Der Papst tritt zurück Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet

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„Großer Mut und Selbstreflexion nötig“

16:18 Uhr Ende der deutschen Karrierehoffnungen

Für ein weiteres Konsistorium zur Ernennung weiterer Kardinäle fehlt die Zeit. Benedikt hatte erst Ende 2012 die Zahl der Kardinäle aufgestockt und dabei eine frühere „Europa-Lastigkeit“ in dem Kollegium leicht verändert: Unter den 120 Kardinälen, die nach den letzten Ernennungen jünger als 80 Jahre waren und damit einen Pontifex wählen dürften, waren die Europäer mit 62 immer noch in der knappen Mehrheit. Damit dürften auch keine weiteren Deutschen noch unter Benedikt zu Kardinälen erhoben werden, also auch nicht sein Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, oder der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller.

Benedikt XVI. – der Papst, der aneckte
Papst Benedikt XVI. gibt Pontifikat am 28. Februar auf
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Entscheidungen von Papst Benedikt XVI. haben in seiner Amtszeit immer wieder für Unverständnis und Empörung gesorgt. Die umstrittensten davon im Überblick...

Papst Benedikt XVI. gibt Pontifikat am 28. Februar auf
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12. September 2006: Die "Regensburger Rede" des Papstes führt zu einem Entrüstungssturm in der islamischen Welt. Der Papst hatte aus einem Schriftstück des 14. Jahrhunderts zitiert, in dem es heißt, Mohammed habe der Welt "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht.

Papst Benedikt XVI.
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27. Juni 2007: Als Zugeständnis an die Traditionalisten befürwortet der Papst Gottesdienste im traditionellen Ritus und hebt damit rund 40 Jahre alte Beschränkungen auf. In der "tridentinischen Messe" spricht der Priester Latein und wendet der Gemeinde den Rücken zu (Foto). Mit seinem Schritt weckt der Papst Befürchtungen, er wolle auch andere Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils rückgängig machen.

Leute-News: Benedikt XVI.
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10. Juli 2007: Der Vatikan bekräftigt den Anspruch der Katholischen Kirche als einzig wahre Kirche und löst damit eine Welle des Zorns aus. Andere christliche Vereinigungen wie die Protestanten seien "keine Kirchen im eigentlichen Sinn", heißt es in einem von Benedikt ausdrücklich gebilligten Dokument.

Bischofskonferenz-Vorsitzender Zollitsch: Jesus waere heute bei Facebook und Twitter
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5. Februar 2008: Der Papst führt eine Sonderform der umstrittenen Karfreitagsfürbitte ein. Darin heißt es übersetzt: "Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen." Nach Ansicht von Kritikern wird damit - indirekt - zur Missionierung der Juden aufgerufen

Papst Benedikt XVI. bei Mitternachtsweihnachtsmesse im Petersdom
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24. Januar 2009: Nach über 20 Jahren hebt Papst Benedikt die Exkommunizierung von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbrüderschaft auf, welche vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet worden war. Unter ihnen ist auch der britische Bischof Richard Williamson (Foto), der den Holocaust leugnet.

Rueckblick 2012: Februar
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11. Februar 2013: Der Papst gibt bekannt, sein Amt zum Ende des Monats niederzulegen. Er habe nicht mehr genug Kraft. In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es zuvor nur einen einzigen Rückzug aus freien Stücken: Papst Coelestin V. gab am 13. Dezember 1294 nach nur fünf Monaten freiwillig sein Amt auf. Er war völlig überfordert.

16:15 Extra-Programm für die letzten Tage als Papst

In den letzten Wochen seines Pontifikats hat Benedikt nur noch ein kleines Programm, das ganz auf die Fastenzeit vor Ostern ausgerichtet ist. So wird Benedikt auf dem römischen Hügel Aventin die Aschermittwochsliturgie feiern. Dazu kommen die traditionellen Angelus-Gebete am Sonntag und die Generalaudienzen am Mittwoch.

16:10 Kein Plan B für Ostern

Für das Osterprogramm gebe es keinen „Plan B“. Laut Vatikan-Sprecher Federico Lombardi geht der Heilige Stuhl davon aus, dass im März ein neuer Papst gewählt wird, der dann auch das Osterfest feiert. Im Ernstfall könnte aber auch Kardinalsdekan Angelo Sodano oder Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone dieses übernehmen.

16:02 Uhr „Für Benedikt sind Muslime Teil der deutschen Gesellschaft“

Die Ditib als größter islamischer Dachverband in Deutschland hat den Papst als Förderer des Dialogs unter den Religionen gewürdigt: „Das interreligiöse Gespräch war ihm ein Anliegen und so hat er zu verschiedenen Anlässen dessen Bedeutung ausdrücklich betont.“ Für Benedikt XVI. seien Muslime selbstverständlich Teil der deutschen Gesellschaft.
15:54 Uhr Evangelische Kirche dankt für theologische Gespräche

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider sagt, er denke vor allem an die Begegnung mit dem Papst 2011 in Erfurt zurück, wo dieser das Wirken des Reformators Martin Luthers gewürdigt habe. Die EKD danke dem Papst für alle theologischen Gespräche und Diskussionen. „Ich wünsche Papst Benedikt nun von ganzem Herzen erfüllte Jahre, die er ohne die Bürde des Amtes verleben möge.“ Es gehöre zum Maß des Menschlichen, dass Ämter nur auf Zeit wahrgenommen werden.

