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Deutscher Astronaut Alexander Gerst – Held der Raumfahrt, Held der Wissenschaft

„Astro Alex“ bringt nicht nur die Faszination an der Raumfahrt zurück, sein Blick von außen zeigt die Probleme der Welt. Die Persönlichkeit der Woche
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Aus dem All über Kachsastan zurück nach Köln. Quelle: dpa
Alexander Gerst

Aus dem All über Kachsastan zurück nach Köln.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIm Film „Apollo 13“ gibt es eine Szene, in der gut gelaunte Astronauten per Videoübertragung Grüße aus dem All auf die Erde schicken. In der Nasa-Zentrale bedankt man sich bei den Astronauten und verschweigt ihnen, dass die Fernsehsender kein Interesse an einer Übertragung hatten. Die Raumfahrt war uninteressant geworden. Die Lehre aus der Szene: Raumfahrt lebt nicht nur von den Forschungsergebnissen, die mit ihrer Hilfe erzielt werden. Sie braucht auch Menschen, Helden, mit denen man sich identifizieren kann.

Ein solcher ist Alexander Gerst, der in der Öffentlichkeit immer freundlich und zugänglich wirkende Vulkanologe aus dem baden-württembergischen Künzelsau. Er kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit für seine Arbeit nicht beklagen. Ob die Sendung mit der Maus, Schülergruppen oder die Bundeskanzlerin – Gerst ist gefragt, wenn es darum geht, die Faszination der Raumfahrt und des Alls zu erklären.

Das liegt daran, dass er sich nicht nur für die Details seiner Experimente interessiert, sondern immer auch für den höheren Nutzen seiner Mission und der Raumfahrt an sich. Gerst will mit seiner Forschung dazu beitragen, dass wir Menschheitsprobleme von Krebs bis Klimawandel besser verstehen und besser bewältigen können.

Seine eigentliche Mission sieht er aber darin, den Menschen auf der Erde einen Blick von außen auf ihre Probleme zu ermöglichen. Seine Bilder, die er auch direkt via Twitter verbreitet, haben eine faszinierende Ästhetik. Mal sind es skurrile Landschaften, mal Wetterereignisse. Vieles davon hat eine eindeutige Aussage: Etwa wenn Gerst Bilder von abgeholzten Regenwäldern zeigt oder von ausgetrockneten Seen.

Wenn er im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln Gäste empfängt, erklärt er nicht nur die komplizierten Apparate, an denen auf kleinstem Raum Hunderte Experimente durchgeführt werden können. Er erzählt auch davon, wie verletzlich die Erde aus 400 Kilometer Entfernung wirkt. Die Atmosphäre sieht von dort oben wie eine zarte blaue Schicht aus. Das Wetter, dessen Kräften man sich auf der Erde ausgeliefert fühlen kann, zeigt sich als Teil eines empfindlichen Systems, das natürlich vom Menschen beeinflusst und aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.

Es sieht so aus, dass wir den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden. Alexander Gerst, Astronaut

Und doch ist dieser blaue Planet der einzige bekannte Ort im Weltraum, an dem Menschen natürlicherweise überleben können. Gerst erzählt das in präzisen Worten und mit einem erstaunlichen Optimismus, dass die Probleme gelöst werden können.

Der Astronaut hat am Donnerstag seine Mission als Kommandeur der ISS-Expedition 57 nach 197 Tagen im All beendet. Er landete gemeinsam mit der Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor und dem Russen Sergej Prokopjew mit einer Sojus-Kapsel in Kasachstan. Es war sein zweiter Aufenthalt im All.

Als letzte Botschaft von der ISS hatte er zuvor ein Video online stellen lassen, in dem er sich an seine Enkel richtet, von denen er hofft, dass es sie einmal geben wird. „Ich denke, dass ich mich bei euch entschuldigen muss“, sagt er da. „Es sieht so aus, dass wir, meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden.“

Den Menschen sei klar, dass sie den Planeten mit Kohlendioxid verpesten. „Dass wir das Klima zum Kippen bringen. Dass wir Wälder roden. Dass wir die Meere mit Müll verschmutzen. Dass wir die limitierten Ressourcen viel zu schnell verbrauchen. Und dass wir – zum Großteil sinnlose – Kriege führen.“

Gerst hat Sorge, dass seine Generation als diejenige in Erinnerung bleibt, die die Lebensgrundlagen auf der Erde egoistisch und rücksichtslos zerstört hat. Er wünscht sich, dass die Menschen lernen, „dass ein Blick von außen immer hilft“, wie er eindringlich in die Kamera spricht. „Dass es sich lohnt, mit seinen Nachbarn gut auszukommen.“ Die einfachen Erklärungen seien oft die falschen. Die eigene Sichtweise sei eigentlich immer unvollständig. Gerst findet, „dass ein Tag, an dem man über seinen Horizont hinausgeschaut hat, ein guter Tag ist“.

Alexander Gerst landet auf der Erde

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