Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Demonstrationen China fordert Loyalität von internationalen Konzernen in der Hongkong-Frage

Peking duldet keine Kritik am Vorgehen in Hongkong. Der Chef der Airline Cathay Pacific musste gehen. Jetzt geraten die weltgrößten Wirtschaftsprüfer in den Fokus.
Kommentieren
Am Sonntag versammelten sich Zehntausende trotz starken Regens im Victoria Park, um ihre Solidarität mit den Protesten auszudrücken. Quelle: AFP
Demonstranten in Hongkong

Am Sonntag versammelten sich Zehntausende trotz starken Regens im Victoria Park, um ihre Solidarität mit den Protesten auszudrücken.

(Foto: AFP)

Peking Als Rupert Hogg, CEO der Hongkonger Luftfahrtgesellschaft Cathay Pacific, am Freitag zurücktrat, berichtete das chinesische Staatsfernsehen CCTV zuerst darüber. Erst knapp eine halbe Stunde später verkündete die Airline in einer Notiz an die Hongkonger Börse den Personalwechsel an der Konzernspitze. Der 57-Jährige übernehme angesichts der „jüngsten Ereignisse“ Verantwortung, teilte die Fluggesellschaft mit.

Vor einer Woche war sein Unternehmen in die Schlagzeilen geraten, weil Mitarbeiter sich an den antichinesischen Protesten in Hongkong beteiligt hatten. Anstelle des Briten Hogg übernimmt nun der Chinese und langjährige Mitarbeiter von Cathay Pacific, Augustus Tang, die Leitung des Unternehmens, an der die britische Swire Group die Mehrheitsanteile hält.

Dessen Vorsitzender, der britische Milliardär Merlin Swire, wurde am vergangenen Montag von der chinesischen Luftfahrtbehörde nach Peking einberufen. Swire sei dabei klargemacht worden, dass es einen Wechsel in der Geschäftsführung geben müsse, berichtet die „South China Morning Post“ unter Berufung auf interne Quellen. Noch am gleichen Tag untersagte Hogg seinen Mitarbeitern, an „illegalen Protesten“ teilzunehmen, sonst drohe der Rausschmiss. Zwei Piloten hatten zuvor deswegen schon ihren Job verloren.

Wie die Piloten stehen auch internationale Unternehmen vor der Frage, auf welcher Seite der Proteste sie stehen. Sie müssen einen Drahtseilakt bewältigen: Verurteilen sie die Gewalt gegen die Demonstranten in Hongkong, riskieren sie, Peking zu verprellen. Auf der anderen Seite beschäftigen sie viele Mitarbeiter, die die Demonstrationen unterstützen.

So gerieten am Freitag auch die vier großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte, Pricewaterhouse-Cooper, EY (Ernst & Young) und KMPG ins Visier der chinesischen Behörden, nachdem diese öffentlich ihre Unterstützung für „ein Land, zwei Systeme“ ausgedrückt und „illegale Handlungen“ sowie die Gewalt verurteilt hatten.

Einige Mitarbeiter der Prüfungsunternehmen hatten sich daraufhin am Donnerstag in einer eigenen Erklärung von ihren Arbeitgebern distanziert. Die anonymen Angestellten warfen der Geschäftsleitung vor, mit solchen Aussagen nur ihren „Eigeninteresse“ dienen zu wollen. Nationalistische Internetnutzer aus China forderten die Unternehmen auf, gegen diese Mitarbeiter Ermittlungen einzuleiten oder sie gar zu entlassen.

Hongkongs reichster Mann legt sich nicht fest

Die Protestanhänger wiederum rufen zum Boykott des Films „Mulan“ auf, der 2020 in die Kinos kommt. Die Hauptdarstellerin Liu Yifei hatte auf Weibo, einer chinesischen Twitter-Version, einen Post mit dem Slogan „Ich unterstütze die Hongkong-Polizei, ihr könnt mich verprügeln. Was für eine Schande für Hongkong“ weitergepostet und darüber selbst geschrieben: „Auch ich unterstütze die Hongkong-Polizei.“ Sie spielte damit auf einen Vorfall an, der sich am Dienstagabend am Flughafen Hongkong ereignet hat, als gewaltbereite Protestteilnehmer einen chinesischen Journalisten gefesselt und malträtiert hatten.

Hongkongs reichster Mann, Li Ka-Shing, will sich derweil nicht festlegen. Wie alle anderen Unternehmer sprach sich auch der 91-Jährige öffentlich gegen Gewalt und Chaos aus – doch seine Botschaft war doppeldeutig.

So war auf einer farbigen Anzeige, in der das Wort für Gewalt durchgestrichen war, der Hinweis zu lesen, dass die besten Absichten zu den schlechtesten Ergebnissen führen können. Auf seiner zweiten Anzeige war nur ein Vers aus einem Gedicht zu lesen: „Die Melone von Huangtai kann die Ernte nicht mehr ertragen.“ In der chinesischen Kultur wird dieser Ausdruck verwendet, um vor den Gefahren einer exzessiven Verfolgung zu warnen. Daraus könnte man herauslesen, dass er Peking nicht dazu rät, noch mehr Gewalt anzuwenden.

Von der lassen sich die Demonstranten in Hongkong bislang nicht einschüchtern. Am Sonntag versammelten sich Zehntausende trotz starken Regens im Victoria Park, um ihre Solidarität mit den Protesten auszudrücken. Die Organisatorin Bonnie Leung sagte: „Wir hoffen, wir können der Welt zeigen, dass Hongkonger Menschen total friedlich sein können.“

Demonstranten fordern Rücktritt von Hongkongs Regierungschefin

Die Unterstützer der Regierung hingegen demonstrierten bereits am Samstag im Tamar Park. Während die Organisatoren behaupteten, dass fast eine halbe Million Menschen erschienen waren, sagte die hiesige Polizei, dass auf dem Höhepunkt der Kundgebung 108.000 Teilnehmer anwesend waren.

Die Proteste in Hongkong halten schon seit mehr als zwei Monaten an. Ausgangspunkt war ein geplantes Gesetzt zu Auslieferungen an China. Millionen Hongkonger gingen darauf auf die Straße. Die Regierung setzte das Gesetz zuerst aus, erklärte es dann für „tot“.

Mittlerweile werfen die Demonstranten der Zentralregierung in Peking vor, die Rechte zu untergraben, die die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong 1997 bei der Rückgabe an China nach der Devise „ein Land, zwei Systeme“ zugestanden bekommen hatte.

Sie fordern die völlige Rücknahme des Gesetzes, den Rücktritt der Regierungschefin Carrie Lam, eine unabhängige Aufklärung der Polizeigewalt, die Freilassung von verhafteten Demonstranten und ein universelles Wahlrecht. In den vergangenen Wochen ist es immer wieder zu gewaltsamen Konfrontationen zwischen den Protestteilnehmern und der Polizei gekommen, die unter anderem mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die zumeist jungen Menschen vorgingen.

Mehr: Trotz Regen folgen viele dem Aufruf zum „Marsch der Millionen“ in die Hongkonger Innenstadt. Am Samstag waren zuletzt 50.000 Menschen auf der Straße.

Startseite

Mehr zu: Demonstrationen - China fordert Loyalität von internationalen Konzernen in der Hongkong-Frage

0 Kommentare zu "Demonstrationen: China fordert Loyalität von internationalen Konzernen in der Hongkong-Frage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote