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Rory Stewart

Eton, Oxford, Militär, diplomatischer Dienst, MI6, Harvard, Unterhaus.

(Foto: AP)

Der Kampf um den Tory-Parteivorsitz Vom Außenseiter zum Premierminister? Der überraschende Aufstieg des Rory Stewart

Rory Stewart ist der Shooting-Star im Rennen um den Posten des Premiers. Sein Lebenslauf liest sich derart spannend, dass dagegen sogar Favorit Boris Johnson blass wirkt.
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LondonNoch vor wenigen Tagen hatten wohl die wenigsten Briten mit diesem Ergebnis gerechnet. Außenseiter Rory Stewart hat im Rennen um den Posten des britischen Premiers auch die zweite Abstimmungsrunde am Dienstag überstanden. Mit 37 Stimmen ließ er sogar einstige Mitfavoriten wie Innenminister Sajid Javid und Ex-Brexit-Minister Dominic Raab hinter sich.

Der 46-jährige Entwicklungshilfeminister ist die große Überraschung dieses Wahlkampfs. Mit geschickter Selbstvermarktung hat er es unter die letzten fünf Kandidaten geschafft und durfte am Dienstagabend an der zweiten TV-Debatte teilnehmen. Im Fernsehen lieferten sich die Bewerber einen offenen Schlagabtausch, wobei sich alle fünf Kandidaten ständig gegenseitig unterbrachen und gleichzeitig redeten.

Seinen wachsenden Fanclub dürfte das nicht gestört haben. Seine Anhänger schätzen, dass er alte Gewissheiten in der Partei in Frage stellt. Stewart hält einen ungeordneten Brexit nicht für einen Beweis britischer Stärke, sondern für „kompletten Unfug“. Und Steuersenkungen sind aus seiner Sicht kein Allheilmittel, um die Wirtschaft anzukurbeln, sondern angesichts der angespannten Finanzlage im Moment vor allem „verantwortungslos“.

Stewart inszeniert sich als Realist, der keine falschen Versprechungen macht. Stattdessen gefällt er sich darin, die Brexit-Illusionen seiner Partei zu kritisieren. Das ist nicht populär an der konservativen Basis, und deshalb wird Stewart sehr wahrscheinlich auch nicht Premierminister. Doch seine Kampagne entwickelt seit Tagen den größten Schwung von allen Kandidaten.

Pro-Europäer hoffen, dass Stewart den derzeit in den Umfragen klar führenden Bewerber Boris Johnson womöglich doch noch stoppen kann. Das würde in ihren Augen die Gefahr eines ungeordneten Brexits senken.

Neben dieser klaren Haltung profitiert Stewart auch von der britischen Vorliebe für Außenseiter. Zum Vergleich: Johnson hat mehr als dreimal so viele Abgeordnete hinter sich versammelt wie Stewart. Auch bei den 160.000 Parteimitgliedern ist der Brexit-Wortführer der unangefochtene Favorit. Stewart kontert mit einer sehr direkten Ansprache der Wähler, und das vorwiegend mit Gesprächen am Rande ausgedehnter Spaziergänge. Die Videos von diesen Begegnungen stellt er dann ins Internet. Und dominiert mit diesem einfachen Mittel oft die politische Diskussion in den sozialen Medien.

Zum Schulabschluss ließen sie den Teenager in Öl malen

Hinzu kommt ein Lebenslauf, der Aufmerksamkeit erregt und selbst den extrovertierten Johnson blass aussehen lässt. Vor seinem Abgeordneten-Dasein war Stewart schon Nachhilfelehrer von Prinz Harry, Offizier in der britischen Armee, Chef einer Nichtregierungsorganisation in Afghanistan, Bestseller-Autor und Harvard-Professor. Sogar Geheimagent beim MI6 soll er gewesen sein – wofür es allerdings keine offizielle Bestätigung gibt. In diese Reihe würde sich das Amt des Premierministers bestens einfügen.

Schon seine Lehrer am Eton College ahnten wohl, dass dem Jungen später eine bemerkenswerte Karriere gelingen könnte. Zum Schulabschluss ließen sie den Teenager in Öl malen – eine Ehre, die nur den besten Absolventen der Eliteschule zuteil wird. Auch zu seinem Namen Roderick Stewart gibt es eine hübsche Anekdote. Weil es mit dem Sänger Rod Stewart damals schon einen Prominenten mit dem gleichen Namen in Großbritannien gab, entschied er sich für den Spitznamen Rory.

Wie sein großer Rivale Johnson auch gehört Stewart dem Establishment an: Eton, Oxford, Militär, diplomatischer Dienst, MI6, Harvard, Unterhaus: Konservativer geht es kaum.

Zugleich pflegt Stewart aber auch sein Image als unkonventioneller Zeitgenosse. 2005 veröffentlichte er ein Buch über eine dreißigtägige Wanderung durch Afghanistan. Insgesamt war er sogar 19 Monate zu Fuß unterwegs, auch in Iran, Pakistan, Nepal und China.

Seine Kritiker werfen ihm vor, Stewart sei in der falschen Partei. Tatsächlich scheint er bei Anhängern von Labour und Liberaldemokraten populärer als bei den Tories. Seine Ansichten sind zu liberal und weltmännisch für eine konservative Partei, in der seit Jahren ein engstirniger Nationalismus dominiert. Stewart gilt als EU-Freund, obwohl er sich klipp und klar für den Brexit ausspricht und dreimal für Theresa Mays Ausstiegsvertrag gestimmt hat.

Sollte der Außenseiter bis Donnerstag tatsächlich noch die vor ihm liegenden Kandidaten Jeremy Hunt und Michael Gove überholen und ins Finale gegen Johnson einziehen, hätte er deutlich mehr erreicht, als die meisten Experten prophezeit hatten. Brexit-Wortführer Johnson aber bleibt klarer Favorit der Parteibasis. Seinen Sieg scheint ihm keiner mehr nehmen zu können – nicht einmal ein exzentrischer Ex-Geheimagent.

Mehr: Am Dienstagabend trafen sich die Kandidaten für den Tory-Vorsitz zu zweiten TV-Debatte. Lesen Sie hier mehr über die chaotische Diskussion.

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1 Kommentar zu "Der Kampf um den Tory-Parteivorsitz: Vom Außenseiter zum Premierminister? Der überraschende Aufstieg des Rory Stewart"

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  • Toll, Eddie Redmayne wird vielleicht Premier.

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