Demonstrationen gegen die Regierung Tote bei erneuten Protesten im Iran

Im Iran werden die Proteste gegen die Führung und Klerus heftiger. Es gibt immer mehr Tote – darunter nun auch ein Revolutionswächter. Präsident Ruhani mahnt, räumt aber „Mängel“ im politischen System ein.
Update: 01.01.2018 - 22:18 Uhr Kommentieren
Die Proteste werden durch Zerstörung, blinde Wut und Tötungen überschattet. Quelle: AFP
Iran

Die Proteste werden durch Zerstörung, blinde Wut und Tötungen überschattet.

(Foto: AFP)

TeheranBei einer Welle politischer Proteste sind in Iran mehr als ein Dutzend Menschen umgekommen, darunter ein Mann der Revolutionswächter. Präsident Hassan Ruhani räumte ein, dass die Regierung die Lage nicht mehr völlig kontrolliere. Die USA und Israel unterstützten die Proteste und äußerten ihre Hoffnung auf einen politischen Umsturz in Teheran.

Bis zum Montag starben nach Angaben des Staatsfernsehens mindestens zehn Demonstranten in Zentral-, West und Südwestiran. Zudem kamen ein alter Mann und ein Kleinkind bei einem Unfall während der Proteste im westiranischen Dorud um. In sozialen Netzwerken wird behauptet, dass die Polizei in Dutzenden Städten auf die Demonstranten schieße; es habe am Montag erneut Tote gegeben. Die Berichte ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete zunächst, in Nadschafabad in Zentraliran sei ein Polizist von einem bewaffneten Demonstranten ermordet worden, drei weitere seien verletzt worden. Nach neuen Erkenntnissen handelt es sich bei dem Toten um ein Mitglied der Revolutionswächter. Nahe Nadschafabad sei zudem eine Polizeiwache von Demonstranten in Brand gesetzt worden. Dem Staatsfernsehen zufolge wurden in mehreren Städten staatliche Einrichtungen von Bewaffneten attackiert. Angriffe auf Polizeiwachen sowie Militärkasernen seien vereitelt worden. Auch diese Berichte ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Bei einer Krisensitzung am Montag im Parlament erklärte Präsident Ruhani, es wäre ein Fehler, die Proteste nur als ausländische Verschwörung einzustufen. „Auch sind die Probleme der Menschen nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern sie fordern auch mehr Freiheiten.“ Er kritisierte damit indirekt die Hardliner im Klerus, die seine Reformen blockieren. Ruhani zufolge sollten die Proteste nicht als Gefahr, sondern als Chance angesehen werden.

In seiner ersten Reaktion am Sonntag hatte Ruhani aber auch vor Ausschreitungen gewarnt, die die Sicherheit des Landes gefährden könnten. Er rief die Regimekritiker dazu auf, Proteste über legale Kanäle zu beantragen. Dann würde es auch nicht zu Ausschreitungen und Polizeieinsätzen kommen. In sozialen Netzwerken wurde der Vorschlag als Rhetorik bewertet. Das Innenministerium würde nach Meinung vieler Iraner niemals Anträge auf Protestversammlungen genehmigen, die nur ansatzweise Kritik am Establishment üben würden.

Ausland reagiert mit Besorgnis und scharfen Worten
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