwischen Heuballen hin und her, trug Poloshirt und Sonnenbrille.

„Wir müssen die Seele dieses Landes wieder aufbauen, die unter Hass und Gift des Präsidenten leidet“, sagte er. „Es ist an der Zeit, sich daran zu erinnern, wer in Gottes Namen wir als Nation sind.“ Sätze wie diese lösten Nicken im Publikum aus. Doch von wilder Begeisterung war beim Auftritt des demokratischen Präsidentschaftskandidaten, wie so häufig in letzter Zeit, nur wenig zu spüren.

Seine linke Mitbewerberin Elizabeth Warren dagegen wurde mit Sprechchören begrüßt. Warren, die den progressiven Parteiflügel vertritt, strahlt auf der Bühne weniger Lässigkeit aus als Biden. Oft reißt sie die Arme hoch wie ein Groupie beim Popkonzert. Aber das, was sie sagt, lässt ihre Anhänger in Jubel ausbrechen.

„Es macht mich krank, wenn unser Land besser und besser für immer weniger und weniger Menschen an der Spitze funktioniert“, rief sie in Iowa. „Eine Regierung, die super ist für Menschen mit Geld und Beziehungen, ist nichts anderes als korrupt. Jetzt ist unsere Chance gekommen, uns zu wehren.“

Die beiden Kandidaten könnten, abgesehen von ihrer Altersklasse, unterschiedlicher nicht sein. Der 76-jährige Biden steht für den moderaten Flügel der Partei. Er inszeniert sich in Abgrenzung zu Donald Trump als einende Kraft nach innen und als angesehener Staatenlenker nach außen.

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Die 70-jährige Harvard-Professorin und progressive Senatorin Warren wurde einst im Streit um angebliche indianische Vorfahren von Trump als „Pocahontas“ verspottet. Im Laufe ihrer Karriere verdiente sie sich aber Respekt, unter anderem dafür, dass sie nach der Bankenkrise erfolgreich auf eine Verbraucherschutzbehörde für den Finanzsektor drängte. Ihre Anhänger nennen sie „Die mit dem Plan“.

Im Bundesstaat Iowa, der in der Vergangenheit häufig darüber entschied, wen die Demokraten zum Präsidentschaftskandidaten küren, holte sie in Umfragen zuletzt auf und verringerte den Abstand zu Biden. Die Bewegung im Feld der Favoriten macht das ohnehin unübersichtliche Rennen der Demokraten noch unberechenbarer.

Insgesamt 24 Bewerber buhlen um Aufmerksamkeit und Spendengelder, neben Biden und Warren halten sich der Sozialist Bernie Sanders, die Indo-Afroamerikanerin Kamala Harris und der 37-jährige Kleinstadt-Bürgermeister Pete Buttigieg in den Top fünf.

Der Kandidatenzirkus bindet in der Partei, die im kommenden Jahr Trump bezwingen will, enorme Kräfte. Die Spaltung der Demokraten ist greifbar, ob in der Gesundheits-, Einwanderungs- oder Steuerpolitik. Die Kluft zwischen dem Partei-Establishment und progressiven Meinungsführern ist offen aufgerissen.

Ein Problem der Demokraten im vergangenen Wahlkampf war, dass sich die Partei mit sich selbst beschäftigte, während Trump die Republikaner radikalisierte – und schließlich gewann. Diese Gefahr besteht jetzt erneut, wenn es den Demokraten nicht gelingt, die Reihen zu schließen.

Alles oder nichts

Die kommenden sechs Monate werden darüber entscheiden, ob der moderate Biden tatsächlich die Nominierung sichern kann. Im Februar und März halten mehrere Bundesstaaten Vorwahlen ab, Iowa wird der erste sein. Diese frühen Rennen entscheiden in aller Regel darüber, wer am Ende auf dem Parteitag der Demokraten zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird: Obamas Sieg bei den Iowa-Vorwahlen 2008 katapultierte ihn bis ins Weiße Haus.

Bislang ist Biden der populärste Kandidat in regionalen und bundesweiten Umfragen, aber er gerät zunehmend unter Druck, seinen Spitzenplatz verteidigen zu müssen. Anzeichen, dass sein Momentum an Schwung verliert, gab es in den vergangenen Wochen einige. In den Fernsehdebatten gingen Warren und Harris als Gewinnerinnen hervor.

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