15:50 Uhr Weitere Reaktionen aus Politik und Kirche

  • Bundespräsident Joachim Gauck: "Für diesen historisch höchst seltenen Entschluss sind großer Mut und Selbstreflexion nötig ... Benedikt XVI. war als Papst der ganzen Welt verpflichtet, aber er blieb auch im Herzen immer mit seiner Heimat verbunden, das konnten wir bei seinen Besuchen in Deutschland spüren."
  • FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle: "Die Menschen in Deutschland, auch diejenigen, die nicht katholischen Glaubens sind, hatten während seines Pontifikats das Gefühl: 'Wir sind Papst' ... Er hat sich um die Ärmsten dieser Welt gekümmert und immer den Dialog auch mit Andersgläubigen gesucht."
  • SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Unvergessen ist sein Deutschlandbesuch im Jahre 2011 und die vorsichtige Öffnung zu den Kirchen der Reformation ... Ich als Protestant wünsche mir, dass die katholische Kirche unter seinem Nachfolger diesen Weg der Öffnung mit Nachdruck weiter verfolgt."
  • Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin: "Papst Benedikts Eintreten für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und gegen Hunger und Armut sind ausdrücklich zu würdigen. Mit vielen anderen Positionen, wie etwa zur Empfängnisverhütung und zur Homosexualität, sind wir Grüne nicht einverstanden."

14:58 Uhr Bis der weiße Rauch aufsteigt

„Unvorstellbare Intrigen“
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40 Kommentare zu "Der Papst tritt zurück: Die Nachfolge-Debatte ist eröffnet"

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  • Na ja - wenn E.Stoiber sagt, daß Papst Benedikt die herausragendste Persönlichkeit in der 1000-jährigen bayrischen Geschichte ist...kann es mit dieser Historie nicht weit her sein...was hat Papst Benedikt denn konkret bewegt? Oder hat unser Edmund einfach keine Ahnung? Sicher mit den letzten verblödeten Wittelsbachern (Ludwig und Otto )war " kein Staat zu machen"-aber gab es in 1000 Jahren sonst nichts weiter?
    Warscheinlich muß man dafür in Bayern geboren sein, mir fallen etliche Nobelpreisträger aus Bayern ein...die sind aber dann aber schlichtweg nicht " herausragend "wie ein Papst...vielleicht auch nicht in Bayern geboren...aber die haben etwas geleistet...in Bayern geforscht und gearbeitet--Röntgen ,Fischer,Deisenhofer,Huber,Lynen etc.
    An diese Leute denken wir öfter-spätestens , wenn wir beim Arzt oder Zahnarzt sitzen( Röntgen) - an Benediktus denkt vermutlich in wenigen Jahren kein Mensch mehr.

  • Eine einmalige Chance, dem Projekt "Weltethos" zum Durchbruch zu verhelfen. Am besten ist dies mit basisdemokratischen Strukturen umsetzbar. Hans Küng sollte diesen Prozess koordinieren und alle Religionsführer ins Boot holen.

    Dann werden alle Gemeinsamkeiten der Weltreligionen zum Wohle aller vertreten. Endlich wäre Schluss mit den Kämpfen Islam gegen Christentum, Judentum oder Buddhismus....man würde sich auf die Gemeinsamkeiten besinnen und die Welt wäre wenigstens von den religiösen Konflikten befreit.

    Sind wir denn nicht endlich reif für diesen Fortschritt???

  • Wieso äußern sich die Grünen und die Linken kritisch über Papst Benedikt?
    Viele Leute bezeichnen die Grünen und die Linken als unchristlichen Haufen. Wer die Kirche meidet, soll gefälligst auch nicht urteilen. Es ist wieder mal typisch grünes und linkes Verhalten, nichts am Hut mit der Kirche, aber oppositionell quer schießen. Ich bezeichne sie eher als einen unqualifizierter Haufen.

  • Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, ist Gott nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten. Er legt Wert auf die Tatsache, daß er nie Mitglied war.

  • @Gast
    Ooooch, laß doch den Heinz. Irgendeiner muß doch für etwas Stimmung sorgen an so einem betrüblichen Tage : )

  • Wer ist denn Claudia Roth, dass sie in der katholischen Kirche irgendwas zu fordern hätte?

  • "...weil auch kurz davor, ich den Taufnamen Benedikt angenommen hatte!"

    Mensch Arn, da wärst du also fast Papst geworden. Donnerknispel! Kannst jetzt einen neuen Anlauf machen, Stuhl ist frei geworden.

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