Die Protestler von Kiew „Es gibt keine Revolution ohne Blutvergießen“

Der bekannteste Oppositionsführer Vitali Klitschko postuliert die Gewaltlosigkeit, doch die Demonstranten in Kiew wollen den Sturz der Regierung – um jeden Preis. Was treibt sie an? Ein Besuch hinter den Barrikaden.
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Die Männer wechseln sich alle zwei Stunden auf den Barrikaden ab. Quelle: Pauline Tillmann

Die Männer wechseln sich alle zwei Stunden auf den Barrikaden ab.

KiewWladimir sitzt am Feuer und wärmt sich. Sein Zelt steht auf dem Khreshchatyk, der ehemaligen Prachtmeile von Kiew. Seit Wochen ist hier von Pracht nicht mehr viel zu sehen. Die Pracht ist dem Pragmatismus gewichen. Und der sieht vor, dass man Gesicht zeigt. Dass man demonstriert. Dass man Barrikaden baut. Und dass man bei minus 20 Grad Außentemperatur in Zelten schläft.

Wladimir ist 38 Jahre alt und kommt aus Ternopil, einer Stadt im Westen der Ukraine, gut 400 Kilometer von Kiew entfernt. Als Wladimir in die Hauptstadt gefahren ist, war er nicht allein. 30 Leute sind mit ihm gekommen. Drei Tage werden sie bleiben. Dann fahren sie wieder zurück.

Die zentrale Frage ist: Warum machen sie das? Wladimir antwortet: „Wir haben die Nase voll von Janukowitsch. Wir haben keine unabhängigen Gerichte. Wenn man nicht schmiert, wird man verurteilt. Das ist doch alles nicht normal!“ „Normal“, das ist für ihn der Westen.

Die Gesetze, die dort herrschten, seien normal. Seit 14 Jahren fährt er ins Ausland, um dort Geld zu verdienen. Nach Polen, Litauen, manchmal auch nach Russland. Wladimir arbeitet auf dem Bau. Gerne würde er in seinem Heimatland arbeiten, aber in der Ukraine wird seit der Fußball-Europameisterschaft 2012 nicht mehr viel gebaut. „Außerdem zahlt das Ausland besser“, sagt er.

Die Regierung streut immer wieder das Gerücht, dass die Demonstranten dafür, dass sie auf die Straße gingen, Geld bekämen. Beim sogenannten „Anti-Maidan“ im Kiewer Regierungsviertel, wo Janukowitsch-Befürworter Fahnen schwenken, ist es üblich mit 15 bis 20 Euro am Tag entlohnt zu werden.

Wenn man aber mit den „echten“ Demonstranten vom Khreshchatyk spricht merkt man, dass das nicht sein kann. So reden keine Menschen, die gekauft sind. So reden Menschen, die eine tiefe Überzeugung haben.

Ein Beispiel: Mitten im Gespräch fängt eine Gruppe von zehn Männern aus voller Inbrunst an zu singen. Manche fassen sich symbolträchtig ans Herz. Fast bekommt man den Eindruck, als ob diese Revolution dazu geführt hat, dass die Ukrainer ihren Nationalstolz wiederentdeckt haben.

Wladimir sagt, dass es früher keine Nation gab. Schließlich seien die Leute der Sowjetunion entsprungen, Stichwort „homo sovieticus“. Doch jetzt, jetzt sei alles anders. Denn: „Wir gehen hier nicht weg, bis wir den Krieg gewonnen haben.“

Revolution oder Krieg?
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18 Kommentare zu "Die Protestler von Kiew: „Es gibt keine Revolution ohne Blutvergießen“"

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  • Gibt es denn wirklich noch ein paar naive Hinterwäldler, die an das Märchen von friedlichen Demonstranten für die Freiheit der Ukraine glauben? Das ganze ist so lächerlich und offensichtlich, das man sich tatsächlich fragen muss ob sich die EU und die USA nicht mal mehr die Mühe machen ihre feigen Attacken wenigstens ein bisschen zu verschleiern. Sind die Menschen nach Meinung dieser Kriegstreiber wirklich schon so einfach zu manipulieren und zu belügen? Die Freiheit für Europa wurde durch den Lissabon Vertag und unzählige Vertragsbrüche seitens der EU zu Grabe getragen. Die Kriesen in Europa sind geplant und auch gewollt und ratet mal wer der grosse "Erlöser" sein wird.

