Die Kinder von Donezk „Fast alle meine Freunde sind weg. Sie sind in Russland“

Wenn die Bomben fallen, geht es in den Keller: So sieht der Alltag vieler Kinder im Kriegsgebiet der Ostukraine aus. Draußen sehen sie vor allem Zerstörung. Die Kinder malen Bilder von Panzern und Raketenwerfern.
20 Kommentare
So wie dieser Junge im Raum Donezk leiden viele Kinder im Kriegsgebiet, an den Wänden hängen oft selbstgemalte Bilder von Panzern und Bomben. Quelle: dpa
Kindheit im Keller

So wie dieser Junge im Raum Donezk leiden viele Kinder im Kriegsgebiet, an den Wänden hängen oft selbstgemalte Bilder von Panzern und Bomben.

(Foto: dpa)

DonezkBlass sind sie, die Kinder von Donezk. Ihre Augen starren ins Weite. Ihre Tage verbringen sie größtenteils im Keller, wo sie Schutz vor den Bomben suchen. Zehn Meter unter der Erde versuchen sie, die Langeweile zu töten und ihre Angst zu verdrängen. Fast zehn Monate dauern die Gefechte zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten nun schon. Der Einschlag der Bomben bestimmt den Alltag der Kinder in der Rebellenhochburg Donezk im Osten des Landes.

Sobald sie können, kehren die Familien in ihre Wohnungen zurück. „Wenn die Bomben fallen, gehen wir hinunter. Jetzt sind wir seit mehr als zehn Tagen hier“, sagt Ljudmila Tarassowa, die Großmutter des zehnjährigen Artjom. Es ist Mittag und der kleine Junge liegt im Bett, in einem Schutzraum im Viertel Kiewski, nicht weit vom Flughafen entfernt. Artjom spielt ein Computerspiel. Am liebsten spiele er Autorennen, sagt der Junge.

„Manchmal gehe ich 'raus, um Luft zu schnappen, aber ich kann nicht wirklich spielen“, bedauert Artjom. In dem großen Schutzraum aus der Sowjetzeit haben etwa 40 Menschen Zuflucht gesucht, unter ihnen sind drei Kinder. „Fast alle meine Freunde sind weg. Sie sind in Russland“, sagt Artjom mit monotoner Stimme. Zwischen den Betten spielt er mit den sechsjährigen Zwillingsschwestern Sofia und Rada Verstecken.

Um die Zeit totzuschlagen, malen die Kinder auch. „Autos, das Logo von Schachtar Donezk (dem Fußballclub), die Leute, die Erde“, zählt Artjom auf. Doch an der Wand hängen nur Bilder von Panzern, Bomben und Raketenwerfern. Auf einer Zeichnung ist ein Soldat zu sehen, vor ihm knien drei weitere Männer in Uniform. „Verzeihung wegen der Bombardierungen“, „Wir werden es nicht mehr tun“, „Wir versprechen es“, sagen die Ukrainer auf dem Bild.

Auch Sofia malt gern, „vor allem Ponys“. Während einer Feuerpause ist sie zurück in die Wohnung gegangen, die nur wenige Meter entfernt ist. Während sich das kleine Mädchen auf sein Bild konzentriert, singt es von seiner Großmutter animiert mechanisch die Hymne der selbsternannten „Volksrepublik“ von Donezk oder ein Loblied auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Sie wolle Malerin werden, sagt Sofia.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Der Lehrer unterrichtet Anja am Telefon
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

20 Kommentare zu "Die Kinder von Donezk: „Fast alle meine Freunde sind weg. Sie sind in Russland“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Herr Peter Mühlbauer
    "Also ich glaub unseren amerikanischen Freunden alles."
    Haben Sie mich jetzt verstanden oder soll ich schreiben, weil ich blöd bin, glaube ich unsern amerikanischen Freunden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Andreas Glöckner@
    "Wir teilen diese Eigenschaft."
    Oh , gleich in der dritten Person, welches Amt darf der Diener melden?

  • [b]Antwort von Pravda]/b]
    ----------------
    Die USA bombardieren das ewig friedliebende Neurussland.
    Die Kinder haben angst, sie flüchten in den Keller.
    Die "Volkswehr" (russische Urlaubssoldaten und Söldner) helfen in Neurussland den Terroristen das Volk zu dezimieren.

  • @Peter Spiegel

    Sie setzen ihr Vertrauen in ein positives Menschenbild. Wir teilen diese Eigenschaft.

    Vielen Dank für Ihre Antwort und der bereits damit verbundenen Unterstützung.

  • Also ich glaub unseren amerikanischen Freunden alles.

  • >> Wenn die Bomben fallen, geht es in den Keller: So sieht der Alltag vieler Kinder im Kriegsgebiet der Ostukraine aus. >>

    Da schau her, nach 10 Monaten Bombardements der Ostukraine erinnert man sich daran, dass dort auch Kinder leben....?

    Unfassbar die Heuchelei und der Zynismus des Westens !

    Warum gab es keinen Aufschrei, als der kriminelle Oligarch Poroschenko der ganzen Welt verkündet hat, dass er die Ostukraine in die Keller bomben wird...?

    Mit Stalinorgeln...?

    Und was sagte gestern der Falke Mc'Cain : wir tragen Mitschuld, dass wir den Ukrainern keine geeigneten Waffen geliefert haben und diese mit vorhandenen Streubomben, Phosphorgranaten, ballistischen Raketen auf die Zivilisten feuern müssen......!

    Der Westen hat seine ganze PERVERSATION an Tagesordnung gelegt ! Der regt sich nur noch auf, wenn nicht genügend Teilnehmer schwänzewackelnd an CSD's herummarschieren.

    Dass Kinder wegen einem brutalen Junta-Krieg nicht mehr zur Schule gehen, von Granatsplittern zerrissen werden, sich in kalten, feuchten und dreckigen Rattenkellern sitzen müssen....da schauen wir locker drüber weg...bei Bier sitzend und RTL II geniessend ---!

  • Räuberbande=sind Menschen die mit Waffengewalt andere Menschen um ihr Eigentum bringen. Das trifft aber doch auf die prorussischen Rebellen zu, die , die Ukraine um ihr Land und Unabhängigkeit bringen wollen. (oder wird Räuberbande vons deutsche ins russische falsch übersetzt

  • Ein neuer Regierungsschubbser mit edler Schreibe wie erfreulich. Bringen Sie weiterhin Wärme in die Herzen der Europäer. Ich werde Sie nach Kräften unterstützen und unseren amerikanischen Freunden immer zu Diensten sein.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%