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Deutsche Sanktionen gegen Nordkorea Wie Touristen in Berlin Kim Jong-Un finanzieren

Deutschland zieht im Streit um Pjöngjangs Atomprogramm die Daumenschrauben für Nordkorea enger. Mit einer Maßnahme, die vor allem Jugendliche aus Europa trifft, verschärft Berlin die Sanktionen gegen Kim Jong-Uns Regime.
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Kim Jong-Un: Diktator und jetzt auch Hotelier?

Berlin Viele junge Menschen füllen die Kassen des Raketen-Bauers Kim Jong-Un – ohne es zu wissen. Das City Hostel in Berlin-Mitte ist eine beliebte Absteige vor allem bei jungen Europäern, die in der In-Metropole Berlin billig ein paar Tage verbringen wollen. Nun droht das Aus. Denn das Hostel dient als Devisen-Einnahmequelle für das klamme Nordkorea: Das Hostel steht auf dem üppigen Gelände, in einem Teil des Gebäudes der Botschaft Nordkoreas. Genau dort im Herzen Berlins, wo Helmut Kohl einmal die neue CDU-Zentrale bauen ließ, die die Union dann nie bezog – dafür Wirtschaftsverbände und zwischenzeitig auch einmal die deutsche Staatsbank KfW.

Im 1970er-Jahre Plattenbau entfaltet sich ein besonderer Charme mit Hochbetten, Billard-Tisch, Nudel-Partys und unverzolltem Alkohol. 17 Euro pro Nacht in einem Bett in den 4- bis 8-Bett-Zimmern sollen Touristen dafür bezahlt haben. Nach einem Bericht von „Süddeutscher Zeitung“, WDR und NDR soll ein Geschäftsmann monatlich 38.000 Euro Pacht an die nordkoreanischen Vertretung gezahlt haben.

Eine Rakete für den Diktator
Kim Jong-Un lässt sich von seinem Militär feiern
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Kim Jong-Un lässt die Raketentests in Nordkorea gut inszenieren: Hier feiert der Diktator am Tag nach dem nordkoreanischen Raketenabschuss im vergangenen Sommer seinen bisher „größten Erfolg“.

(Foto: AP)
Abschuss der Rakete
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In einer Augustnacht hatte ein nordkoreanisches U-Boot die Testrakete vor der Ostküste des Landes abgefeuert. Laut Militär flog die Rakete knapp 500 Kilometer weit, bevor sie im japanischen Meer versank.

(Foto: AP)
Die Propaganda läuft
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Am Tag nach dem Raketentest folgt die Provokation: Nordkorea habe die Ausrüstung, um einen nuklearen Angriff zu starten – auch auf das amerikanische Festland, verkündet Kim Jong-Un im Staatsfernsehen.

(Foto: AP)
Nachbarländer kritisieren den Start
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Der Raketentest hatte insbesondere bei den Nachbarn Japan, China und Südkorea heftige Kritik ausgelöst. Uno-Resolutionen verbieten dem kommunistischen Regime in Pjöngjang Tests ballistischer Flugkörper.

(Foto: Reuters)
„Volle Fähigkeit für einen Atomangriff"
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Nordkorea habe sich dem Abschuss der ballistischen Rakete „in die erste Reihe der Militärmächte eingefügt, die die volle Fähigkeit für einen Atomangriff haben“, wurde der Machthaber Nordkoreas zitiert.

(Foto: Reuters)
Nordkorea wird schlagkräftiger
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Gute Laune bei Kim Jong-Un und seinen Militärs: Nordkorea habe offenbar technische Fortschritte gemacht, hieß es auch aus dem Nachbarland Südkorea.

(Foto: Reuters)
Kim Jong-Un droht mit nuklearem Erstschlag
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Der Test erfolgte nur zwei Tage nach dem Beginn jährlicher Militärübungen der USA mit Südkorea. Im Vorfeld drohte Nordkorea „beim kleinsten Anzeichen einer Aggression“ mit einem nuklearen Erstschlag.