  • Jetzt ist es ne österreichische Zeitung! Gut, dass du mir bestätigst, dass sagen wir nicht ganz so gut argumentierende Leute bzw. sture einseitige Leute deine Ansicht haben! Ich nenne soetwas amerikanisierte Idiotie! Danke das du das Bild von Menschen wie dir verfestigst! Arme Ukraine, Spielball im Konflikt USA gegen Russland!

  • Kleine Vermögensaufstellung!

    http://www.format.at/articles/1405/931/372187/millionen-gruesse-kiew

  • Wie wäre dann damit:

    http://mobil.krone.at/phone/kmm__1/story_id__391719/sendung_id__28/story.phtml

  • an die Red. des HB:
    der hier gezeigte "ukrainische Demonstrant" auf dem Video ist Bulatov, der Gründer des Auto-Madain der die Demonstration vor die Haustüre der Schlösser der Donetzer Verbrecherbande gebracht hat und auch viele Paläste der "Abegordneten" ins social-media Netz eingestellt hat! Da sieht man mal, wie dünnhäutig und gemeingefährlich diese "Politikermafia" ist. Das Video strömt über alle Netzwerke in der Ukraine und schürt nur noch mehr den Haß und beschleunigt den Abgang dieser Kriminellen!

  • http://menschenrechtsverbrechen.urlto.name (oder
    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/75149065375/ )

    ~~~

    Europäisches Gericht: Sorgerechtssituation unverheirateter Väter in Deutschland ist ein Menschenrechtsverstoß!

    Bundesverfassungericht im Januar 2003: Bundestag muß das Gesetz § 1626a BGB bis Jahresende 2003 ändern.

    Deutscher Bundestag – Macht bis 2013 also 10 Jahre lang nichts! „Was interessiert uns die Verfassung, das GG“

    19. Mai 2013: Gesetz wird verschlimmbessert. Als Un-verheirateter Vater bekommt man nicht automatisch das gemeinsame Sorgerecht für sein Kind sondern wie bisher nur wenn die Mutter sich nicht querstellt sogenannter „Kindeswohlvorbehalt“!

  • Ähm, ich sagte neutral! Dann bitte keine Zeitung zitieren, die von einem Amerikaner (James T. Bates) gegründet wurde. Das ist in diesem Zusammenhang einfach nur lächerlich, besonders bei dem Lebenslauf des Gründers...! Normal bringen die Zeitungen Aussagen von beiden Seiten. "James T. Bates (* 29. September 1844 in Boston, Massachusetts; † 24. Dezember 1914 in Genf) war ein US-amerikanischer Geschäftsmann. Er war der Gründer der Tageszeitung Tribune de Genève und der Union Bank, welche 1920 von der Schweizerischen Bankgesellschaft, der heutigen UBS, übernommen wurde.[1]

    Bates wurde als Sohn eines Reeders geboren. Mit 17 Jahren wurde er Mitglied der Unionsarmee, mit 21 Jahren stieg er zum Oberstleutnant auf. In New York wurde er schließlich zum Börsenmakler. Zwei Jahre nach seiner Heirat mit Amélie Chenevière im Jahr 1873 zog er in deren Heimatstadt Genf. Später heiratete Bates Henriette Baron. Seit 1878 war er ein aktives Mitglied der Emmanuel Church, einer amerikanischen Kirche in Genf

  • Auch wenns kopiert wurde. Ich find den Beitrag nicht peinlich sondern gut. Ne verlernt nicht, vlt. ist halt nicht jeder der gleichen Meinung bzw. kämpft für das was Sie sich vorstellen. Eher ist zu hoffen, das Menschen wie Sie in der absoluten Unterzahl sind. Wenn ich neutral auf der anderen Seite stehe, ja dann bin ich gegen Sie, Ihre Werte und die ukrainischen Demonstranten. So einfach gehts Partei zu ergreifen, wenn man vor die Wahl gestellt wird.

  • @donolli

    Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

  • Da haben Sie recht! Anbei einen Artikel aus Genf von der Geneve Tribune!

    http://mobile2.tdg.ch/articles/16129457

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