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Demonstrationen „Rettet die Studenten, rettet die PolyU“ – Kampf um Hongkong eskaliert

Die Woche in Hongkong beginnt mit gewaltsamen Schlachten zwischen Polizei und Protestierenden. Auch im Geschäftsviertel wird wieder demonstriert.
18.11.2019 - 16:23 Uhr 2 Kommentare

Proteste in Hongkong radikalisieren sich

Hongkong Es ist 12.35 Uhr am Montagmittag als plötzlich mitten im Geschäftsviertel Central von Hongkong schwarz gekleidete junge Frauen rote Pylone auf die Straße zerren. Drei junge Männer tragen Pflastersteine in einer blauen Ikea-Tüte heran und verteilen sie auf der gegenüberliegenden Straße, Autos müssen anhalten.

Umstehende Passanten schauen dem Treiben zu. „Oh nein, es geht los, weg hier“, sagt eine Touristin. Dann geht alles ganz schnell.

Immer mehr Menschen versammeln sich innerhalb von Minuten auf der nun blockierten Kreuzung vor einer Filiale von Louis Vuitton. Es sind junge Männer und Frauen in eng geschnittenen Anzügen, glänzenden Schuhen, schicken Kleidern. Sie kommen gerade von der Arbeit bei einer der umliegenden Großbanken, Beratungsfirmen oder internationalen Unternehmen.

Sie nutzen ihre Mittagspause, um zu protestieren. „Kämpft für die Freiheit“, rufen sie, „Steht Hongkong bei!“ Zwischen den Ausrufen: eine gespenstische Stille. Nur das Brummen der Klimaanlagen in den Hochglanz-Hochhäusern ist zu hören und das Klacken von geworfenen Pflastersteinen auf Asphalt. „Rettet die Studenten, rettet die PolyU“, rufen die mittlerweile mehreren Hundert Demonstranten.

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    Sie sorgen sich um die Protestierenden, die sich seit Samstagnacht ein paar Kilometer weiter eine heftige Schlacht mit der Polizei liefern. Sie halten die Polytechnische Universität besetzt.

    Beide Seiten haben immer stärker aufgerüstet. Die eingekesselten jungen Hongkonger schießen mit Pfeil und Bogen, werfen mit Pflastersteinen und Molotowcocktails und schleudern Wurfgeschosse mit selbst gebastelten Katapulten auf die Polizisten. Die Polizei setzt massiv Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein.

    Mehr als fünf Monate dauern die Proteste in Hongkong inzwischen an. Ursprünglich hatten sich die regierungskritischen Demonstrationen gegen einen inzwischen zurückgezogenen Entwurf für ein Gesetz gerichtet, das es erlaubt hätte, Verdächtige nach China auszuliefern. Doch es geht längst um mehr. Die Protestierenden fordern eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt und freie Wahlen.

    Bereitschaftspolizisten stehen inmitten einer Rauchwolke während Zusammenstößen mit Demonstranten in der Nähe der Polytechnischen Universität im Bezirk Kowloon. Quelle: dpa
    Polizeieinsatz

    Bereitschaftspolizisten stehen inmitten einer Rauchwolke während Zusammenstößen mit Demonstranten in der Nähe der Polytechnischen Universität im Bezirk Kowloon.

    (Foto: dpa)

    Bei den Demonstrationen in Central geht es am Montag friedlich zu. „Ich habe die Proteste von meinem Büro aus gesehen und bin sofort dazugekommen“, sagt ein 25-jähriger Mann, weißes Hemd, polierte Schuhe, Anzughose, der Tim genannt werden möchte. Es ist nicht sein echter Name, er arbeitet bei einer großen amerikanischen Bank, sein Chef weiß nicht, was er in seiner Mittagspause macht.

    Er kennt das Risiko, das er eingeht. „Wir müssen es eingehen“, sagt er, „Weil wir wissen, was richtig und falsch ist.“ Vergangenen Montag war er schon einmal da bei den Mittagspausenprotesten, wie die Demonstranten sie nennen, da hat die Polizei Tränengas verschossen. Mitten im Geschäftsviertel.

    Die Protestierenden verlegen ihre Demonstrationen zunehmend in den Alltag der Stadt. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Mittagspausenproteste im Hongkonger Geschäftsviertel stattgefunden.

    Die Solidarität mit den Protestierenden ist bei vielen noch groß – trotz der erheblichen Beeinträchtigungen des Alltags. Der Protest in Central wird nach wenigen Stunden von Polizisten in Kampfausrüstung aufgelöst. Nach Feierabend machen sich weitere Hunderte Menschen, einige noch in Bürokleidung, auf in Richtung Polytechnische Universität, um die Protestierenden zu unterstützen.

    Nach dem Tod eines Demonstranten hatten die Proteste vergangene Woche eine neue Eskalationsstufe erreicht, als Protestierende insgesamt vier Universitäten besetzt hatten, Straßen blockierten und sich über Stunden gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten.

