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Der Einsatz von Tasers: Auch deutsche Fahner testen die Waffe. Der Elektroschocker

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Auch in Deutschland loben Experten die Waffe. Reinhard Fallak, der für den Hamburger Innensenator arbeitet, hebt ihre spezielle Wirkung hervor, „angreifende und aggressive Personen in kürzester Zeit so außer Gefecht zu setzen, dass sie zu keiner gezielten Aktion mehr fähig sind, den Polizeieinsatz aber weitestgehend unbeschadet überstehen“. Der Taser schließe „die Lücke zwischen Schlagstock und Pistole“.

So weit die Theorie. In der Praxis nutzte die deutsche Polizei den Taser bisher meist nur dann, wenn es darum ging, Lebensmüde vor sich selbst zu schützen. Anfang Februar aber lief ein solcher Einsatz schief. In Berlin schoss ein SEK-Beamter mit dem Taser auf einen Mann, der aus dem neunten Stock eines Hochhauses springen wollte. Doch die Wirkung der Waffe blieb aus. Der Selbstmörder stürzte sich in die Tiefe und starb. Derzeit ermittelt der Staatsanwalt.

Seit dieser Panne in Berlin will die Polizei den Taser, der zwischen 600 und 1 200 Euro kostet, vor weitergehenden Einsätzen nochmals genau prüfen. Offiziell warten alle auf einen gemeinsamen Beschluss der Innenministerkonferenz. Lutz Hansen, Berliner Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter und Inspektionsleiter bei der Berliner Polizei, stellt aber schon jetzt klar: „Es soll nicht jeder Beamte auf der Straße so ein Ding dabeihaben, sondern wirklich nur Einheiten, die regelmäßig zu gefährlichen Situationen gerufen werden.“

Zu den Taser-Kritikern gehört Amnesty International (AI). Nach Angaben der Menschrechtsorganisation sind in den USA bisher 70 Todesfälle zumindest indirekt mit Taser-Einsätzen in Verbindung zu bringen. Für die Getöteten könnte der Stromschlag zu heftig gewesen sein. Vor allem Herzkranke sowie unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehende Menschen würden bei Taser-Einsätzen offenbar besonderen Risiken unterliegen, sagt Mathias John von AI Deutschland. Dagegen stehen Studien renommierter Unikliniken und Forschungsinstitute, die dem Taser ein „extrem geringes Verletzungsrisiko“ bescheinigten, wie es Experten der University of Missouri-Columbia nach Taserversuchen mit Tieren formulierten.

Doch genau diese behauptete gesundheitliche Unbedenklichkeit der Waffe hat sich in den USA als Problem erwiesen: Viele Beamte greifen vorschnell zum Elektroschocker. So zielten die Beamten auf einen Ladendieb, der mit dem Fahrrad und vier Suppendosen auf der Flucht war, auch auf einen Betrunkenen, der sich weigerte, eine Kneipe zu verlassen. In New York verklagte vergangenen Herbst eine Familie die Polizei von Southampton Village, nachdem ein behinderter Mann, der wiederholt getasert worden war, gesorben war. Die Beamten wollten ihn davon abbringen, auf der Straße herumzuschreien. Rechtsanwältin Jennifer Nye kritisiert: „Inzwischen wird der Taser hier zu Lande aber vor allem angewandt, um Folgsamkeit zu erzwingen.“

Mitarbeit: F. Schönauer, London

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