(Foto: AP)

Damit soll nun Schluss sein. Denn nach dem fünften Atomtest seines Regimes hat der Weltsicherheitsrat im November 2016 den Uno-Mitgliedstaaten solche Vermietungsgeschäfte Nordkoreas untersagt. Dem Diktator Kim Jong Un sollen so die Gelder für sein Atom- und Raketenprogramm gekappt werden. In der Resolution heißt es unter anderem: „Alle Mitgliedstaaten sollen es Nordkorea verbieten, Immobilien, die es auf ihrem Staatsgebiet besitzt oder pachtet, für andere Zwecke als diplomatische oder konsularische Tätigkeiten zu nutzen.“

Die Bundesregierung reagiert nun offenbar auf Druck aus Südkorea und den USA, die Herberge an der Berliner Glinkastraße zu schließen: Wenn ein Unternehmen, etwa der Hostel-Betreiber, gegen die Sanktionen verstößt, dann muss er künftig mit einem Bußgeld rechnen. Grundlage dafür ist die Novellierung eines entsprechenden Bundesgesetzes durch das Bundeswirtschaftsministerium, das damit eine EU-Verordnung vom 27.Februar umgesetzt hat. Das teilte das Ministerium dem Handelsblatt auf Anfrage mit.

Martin Schäfer, Sprecher des Auswärtigen Amts betonte am Mittwoch, dass es sich dabei ausdrücklich um eine gemeinsame Maßnahme der gesamten Bundesregierung handele. Kommerzielle Aktivitäten seien nach dem Beschluss des Sicherheitsrats ausdrücklich untersagt. Die beanstandeten Aktivitäten Nordkoreas in Berlin – Schäfer nannte das City Hostel – erfüllen „eindeutig den Tatbestand, dass es sich eben nicht um diplomatische oder konsularische Aktivitäten handelt“. Die jetzt eingeleitete Maßnahme sei eine Beteiligung an der Erhöhung des Druckes auf Nordkorea durch die Eindämmung von Investitionsmitteln.

Deutschland war im Zugzwang die Sanktionsbeschlüsse der UN von Ende November 2016 umzusetzen, heißt es in Berlin. Eigentlich hätte die Schließung sogar schon Ende Februar passieren müssen. Es habe aber noch zur juristischen Absicherung dieses Schritts die sogenannte Außenwirtschaftsverordnung geändert werden müssen Die Nordkoreaner können laut Regierungskreisen nun rechtsstaatlich dagegen klagen. Ob Pjöngjang dies tut, bleibt abzuwarten.

Pjöngjang – Tristesse in Grau
Bauklotz-Tristesse
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Wie unsortiert aufgestellte Bauklötze ragen die Hochhäuser in Pjöngjang in die Luft. Viele von ihnen sind trotz den frischen Anstrichen heruntergekommen, einige wirken gar verwahrlost.

(Foto: dpa)
Bunt und doch verwahrlost
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Knapp 2,9 Millionen Nordkoreaner leben in der Hauptstadt Pjöngjang, die zugleich auch die größte Stadt des Landes ist. Viele von ihnen leben unter der Armutsgrenze.

(Foto: dpa)
Ungepflegte Häuser sind normal
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Betrachtet man die Häuser aus der Nähe, sieht man, wie ungepflegt die Wohnblöcke aussehen. Umgerechnet gerade einmal 100 Euro verdient ein durchschnittlicher Arbeiter. Zu wenig, um das eigene Zuhause zu renovieren.

(Foto: dpa)
Besserung in kleinen Schritten
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Dabei sieht die Stadt heute moderner und oftmals gepflegter aus als noch vor zehn Jahren. In diesem Viertel etwa leben besser verdienende Schichten, wie etwa Wissenschaftler und Ingenieure. Vereinzelt sind auch Autos zu sehen. Ein Bild, das die Verantwortlichen vermutlich gerne nach außen dringen lassen.