    An der Polytechnischen Universität: Ein Demonstrant bewaffnet mit Pfeil und Bogen. Quelle: dpa
    Zusammenstöße an der Uni

    An der Polytechnischen Universität: Ein Demonstrant bewaffnet mit Pfeil und Bogen.

    (Foto: dpa)

    Am Samstag blieb es zunächst ruhig, die Protestierenden zogen sich von drei der vier besetzten Universitäten zurück. Samstagnacht begann die Schlacht um die Polytechnische Universität.

    Einen kleinen Sieg konnten die Protestierenden am Montag immerhin davontragen. Das Hohe Gericht in Hongkong lehnte das von der Hongkonger Regierung erlassene Vermummungsverbot als verfassungswidrig ab.

    Die Proteste beeinträchtigen immer mehr den Alltag der Hongkonger. Viele U-Bahn-Stationen sind dauerhaft gesperrt, ein wichtiger Tunnel ist seit Tagen blockiert. Überall in der Stadt sind die Kämpfe der vergangenen Monate zu sehen, verbrannter Asphalt, riesige Löcher in den Bürgersteinen, dort, wo die Protestierenden Pflastersteine rausgerissen haben.

    Auch die Wirtschaft ist immer stärker betroffen und gerät zum Teil in die Schusslinie der Proteste. Mitarbeiter kommen nicht zur Arbeit und müssen von zu Hause aus arbeiten.

    Viele Geschäfte haben wegen der unsicheren Situation geschlossen, chinesische Banken und die Filialen regierungstreuer Unternehmen sind verbarrikadiert mit Spanplatten. Protestierende hatten die Geschäfte attackiert, die Scheiben kaputtgeschlagen. Am Montag geriet die britische HSBC unter Beschuss, nachdem Medien berichtet hatten, sie habe ein Konto gesperrt, das dazu verwendet wurde, Spenden für die medizinische Versorgung der Protestierenden zu sammeln. Im Internet wurde die Bank beschuldigt, vor Peking eingeknickt zu sein und das Konto aus politischen Gründen geschlossen zu haben.

    Auf Handelsblatt-Anfrage wollte sich die Bank nicht zu dem speziellen Konto äußern. Eine Sprecherin verwies allerdings darauf, dass HSBC regelmäßig die Konten ihrer Kunden überprüfe. „Wenn wir Aktivitäten feststellen, die von dem ursprünglich angegebenen Zweck des Kontos abweichen, oder Informationen fehlen, überprüfen wir selbstständig alle Aktivitäten, was auch zu einer Schließung des Kontos führen kann“, so die Sprecherin.

    Mehr als fünf Monate dauern die Proteste in Hongkong inzwischen an. Quelle: dpa
    Protest in Hongkong

    Mehr als fünf Monate dauern die Proteste in Hongkong inzwischen an.

    (Foto: dpa)

    Die Proteste werden immer mehr zum Problem auch für internationale Firmen. So musste Apple harsche Kritik einstecken, nachdem das Unternehmen eine App aus seinem Store entfernt hatte, die Protestierende vor Polizeieinsätzen warnte. 

    Am 24. November sollen in Hongkong Kommunalwahlen stattfinden. In der Stadt hängen vereinzelt Wahlplakate der Kandidaten. Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass die Wahlen möglicherweise abgesagt werden könnten. Beobachter rechnen in diesem Fall mit noch heftigeren Ausschreitungen. Am Montag sagte ein Vertreter der Hongkonger Regierung jedoch laut dem lokalen Rundfunksender RTHK, dass die Ereignisse des Wochenendes die Chancen verringert hätten, dass die Wahl abgehalten werden könne.

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    2 Kommentare zu "Demonstrationen: „Rettet die Studenten, rettet die PolyU“ – Kampf um Hongkong eskaliert"

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    • Die Protestierenden saegen den Ast ab auf dem sie sitzen. Und die Mehrheit der Bevoelkerung wird sich damit nicht solidarisieren.

    • Liebe Frau Heide, ich war vor 4 Wochen in China und HongKong auf Geschäftsreise.
      Ich wollte Chinesen auf Menschenrechte ansprechen, aber man konterte gut informiert, dass Menschen aus Ländern nicht über Menschenrechte diskutieren sollten, bei denen Frauen gruppenvergewaltigt werden, Menschen mit Äxten in der Öffentlichkeit attackiert und ermordert werden etc. Man meinte Deutschland; nicht zu glauben.

      In HongKong haben Aktivisten=Kriminelle Gewalttäter aus der ganzen Welt, vorwiegend Europa, in meinem Hotel gewohnt. Fast alle HongKong Chinesen die ich getroffen haben, konnte sich mit den Aktivisten vor Ort nicht mehr idetifizieren, schon gar nicht mit der ausufernden Gewalt, die in keinem Verhältnis zu den Forderungen stehen.

      Leifern sie also das was ihre Auftraggeber verlangen oder sehen sie auch die andere Seite ?

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