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Dienstältester Europaparlamentarier Elmar Brok will nicht um sein Mandat kämpfen

Elmar Brok wird aus dem Europaparlament ausscheiden: Nachdem er vom Vorstand der NRW-CDU übergangen wurde, will der Politiker nicht mehr für das Mandat kandidieren.
Update: 21.01.2019 - 12:34 Uhr Kommentieren
Der CDU-Politiker will nicht mehr für die Europawahl kandidieren. Quelle: dpa
Elmar Brok

Der CDU-Politiker will nicht mehr für die Europawahl kandidieren.

(Foto: dpa)

Bielefeld Elmar Brok gibt auf: Wenige Tage vor der Entscheidung der nordrhein-westfälischen CDU über ihre Kandidaten zur Europawahl macht der dienstälteste EU-Parlamentarier einen Rückzieher. „Ich werde am 26. Mai nicht erneut für das Europäische Parlament kandidieren“, teilte der 72-Jährige am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit. „Ich werde einen neuen Arbeitsrhythmus finden und weiter fokussierter für Europa und die CDU kämpfen.“

Damit zog der schnauzbärtige „Mister Europa“ einen Schlussstrich unter eine bisweilen bizarr anmutende Polit-Posse, die ihren Anfang vor zwei Wochen in einer Landesvorstandssitzung der nordrhein-westfälischen CDU genommen hatte. Dort war Brok beim Festzurren der Vorschlagsliste in einer Kampfkandidatur überraschend dem weitgehend unbekannten niederrheinischen Landtagsabgeordneten Stefan Berger (49) unterlegen.

Freiwillig hatte Brok auf die Kandidatur um den sicheren Platz 4 verzichtet und war stattdessen für Platz 6 angetreten. Brok habe das als Zeichen des Generationswechsels verstanden wissen und Jüngere vorlassen wollen, verlautete anschließend aus der Sitzung. Dabei habe er sich eben verzockt.

Seitdem rang das ostwestfälische Polit-Urgestein mit der Frage, ob er bei der entscheidenden Landesvertreterversammlung am kommenden Samstag in Siegburg alles auf eine Karte setzen und in einer erneuten Kampfkandidatur an der Basis doch noch um ein weiteres EU-Ticket werben sollte. Das Risiko: Komplette Selbstdemontage eines verdienten Politikers.

Hinter den Partei-Kulissen war darüber heftig diskutiert worden. Offene Kritik gab es aber weder von Landesparteichef Armin Laschet noch von anderen prominenten Weggefährten. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker (64) hatte kürzlich sogar noch über die „Bild“ für Brok getrommelt: „Ich würde es gerne sehen, dass Brok Abgeordneter des Europäischen Parlaments bleibt. Er ist der einflussreichste deutsche Abgeordnete.“ Broks weitreichende Netzwerke – unter anderem seine Verbindungen zu Bertelsmann – hatten aber auch immer wieder für Kritik und Einträge in Lobbyisten-Register gesorgt.

Seinen Zenit hatte Brok überschritten: 2017 hatte er bereits seinen langjährigen Posten als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament an den jüngeren Hoffnungsträger David McAllister abtreten müssen. In manchen Kommentaren der vergangenen Wochen hat Brok lesen müssen, dass er einen würdigen Absprung aus der Politik bereits verpasst habe.

Der 72-Jährige möchte sein Ringen natürlich nicht als Festhalten an der Macht interpretiert sehen, sondern dankt in seiner persönlichen Erklärung „den vielen Bürgern und Parteifreunden aus Deutschland und Europa, die mich in den letzten Wochen in einer mich bewegenden Art unterstützt und aufgefordert haben, erneut anzutreten. Das hat mir das Gefühl gegeben, gewinnen zu können.“ Viele Parteifreunde dürften nun erleichtert sein, dass Brok dies am Samstag nicht austesten wird, sondern den Parteibezirken eine Zerreißprobe erspart.

„Ich freue mich auf das Wagnis eines Neuanfangs und meine Herrschaft über meinen Terminkalender“, schreibt Brok. Schon 1973, als Funktionär der Jungen Union, „und insbesondere seit meinem Eintritt ins Europäische Parlament 1980 durfte ich für meinen Lebenstraum Europa im In- und Ausland arbeiten“, lautet seine wehmütig anmutende Bilanz. „Meine Frau, mit der ich in diesem Jahr 48 Jahre verheiratet bin, und die Kinder haben das getragen und ertragen – 7 Tage in der Woche. Nun soll es gut sein.“

  • dpa
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