(Foto: dpa)
Im Netz
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Seit einigen Jahren gibt es in der Diktatur sogar Zugänge zu Computern und auch dem Internet. Knapp 7.000 Menschen surfen regelmäßig, weniger als 50 Internetadressen sind verfügbar.

(Foto: dpa)
Prunk nach außen
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Besonders stolz ist die Regierung in Nordkorea auf die modernen sauberen Metrostationen in Pjöngjang. Die Metro gilt als eine der tiefsten der Welt.

(Foto: dpa)
Grau, Grauer, Pjöngjang
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Abseits der Propagandabilder von Metrostationen und moderner Technik bietet sich das wahre Bild von Pjöngjang: Graue Tristesse, eingehüllt in grau-weißen Smog, der sich über die Plattenbauten der Stadt legt. Im Mittelpunkt des Fotos: Das Monument der Parteigründung.

(Foto: dpa)

Insgesamt will Deutschland im Konflikt  auf der koreanischen Halbinsel verstärkt Flagge zeigen und wird das in den nächsten Wochen auch noch auf höchster Ebene deutlich machen. Der Pächter oder ein anderer Verantwortlicher waren am Mittwochmorgen nicht zu sprechen. Die Angestellten können – oder dürfen – nichts dazu sagen. Aber eine Gruppe Schüler unterhält sich nach einem Bericht des Berliner „Tagesspiegels“ im Foyer des Hostels gerade über die Geschichte, von der sie in der „Tagesschau“ gehört hat. Die Zehntklässler aus Münster sind in Berlin auf Abschlussfahrt. „Anders fühle ich mich hier jetzt nicht“, sagt der 16-Jährige Lars. „Aber freiwillig würde ich diese Diktatur niemals unterstützen!“ Finde sich keine andere Möglichkeit, sollte man das Hostel auf jeden Fall schließen, findet er. Klassenlehrer Arno Stratmann sagt, er habe bei der Buchung nichts von der finanziellen Verbindung zu Nordkorea gewusst – sonst hätte man sicher woanders eine Unterkunft gefunden.

Die USA drohen Nordkorea inzwischen mit militärischen Mitteln, sollten die Atomversuche nicht beendet werden. In Südkorea wurde ein US-Raketenabwehrsystem installiert und gemeinsam ein Großmanöver abgehalten. China soll nach dem Willen Washingtons stärker Druck auf Nordkorea ausüben. Peking ist Pjöngjangs mit Abstand wichtigster Wirtschaftspartner. Die USA befürchten, dass Kim alle sechs bis sieben Wochen einen neuen Atomsprengkopf bauen lässt.

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2 Kommentare zu "Deutsche Sanktionen gegen Nordkorea: Wie Touristen in Berlin Kim Jong-Un finanzieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Verbieten des Hostels in Berlin ist dumm und kurzsichtig. Glaubt jemand wirklich , dass mit den paar Devisen ein Atomraketen Programm auf die Beine gestellt werden könnte? Das ist nur eine Ausrede von unserer Merkel Regierung , die auf Druck der USA gehorsam handelt.
    Der nordkoreanische Diktator kann von heute auf morgen verschwinden. Koreaner sind niemals sehr zimperlich mit ihren Mächtigen, wenn sich einige nadere Mächtige zusammen tun. Man sollte bei uns auch an die nordkoreanische Zivilbevölökerung denken. Was für eine Schuld haben die meisten Nordkoreaner? Was für eine Schuld haben die meisten Deutschen wegen Hitler gehabt? Nichts ist schlimmer als eine Pauschalverurteilung eines unterjochten Volkes.

  • Komisch, dass hier keiner kommentiert. Normalerweise gibts doch auch jede Menge Russland-Fans hier. Wieso keine für Nord-Korea? Ist doch ein tendenziell ähnliches Land - in Sachen internationaler Isolation.

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